Jutta Kleinschmidt:
"Eine der härtesten Ausgaben der Dakar"
Bereits zum 14. Mal startet Jutta Kleinschmidt bei der Rallye Dakar, doch auch
die Volkswagen Werkspilotin kann sich kaum an eine Ausgabe erinnern, die so hart
war wie die aktuelle 26. Auflage des Wüsten-Klassikers.
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"Es sind Streckenlänge
und Route gleichermaßen, die so anspruchsvoll sind", analysiert die
erfahrene Marathon-Teil-nehmerin. "Die 700 Kilometer von Tan-Tan nach Atar
auf der siebten Etappe waren nicht einfach, aber wenigstens haben wir einen Schnitt
von 88 km/h erreicht. Zwei Tage später fuhren wir 736 Kilometer, also nur
unwe-sentlich weiter. Bei einem Schnitt von nicht einmal 75 km/h aber kam uns
die Strecke durch Sand, Geröll und Kamelgras fast endlos vor. Wir waren eines
von nur drei Teams, die weniger als zehn Stunden gebraucht haben. So etwas ist
selbst für Dakar-Verhältnisse selten."
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Inzwischen sind neun der ursprünglich geplanten 17 Etappen absolviert,
und die Marathon-Rallye steuert auf ihren Ruhetag in Bobo Dioulasso am 12. Januar
zu. Die beiden Prüfungen am 10. und am 11. Januar sagten die Organisatoren
aus Sicherheitsgründen ab. "Eine vernünftige Entscheidung, auch
wenn ich gerne gefahren wäre", bekennt die Dakar-Siegerin von 2001.
Der Grund: Ihr Volkswagen Race-Touareg kommt ebenso wie das Schwesterfahrzeug
von Bruno Saby besonders auf den rauen Prüfungen immer besser in Fahrt.
"Mein persönlich schönster Moment bisher war gewiss der zweite
Platz auf der achten Prüfung", unterstreicht Jutta Kleinschmidt. "Es
hat so unglaublich gut getan, dem Team mit diesem Ergebnis einen kleinen Dank
für etliche Monate harter Arbeit erweisen zu können." Ihr französischer
Teamkollege beweist mit Platz sieben im Gesamtklassement nach neun Etappen, was
mit der Neukonstruktion aus Wolfsburg bereits bei der Premiere möglich ist.
Diese Chance auf einen vorderen Platz bleibt der gebürtigen Kölnerin
allerdings verwehrt: Ein Wasserschaden am 2,3-Liter-Diesel-Triebwerk des Race-Touareg
infolge einer Furtdurchfahrt beendete am sechsten Tag alle Hoffnungen auf eine
vordere Platzierung. Neben vielen Litern Flusswasser im Motorraum und Cockpit
des Race-Touareg flossen an diesem Tag auch einige Tränen bei Jutta Kleinschmidt.
"Das war eine ganz bittere Situation, denn wir hatten einfach nur Pech, da
das Flussbett an anderen Stellen sehr seicht war. Die Stelle war im Roadbook nicht
einmal als Flussdurchfahrt, sondern als Trial-Abschnitt gekennzeichnet."
Während Jutta Kleinschmidt notgedrungen auf den Service wartete, der sie
letztlich ins Rallye-Camp schleppte, warnte sie gemeinsam mit ihrer Beifahrerin
Fabrizia Pons und mit dem viermaligen Dakar-Sieger Ari Vatanen, ebenfalls ein
Opfer dieses tückischen Wasserlochs, nachfolgende Teilnehmer. "Diese
Stelle wäre sonst noch Einigen zum Verhängnis geworden." Zudem
half Jutta Kleinschmidt, die ihre ersten Dakar-Abenteuer mit dem Motorrad in Angriff
nahm, einem ebenfalls liegen gebliebenen Motorradfahrer, sein Zweirad wieder instand
zu setzen. "Das ist doch selbstverständlich, das ist der besondere Geist
der Dakar."
Sie selbst fiel mit Co-Pilotin Fabrizia Pons auf Platz 123 zurück. Wer
allerdings glaubt, die frühere Marathon-Weltcup-Vizegewinnerin und ihre Navigatorin
aus Turin, anno 1982 Rallye-Vizeweltmeisterin als Beifahrerin von Michele Mouton,
ließen sich durch einen solchen Rückschlag entmutigen, täuscht
sich. "Ich stecke viel zu tief in diesem Projekt, um einen Rallye-Einsatz
deswegen aufzugeben", so das ehrgeizige Urteil der Diplom-Physikerin. Seit
2002 hat Jutta Kleinschmidt das Marathon-Projekt von Volkswagen nicht nur ab der
ersten Stunde begleitet, sondern aktiv mit gestaltet, war an der Konzeption des
Fahrzeuges beteiligt und hat sich bis zu Detailfragen in organisatorische und
technische Belange eingebracht.
Das Zwischenergebnis spricht Bände über die Motivation von Jutta
Kleinschmidt und Fabrizia Pons: Auf den nach dem Wasserschaden folgenden, extrem
rauen Etappen verbesserte sich das Damen-Duo innerhalb von drei Tagen um 97 Positionen
bis auf Gesamtrang 26. "Dieses Ergebnis haben wir zu einem wichtigen Teil
der guten Navigation von Fabrizia auf der extrem schwierigen neunten Etappe zu
verdanken", so Jutta Kleinschmidt. "Wir wollen fahren, auf den Prüfungen
ermutigende Einzel-Ergebnisse erzielen, das Auto noch besser kennen lernen und
damit möglichst viele Kilometer absolvieren. Es wäre toll, wenn am 18.
Januar beide Race-Touareg am Lac Rosé in Dakar ankämen. Wir haben
ein sehr gutes Gefühl mit dem Auto und kommen immer besser in Fahrt. Dabei
haben wir das Potenzial vom Fahrwerk und dem Luftdrucksystem bis hin zu anderen
Bereichen noch nicht einmal völlig ausgeschöpft."
Dank dieses Motivationsschubs bleibt das insgesamt 43-köpfige Team unter
Leitung von Volkswagen Motorsport-Direktor Kris Nissen auch auf den verbleibenden
sechs Etappen über 3320 Kilometer so motiviert wie seit Beginn der härtesten
Wüsten-Rallye der Welt am Neujahrstag im französischen Clermont-Ferrand.
Nur einmal pro Tag, so gibt Jutta Kleinschmidt zu, darf sie den Kopf hängen
lassen, dann nämlich, wenn der Physiotherapeut im Volkswagen Team diese Körperhaltung
explizit verlangt. "Stefan Haag aus der Sportklinik Bad Nauheim hatte nach
der letzten Etappe ganz schön viel zu tun, denn wir wurden auf der zehnstündigen
Fahrt durchgeschüttelt wie ein Milch-Shake", erzählt die Wüsten-Königin
mit ihrem sympathischen Lachen.