Auch
nachdem mein Kollege Daniel Stoffel Sie bereits über einige
Gesamt-sieg-Favoriten und außergewöhnliche Fahrzeuge in
Kenntnis gesetzt hat, ist das Kontingent dieser "Besonderheiten"
noch längst nicht erschöpft.
Zunächst widme auch ich mich den Teams, die sich in der
Favoritenrolle be-finden. Da wäre zunächst das Team von
Land Motorsport zu nennen, das bei der "Generalprobe" für
die 24h-Hatz am 20. Mai den ersten Saisonsieg in der VLN
einfahren wenn auch nicht großartig feiern konnte. Statt
Feiern war nämlich Schrauben angesagt, nachdem Patrick Simon
die Kontrolle über den Porsche GT3 RSR kurz vor dem wetterbedingten
Rennabbruch verlor und frontal in die Leitplanken einschlug.
Sollte das reparierte Fahrzeug ähnlich gut "gehen", stehen
vor allem bei nassen Witterungsbedingungen die Sieg-chancen
für das Team von Wolfgang Land nicht schlecht. Neben den
Stamm-fahrern Patrick Simon und Marc Basseng wird das Team
bei den 24 Stunden außerdem von den DTM-Fahrern Frank Stippler
und Timo Scheider verstärkt.
Eher ein Geheimfavorit auf den Gesamtsieg ist die Zakspeed-Mannschaft.
Der Niederzissener Rennstall geht wie im Vorjahr mit zwei
Dodge Viper an den Start und rechnet sich speziell mit dem
top besetzten roten "Reptil" echte Siegchancen aus. Neben
den gewohnten Fahrern, dem auch in der FIA GT mittlerweile
erfolgreichen Sascha Bert sowie Peter Zakowski und Dr. Hans-Peter
Huppert-Nieder, wird außerdem der mehrfache Meister aus
dem Porsche Supercup, Patrick Huismann, die Truppe von Teamchef
Andreas Leberle verstärken.
In diesem Jahr äußerst konkurrenzfähig in der VLN unterwegs
war der GETRAG-BMW von Tobias Hagenmeyer und Michael Bäder,
der beim 24h-Rennen fahrerisch von Ex-DTC-Champion Markus
Gedlich unterstützt wird. Neben dem lang gewachsenen Hessen
wird auch Ralf Schall das Fahrer-gespann verstärken, womit
man zumindest fahrerisch auf absolut hohem Niveau ist. Wenn
die Technik hält, ist ein Platz in den Top5 auf jeden Fall
möglich!
Eine große Unbekannte ist das Projekt von Kurt Thiim, Franjo
Kovac und Martin Tschornia: Man nehme einen 3er BMW, pflanze
den V10-Motor aus dem BMW M5 ein, baue das Ganze breit und
versehe es mit vielen Spoilern, schon hat man ein weit über
500PS starkes und siegfähiges Auto, zumindest auf dem Papier!
Ob der in Fachkreisen als "Besaplast-BMW" bekannte Brummer
aber überhaupt wird starten können, steht noch in den Sternen.
Mittlerweile sind zwar alle Teile da, aber ob man bis zum
nächsten Wochen-ende das Auto fertig aufgebaut hat, ist
völlig unklar.
Ebenfalls nicht absehbar ist die Leistung von Raeder Motorsport.
Der brand-neue Lamborghini Gallardo ist zwar fertig aufgebaut,
leidet aber noch unter den üblichen Kinderkrankheiten. Bisher
konnte man kaum Testkilometer sammeln und bei der geplanten
Generalprobe beim letzten VLN-Rennen konnte man aufgrund
einer gebrochenen Antriebswelle gar nicht starten. Für die
Fahrer Dirk Adorf, Hermann Tilke und Peter Oberndorfer wird
es also mehr darum gehen, über die Distanz zu kommen als
um Positionen zu kämpfen!
Die von Daniel Stoffel ja bereits behandelte sehr interessante
Klasse SP6 wartet mit zwei weiteren "Schmankerln" auf. Zum
einen geht in dieser Klasse das Team Duller Motorsport mit
einem BMW M3 an den Start. Mit Dieter Quester, Hans-Joachim
Stuck, Philipp Peter und Artur Deutgen hat man durchaus
aber sogar das Potential, weit vorne in der Gesamtwertung
mitzu-mischen. Speziell im Regen hat man beim letzten VLN-Lauf
nämlich be-wiesen, dass man das Tempo der Spitzenteams trotz
Leistungsnachteil gut mitgehen kann, und außerdem hat man
noch immer den Rückenwind vom Sieg bei den 24h von Dubai!
Ebenfalls in der Klasse SP6 startet das Team Autosportif
LTD mit zwei Subaru Imprezas. Auf dem ersten der beiden
Allrad-Geschosse wechseln sich durchaus prominente Gesichter
am Steuer ab: Phil Bennett ist den Meisten aus der britischen
Tourenwagen-Meisterschaft (BTCC) bekannt, aber ebenso aus
der FIA GT und der LMES. Im vergangenen Jahr startete der
Brite bei Raeder Motorsport bereits bei den 24h in der "Grünen
Hölle". Der zweite Fahrer ist Alan van der Merwe. Der gebürtige
Südafrikaner hat in seiner Vita bereits den britischen Formel
3-Titel und Formel 1-Testfahrten bei BAR/Honda verzeichnet.
Jonathan Price, der an der Seite von u.a. Frank Stippler
bereits sechs mal die 24h Nürburgring absolviert hat, wird
als dritter Fahrer fungieren, abgerundet wird das Fahreraufgebot
von Chris Atkinson, der in der World Rallye Championship
(WRC) als Teamkollege von Ex-Weltmeister Petter Solberg
Werksfahrer bei Subaru ist. Ein zweiter Impreza des Teams
wird von Nick Jacobs, Rupert Douglas-Pennant und Rob Wilson
pilotiert.
In der Klasse S1 findet sich ebenfalls einige Prominenz
wieder. Bei Schubert Motorsport werden auf einem der bereits
in der VLN äußerst erfolgreichen BMW 120d die amtierende
VLN-Meisterin Claudia Hürtgen, Privatfahrer-Tourenwagen-Weltmeister
Marc Hennerici, der ebenfalls "sauschnelle" Team-chef Thorsten
Schubert selbst und Johannes Stuck, Sohn von Hans-Joachim
Stuck, ins Lenkrad greifen. Im Vorjahr konnte Schubert Motors
mit dem BMW 320i einen grandiosen 11. Gesamtrang bei den
24h in der Grünen Hölle erreichen.
Zusammenfassend lässt sich also schon vor dem Startschuss
am 17. Juni sagen, dass uns eines der besten bzw. attraktivsten
24h-Rennen seit Jahren bevorsteht. Nach zwei Jahren "Sauwetter"
dürfen sich die zahlreichen campenden Fans rund um die Strecke
-Vorhersagen zufolge- außerdem auf "Kaiserwetter" freuen,
womit ein Motorsportfest der ganz besonderen Art also angerichtet
ist. Fußball-WM und Le Mans zum Trotz werden rund 200.000
Zuschauer erwartet, die vor allem in der Nacht wieder für
eine unverwechsel-bare Gänsehaut-Atmosphäre sorgen werden.
Wir sind gespannt, wer aus diesem Feld voller Favoriten
und Geheimfavoriten als Sieger hervorgeht. Mein Kollege
Daniel Stoffel und ich werden das Geschehen ganz genau im
Auge behalten und den Daheimgebliebenen und Fernsehverbannten
aus erster Hand berichten.
Mit (äußerst vorfreudigem) motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam