Rallye
Dakar - 15. Etappe - 15. Januar 2006:
Erster Sieg für Alphand mit Trauerflor
Die Rallye Dakar ist erstmals ohne ein sportliches
Finale beendet worden. Angesichts der zwei tödlich
verunglückten jungen Zuschauer am Freitag und Samstag
verzichtete die Organisation auf eine Zeitwertung
der letzten Etappe. "Ich bin über die tragischen Ereignisse
in den letzten Tagen sehr traurig. Aus Respekt vor
den Toten und deren Familien haben wir ent-schieden,
die letzte Etappe ohne Zeitwertung durchzuführen",
erklärte der Sportdirektor Etienne Lavigne. "Die senegalesischen
Behörden haben uns aber gebeten, auf den Zieleinlauf
und die Siegerehrung nicht zu verzich-ten, weil dies
ein nationales Ereignis in Senegal sei."
Drei Menschen verunglückten in der letzten Dakar-Woche
tödlich. Am Montag, 9. Januar, starb der australische
Motorradfahrer Andy Caldecott nach einem Sturz an
einem Halswirbelbruch. Am Freitag wurde ein zehn-jähriger
Junge beim Überqueren der Straße vom Rallyeauto des
Letten Maris Saukans erfasst und tödlich verletzt.
Am Samstag kam ein zwölf-jähriger Junge nach einem
Unfall mit einem Service-Fahrzeug zu Tode. Die Zahl
der Dakar-Todesopfer erhöhte sich auf 48. Vor genau
20 Jahren starben bei einem Hubschrauber-Absturz der
Franzose Thierry Sabine, Erfinder der Rallye Dakar,
und vier weitere Personen.
Für den Franzosen Luc Alphand (Mitsubishi Pajero)
und den Spanier Marc Coma (KTM) wurden ihre ersten
Dakar-Triumphe zu einem Sieg mit Trauerflor. Der frühere
alpine Ski-Weltcupsieger Alphand gewann seine erste
Rallye Dakar mit einem Vorsprung von 17:53 Minuten
auf den Südafrikaner Giniel de Villiers im VW Race-Touareg.
Rang drei mit einem Rückstand von bereits 1:50:38
Stunden sicherte sich der Spanier Joan-Nani Roma in
einem weiteren Mitsubishi. Der japanische Automobil-hersteller
Mitsubishi fuhr unter Alphand seinen elften Dakar-Erfolg
und den sechsten Sieg hintereinander ein. In der Motorradwertung
siegte erstmals Marc Coma, der für den österreichischen
Motorradhersteller KTM den sechsten Erfolg erreichte.
Um 1:13:29 Stunden verwies er den KTM-Kollegen und
Vorjahressieger Cyril Despres (Frankreich) auf den
zweiten Platz.
"Gestern hatte ich mich auf eine große Beach-Party
gefreut, aber heute nicht mehr", sagte Alphand, der
im letzten Jahr Zweiter hinter seinem Landsmann und
Mitsubishi-Partner Stéphane Peterhansel (2006: Platz
vier) Zweiter wurde und 1998 erstmals beim Marathon-Klassiker
startete. Der dreifache Ski-Weltcupgewinner beendete
1997 seine Karriere als Skirennläufer und widmete
sich ab 1998 seiner zweiten Passion, dem Automobilsport.
Nicht nur im offenen Gelände ist der 40-Jährige schnell,
auch auf der Rundstrecke. Von 2001 bis 2005 kam er
jedes Mal ins Ziel der 24 Stunden von Le Mans, mit
Gesamtrang 16 im Porsche GT3 als bestem Ergebnis.
Die Rallye Dakar war diesmal ein echtes Kräftemessen
zwischen dem Seriensieger Mitsubishi und dem Herausforderer
Volkswagen. Bei den Etappensiegen bot VW Mitsubishi
Paroli, beide gewannen jeweils fünf Etappen. VW führte
fünfmal, Mitsubishi jedoch zehnmal. In den ersten
Tagen dominierte VW mit dem spanischen Dakar-Neuling
Carlos Sainz und später mit De Villiers. Danach wurde
VW durch verschiedene Probleme etwas zurückgeworfen.
Die Kölnerin Jutta Kleinschmidt, in der ersten Woche
noch gute Aussichten auf ihren zweiten Dakar-Sieg
nach 2001, gab bei ihrer 15. Dakar am Mittwoch mit
beschädigter Radauf-hängung auf.
Rettete
die VW-Ehre auf Rang zwei: Giniel de Villiers |
Mit
dem zweiten Platz erreichte De Villiers das beste
Dakar-Ergebnis für VW nach dem Sieg von Freddy Kottulinsky
1980 im Iltis, das beste Resultat eines Dieselfahrzeugs
bei der Dakar überhaupt und die beste Platzierung
eines deutschen Automobilherstellers nach dem Porsche-Sieg
von 1986. "Die Chance zum Sieg war da, aber wir konnten
sie nicht nutzen, auch wenn wir den Seriensieger über
weite Strecken spürbar unter Druck gesetzt haben.
Die Defekte, die wir hatten, waren im Grunde geringfügig,
aber in der Wirkung erheblich", bilanzierte Volkswagen
Sportdirektor Kris Nissen den dritten Dakar-Start
mit dem Race-Touareg. |