Peterhansel erkämpft für Dakar-Rekordsieger Mitsubishi
neunten Triumph
- Ex-Motorrad-Pilot Peterhansel mit sieben Siegen erfolgreichster Dakar-Pilot
- Vorjahressieger Hiroshi Masuoka wird Zweiter
- Andrea Mayer jubelt über tollen fünften Platz
- Vier Mitsubishi unter den besten zehn Teams
"Um Erfolg zu haben, muss man entschlossen und kühn sein." Mitsubishi
hat die Worte des russischen Dramatikers Anton Tschechow in Taten umgesetzt und
zum neunten Mal die Rallye Dakar gewonnen - nach 2001, 2002 und 2003 zum vierten
Mal in Folge. Kein anderer Hersteller triumphierte bei dem härtesten Motorsportwettbewerb
der Welt so oft. Auch bei der am Neujahrstag 2004 in der mittelfranzösischen
Stadt Clermont-Ferrand gestarteten 26. Auflage des Wüsten-Klassikers überzeugten
die konsequent für den Wettbewerb entwickelten Geländewagen-Prototypen
von Mitsubishi gleichsam mit schnellen Zeiten und Zuverlässigkeit. Nach 18
strapaziösen Tagen und rund 11.000 Kilometern fuhren die beiden Pajero Evolution-Piloten
Stéphane Peterhansel und Hiroshi Masuoka einen überlegenen Doppelsieg
heraus. Die Allgäuerin Andrea Mayer im Pajero T2 wurde bei ihrem ersten Einsatz
als Mitsubishi-Werkspilotin hervorragende Fünfte der Gesamtwertung. Massimo
Biasion, der einen dritten Pajero Evolution steuerte, konnte den Wettbewerb nach
einem Überschlag auf der sechsten Prüfung nicht mehr fortsetzen.
Bereits auf der dritten Etappe setzte sich ein entschlossen agierender Stéphane
Peterhansel an die Spitze des zu Beginn 142 Fahrzeuge starken Starterfelds der
Auto-Kategorie. Als die auf 61 Autos geschrumpfte PS-Karawane im Ziel am Lac Rosé
in Dakar ankam, führte der rot-silberne Mitsubishi Pajero Evolution des Franzosen
immer noch die Zeitentabelle an. Peterhansel ist erst der zweite Teilnehmer, der
die Dakar sowohl mit dem Motorrad als auch mit dem Auto gewonnen hat. Bislang
war Hubert Auriol der einzige Pilot, dem das gelang. Der Franzose sicherte sich
nach zwei Motorrad-Triumphen im Jahr 1992 am Steuer eines Mitsubishi Pajero auch
den ersten Platz auf vier Rädern. Nachfolger Peterhansel hat die Dakar sechsmal
mit dem Motorrad für sich entschieden. Mit jetzt insgesamt sieben Erfolgen
ist er der beste Dakar-Pilot aller Zeiten.
"Auf den ersten Sieg mit dem Motorrad musste ich vier Jahre warten, auf
den ersten mit dem Auto sechs. Aber letztlich kann man beides nicht miteinander
vergleichen", erklärte Peterhansel, der bereits im Vorjahr einem Sieg
zum Greifen nah war, aber auf der vorletzten Etappe vom Pech eingeholt wurde und
auf Platz drei zurückfiel. "Das war eine harte Rallye. Es gab unwahrscheinlich
viele Stellen, an denen man Fehler machen konnte. Aber wir haben es geschafft.
Einen großen Dank an meinen Beifahrer Jean-Paul Cottret, der perfekt gearbeitet
hat. Ich gratuliere ihm zu seinem ersten Dakar-Sieg. Im letzten Jahr mussten wir
einige Rückschläge einstecken. Aber jetzt ist alles vergessen."
Bis auf Getriebeprobleme auf einer Verbindungsetappe und Reifenschäden
vermeldeten Peterhansel und sein Beifahrer Jean-Paul Cottret so gut wie nie Schwierigkeiten.
Nur zweimal musste Peterhansel die Führung unterwegs abgeben: Teamkollege
Hiroshi Masuoka setzte sich auf den Etappen sechs und sieben an die Spitze. Die
sehr sandige achte Prüfung musste der 43 Jahre alte Japaner aber fast komplett
ohne ersten Gang bewältigen und büßte so rund 90 Minuten ein.
Bis ins Ziel reduzierte der Gesamtsieger der beiden vergangenen Jahre den Abstand
auf Peterhansel unter anderem mit vier Etappensiegen auf 49.24 Minuten und wurde
Zweiter. "Ich gratuliere Stéphane und Mitsubishi zum Sieg. Dieses
Jahr war die Dakar wirklich nicht leicht. Besonders die Prüfungen in der
Wüste Mauretaniens waren sehr schwierig", berichtete Hiroshi Masuoka.
Im nächsten Jahr will er auf jeden Fall zurückkehren und bei seinem
dann 14. Dakar-Start den dritten Sieg einfahren.
Vom neunten Tag an behaupteten die beiden Mitsubishi Pajero Evolution ununterbrochen
eine souveräne Doppelführung und bauten den Abstand zu den Verfolgern
stetig aus. In der Endabrechnung lag Jean-Louis Schlesser (Schlesser-Ford) als
Gesamtdritter deutliche drei Stunden hinter Sieger Peterhansel. Nicht nur Schlesser,
selbst zweifacher Dakar-Sieger, zeigte sich von der Leistung der Mitsubishi-Werksmannschaft
beeindruckt. "Die Außerirdischen" nannte der Franzose die 270
PS starken Hightech-Allradler von Mitsubishi respektvoll.
Die langjährige Motorrad-Pilotin Andrea Mayer jubelte nach der Zielankunft
über ihren fünften Gesamtplatz. "Das ist mein bestes Dakar-Ergebnis
überhaupt. Ein perfekter Einstand als Werksfahrerin. Damit haben Andy (Schulz)
und ich nicht gerechnet. Zum einen, weil wir als Rückendeckung für die
Evos eingesetzt waren und wir entsprechend vorsichtig agieren mussten, zum anderen,
weil das Starterfeld so stark besetzt war wie lange nicht." Andrea Mayer
und ihr Beifahrer, der zweifache Dakar-Sieger Andreas Schulz, hielten von Beginn
an mit guten Zeiten Kontakt zur Spitzengruppe. Am siebten Tag, auf der mit 1055
Kilometern längsten Etappe, die für viele Teams zum Stolperstein wurde,
verbesserte sich das deutsche Duo vom zehnten auf den sechsten Platz.
"Unser Pajero lief extrem zuverlässig. Wir hatten während der ganzen
Rallye, die sicherlich zu den härtesten der Dakar-Geschichte zählte,
nur ein echtes Problem. Am achten Tag fuhren wir in ein verstecktes Schlagloch.
Dabei riss das Federbein aus seiner Verankerung. Leider stand ausgerechnet dann
eine Marathon-Etappe ohne abendlichen Service an. So mussten wir auch tags darauf
mit diesem Problem leben. Ansonsten war das Auto ein zuverlässiger Partner.
Das gilt aber auch für Andy und das ganze Team", lobte die Deutsche,
die am 2. Januar 36 Jahre alt wurde. Mitsubishi Motors Motor Sports (MMSP) Team-Direktor
Dominique Serieys erwiderte das Kompliment: "Andrea hat ihre Aufgabe als
Helferin für ihre Teamkollegen bestens erfüllt. Sie hat sich nie beklagt.
Im Gegenteil: Wann immer man sie getroffen hat, lachte sie einen an."
Sven Quandt, Leiter von MMSP, gratulierte seiner Mannschaft zum erfolgreichen
Abschneiden: "Das ist ein großartiger Sieg für das ganze Team.
Ich glaube, dass es nur fair ist, dass Stéphane die Rallye nach seinen
Problemen im Vorjahr gewonnen hat. Er kann sehr stolz auf sich sein. Andrea hat
ein besseres Resultat erzielt als wir erwartet haben. Sie ist sehr professionell
gefahren. Das war eine der anspruchvollsten Dakar-Rallyes, die ich je erlebt habe.
Für Mitsubishi war das sicher ein Vorteil, so haben wir bewiesen, dass wir
die härteste aller Rallyes gewinnen konnten."
Zu den Gewinnern der Rallye Dakar 2004 gehört auch die Mitsubishi-Kundensportabteilung
Ralliart, die mit sieben Allradlern der Typen Pajero und L200 am Start war. Bei
einer Ausfallquote von 57 Prozent des Startfeldes sahen immerhin sechs Ralliart-Teams
das Ziel. Gleich fünf fuhren unter die besten 20. Nur der Spanier Jose Luis
Monterde musste nach der siebten Etappe aufgeben. Bester Ralliart-Pilot war Nasser
Saleh Al Attiyan aus Katar im Mitsubishi Pajero, der in der Gesamtwertung Platz
zehn erkämpfte. Der Brasilianer Klever Kolberg, der eine Diesel-Variante
des Allradlers steuerte, belegte als Gesamtelfter den vierten Platz in der Kategorie
der Selbstzünder. Dominique Housieaux (F) und Lukasz Komornicki (PL) fuhren
auf die Plätze 13 und 14. Ein starkes Dakar-Debüt erlebte Siriwattanakum
Pornsawan: Der Thailänder eroberte in einem Mitsubishi L200 Pick-Up den 15.
Platz und war damit fünftbester Diesel-Pilot. Ein weiterer Dakar-Debütant
unter den Ralliart-Teams freute sich über sein Abschneiden: Lou Ding wurde
47. "Ich wollte ins Ziel kommen und das habe ich geschafft", freute
sich der Chinese.