Fragen und Antworten rund um das Dakar-Projekt von
Volkswagen mit dem Tarek:
Interview – Rudolf-Helmut
Strozyk, Jutta Kleinschmidt, Stéphane Henrard,
Dieter
Depping Rudolf-Helmut Strozyk, Sie haben Ihre Mannschaft für die
bisherigen Leistungen außerordentlich gelobt...
R.-H. Strozyk: „Das kann ich auch guten Gewissens. Mein
großer Dank gilt allen Beteiligten in Wolfsburg, Jutta Kleinschmidt
als Ratgeberin im Projekt, Stéphane Henrard und René Verbist für
die entwicklungstechnische Unter-stützung aus Belgien und natürlich
unserem Partner ItalDesign in Turin, der
die Autos gestaltet hat und aufbaut. Wenn wir am 1. Januar in Marseille
am
Start stehen, können wir bereits einen kleinen Sieg feiern: Dass
es uns gelun-gen ist, binnen weniger Monate drei einsatzfertige
Tarek zu entwickeln und aufzubauen.“
Welche Ziele haben Sie dem Team zur Premiere gesteckt?
R.-H. Strozyk: „Die Rallye Dakar wird ein Intensiv-Kurs
für eine Mannschaft,
die ihrerseits ihre Marathon-Premiere erlebt. Es ist eine Übung,
der Beginn
eines auf mehrere Jahre angelegten Projekts. So etwas ist mit einem
erheb-lichen Risiko verbunden, denn schließlich erlebt der Tarek
seine Feuertaufe bei der härtesten Rallye der Welt. Nichts ist selbstverständlich,
alles kann pas-sieren. Wir wollen Erfahrungen sammeln, das Team
zusammen bringen, die geografischen Gegebenheiten kennen lernen,
die Konkurrenz beobachten und
vor allem eines: In Sharm El Sheikh mit allen drei Autos ins Ziel
kommen. Das wäre ein schöner Erfolg.“
Verraten Sie uns, welche Strategie Sie bei der 19-tägigen Veranstaltung
verfolgen?
R.-H. Strozyk: „Während Jutta Kleinschmidt und Stéphane
Henrard ihren Rhythmus finden werden, fällt Dieter Depping die Aufgabe
zu, in einem als Chase-Car ausgerüsteten Tarek als Unterstützung
bereit zu stehen. Weiter-gehende Ziele zu den Etappen zu definieren,
die durchquert werden, wäre allerdings verfrüht. Warten wir doch
erst einmal ab, wie wir uns schlagen werden.“
Jutta Kleinschmidt, Sie fahren zum ersten Mal seit vielen Jahren
wieder einen Buggy. Gleichzeitig waren Sie in der Vergangenheit
ein fast schon sprich-wörtlicher Garant für Zielankünfte und Spitzenplatzierungen
– das ist nun nicht mehr selbstverständlich. Ihre Gefühle und Erwartungen
vor dem Start?
J. Kleinschmidt: „Auch wenn es bereits meine 13. Rallye
Dakar sein wird, ist
es in der Tat ein ganz anderes Gefühl als sonst. Irgendwie kommt
es mir als
Teil eines neuen Teams sogar so vor, als wäre es mein erster Start
überhaupt. Es ist spannend, aufregend, aber auch arbeitsintensiv.
Ich begleite im Dezem-
ber in Turin noch die Aufbauarbeiten der Fahrzeuge, muss mich um
meine Fitness kümmern und helfe bei der Vorbereitung der Navigation.
Damit habe ich mehr zu tun als je zuvor.“
Stéphane Henrard, worin sehen Sie die größten Stärken des Buggy
im Ver-
gleich zu den Modellen, die Sie bisher pilotiert haben?
S. Henrard: „Ich war vom ersten Augenblick an von der
Qualität des 1,9-Liter-Vierzylinder-TDI®-Aggregats von Volkswagen
beeindruckt. Das Ansprech-verhalten des Motors ist überwältigend
– deutlich besser als bei allen Diesel-triebwerken, die ich zuvor
bei Marathon-Rallyes gefahren bin. Im Chassis-
Bereich freilich sind die jahrelangen Erfahrungen einiger Gegner
nicht in weni-
gen Monaten aufzuholen.“
Dieter Depping, Sie fahren zum ersten Mal eine Marathon-Rallye.
Wie gestaltet sich der Umstieg?
D. Depping: „Ich habe bei den Tests in Marokko zum ersten
Mal mein neues Einsatzgebiet kennen gelernt. Die Unterschiede zum
Sprint-Rallyesport, aus dem ich komme, sind wie Tag und Nacht. Während
schnelle Strecken auf festerem Untergrund mich noch am ehesten an
den Rallyesport erinnern, eröff-
net sich mir beim Fahren in den Dünen eine neue Welt. Es geht nicht
mehr nur um Geschwindigkeit. Vielmehr ist man im Marathon-Sport
froh, manchmal überhaupt einen Weg aus den Dünen zu finden. Und
es gilt die Grundregel, nie stehen bleiben zu dürfen, sondern immer
in Bewegung bleiben zu müssen, um sich nicht festzufahren. Selbst
auf die ungewohnten Bedingungen muss man sich anpassen – ich gehe
verstärkt in die Sauna, um mich an hohe Lufttem-peraturen zu gewöhnen.“
Sie alle treten mit neuen Beifahrern an – ergibt sich daraus
auch eine neue Herausforderung?
J. Kleinschmidt: „Mit Fabrizia Pons bin ich bei der ADAC
Rallye Deutschland erstmals im Polo Super 1600 gestartet. Marathon-Sport
ist ihr keineswegs neu, denn sie hat 1995 bereits drei Läufe bestritten
und dabei zusammen mit Ari Vatanen zwei Gesamtsiege gefeiert. Sie
ist hoch motiviert, extrem fleißig und sehr wissbegierig. Natürlich
ist die Dakar wieder eine neue Herausforderung, die wir gewiss erfolgreich
meistern werden.“
S. Henrard: „Bobby Willis ist ein erfahrener Profi, der
schon viel im internatio-nalen Motorsport erreicht hat – bei Rallyes
und im Marathon-Sport. Ich freue mich darauf, mit ihm zusammen zu
fahren. Er ist gelassen, versiert, ruhig – das sind ideale Voraussetzungen.“
D. Depping: „Marathon ist für mich eine ganz neue Disziplin,
in der es so viele Variable gibt. Umso wichtiger ist es, einige
Konstanten zu kennen. Walter Bachhuber ist mit dem Marathon-Sport
schon von früheren Einsätzen vertraut. Seine Erfahrung, seine Navigationstalente
und auch seine geographischen Kenntnisse kommen mir extrem zugute.“
Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
J. Kleinschmidt: „Unser erklärtes Ziel ist es, die Rallye
Dakar 2005 zu ge-winnen. Vom ersten Tag an müssen wir daher die
Wettbewerbsfähigkeit im
Auge haben. Der Buggy ist im Hinblick auf die zur Verfügung stehende
Zeit
und unsere Ziele wie technische Zuverlässigkeit und Erprobung der
TDI®- Technologie genau das richtige Interims-Konzept. Ich bin gespannt,
wie schnell wir sein werden. Gegen die Favoriten auf den Gesamtsieg
haben wir keine Chance, aber ich hoffe schon, dass wir ‚Best of
the rest’ sein können.“
S. Henrard: „Es ist faszinierend, in dieses Projekt eingebunden
zu sein. Ich betrachte es als die Verwirklichung einer Idee durch
ein Werksteam, zu der ich persönlich vielleicht mit meinem Buggy
mit TDI®-Technologie vor einigen Jahren einen Anstoß gegeben habe.
Der Teamgeist bei Volkswagen ist toll, die gesamte Mannschaft arbeitet
auf große Ziele hin. Mein Anliegen ist es deshalb, zur Weiterentwicklung
des Projekts beizutragen und die angepeilten Ziele zu verwirklichen.“
D. Depping: „Ich will lernen, möglichst viele Erfahrungen
sammeln und deshalb unbedingt in Sharm El Sheikh nach 19 Tagen über
die Rampe fahren. Es wäre vermessen, bei meiner persönlichen Wüsten-Premiere
ehrgeizigere Ziele oder gar eine bestimmte Position im Endergebnis
anzupeilen.“
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