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Der
DTM-Aufakt im Visier eines jungen Motorsport-Fans:
"Mercedes-Generationenteam
greift nach den Sternen"
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Klaus Ludwig hatte es, wie auch andere Experten, schon im Vorfeld
des ersten DTM-Laufs 2005 gewusst: Hockenheim ist und bleibt Mercedes-Terrain!
Dementsprechend gab es beim Team von Hans-Werner Aufrecht lange
Gesichter nach der Superpole, als Mattias Ekström im Audi plötzlich
auf Platz 1 des Zeitentableaus auftauchte. Keine Überraschung
jedoch in Reihe 2, zumindest nicht für Szenekenner. Der junge
Brite Jamie Green, überlegener Meister der Formel 3 Euroserie
2004, fuhr in der Superpole in seiner DTM-C-Klasse noch vor den
besten Opel vom Schweizer Marcel Fässler auf Startplatz 3. Etwa
15m rechts vor ihm am Start der Vizemeister der DTM 2004, Gary
Paffett, ebenfalls Mercedes.
Gehen wir aber zunächst nochmal hinter die Kulissen. Es ist noch
gar nicht so lange her, als regelrechte Jubelschreie durch die
Reihen der ITR gingen. Der vierte Hersteller war endlich gefunden,
und sogar einer mit Tradition in der DTM! Die neue Marke sollte
MG sein und das Auto ein Rover. Rover war bereits Anfang der 80er
Jahre erfolgreich in der DTM unterwegs und so freuten sich auch
die Fans auf die geplanten zwei Einsatzautos. Aber wie so oft
kam es erstens anders und zweitens als man denkt! MG Pleite! BAMM!
Wieder ein Schlag ins Gesicht der ITR-Verantwortlichen, da Opel
ja bereits im vergangenen Jahr den Austritt aus der Serie zum
Jahr 2006 bekannt gab und auch 2005 mit nur 4 Vectra GTS V8 auf
Sparflamme kocht.
Umso schlimmer für Opel, dass zwei Autos bereits nach dem Qualifying
in den letzten beiden Startreihen standen, nämlich die von Manuel
Reuter und "HHF" (Heinz-Harald Frentzen). Laurent Aiello, seines
Zeichens ja auch schon DTM-Meister, fuhr seinen playboy-Vectra
auf Startplatz 11. Leider war dieser Laurent Aiello der Auslöser
für einen massiven Startcrash, der eine mehrründige Safety-Car-Phase
nach sich zog. Direkt in der ersten Kurve waren zwei der brandneuen
und wirklich - pardon - affengeil gestylten Audi A4 DTM des Jahrgangs
2005 ausgeschieden. Es traf neben den Audi-Piloten Kristensen
und Capello natürlich auch Laurent Aiello selbst! Ebenfalls ver-
wickelt in diesen Crash Manuel Reuter, der zwar weiterfahren konnte,
aber direkt die Box ansteuerte, um aufzugeben.
Ein weiteres Opfer des Startgerangels war auch Martin Tomczyk,
der mit gebrochener Radaufhängung nach drei Runden die Segel streichen
musste, womit noch drei "neue" A4 im Feld verblieben. Kurz darauf
krachte dann Frentzen in das Heck des jungen Deutschgriechen Alexandros
Margaritis, das sofortige Aus für Frentzen! Margaritis konnte
zu-nächst mit verhunzter Aerodynamik am Heck weiterfahren, gab
aber nach wenigen Runden mit dem wenig fahrbaren Jahreswagen auf.
Nun wog all der Opel-Druck schwer auf Marcel Fässler, dieser lag
übrigens in den ersten Runden auf Rang 3, hatte sich an Jamie
Green vorbeigeschoben am Start. Genau so wie Gary Paffett an Mattias
Ekström. Ganz unauffällig verhielt sich einer, der über den Winter
hart an seiner eigentlich nicht vor-handenen Fitness der Vorjahre
arbeitete und der vor Saisonbeginn selbst-bewusst sagte: "2005
wird mein Jahr!"
Die Rede ist von Christian Abt. Dieser wechselte das Team, und
zwar weg vom Team seines Bruders Hans-Jürgen ins Team von Rainer
Joest, welches mit den Audi-"Jahreswagen" an den Start geht. Christian
Abt behielt also sein letztjähriges Arbeitsgerät und verlor neben
ein paar Pfunden am eigenen Körper auch 15 kg am Rennfahrzeug.
Stop!
Wieso 15 kg weniger? Kleiner Ausflug in die neue Gewichtsregelkunde:
Vor-jahresfahrzeuge dürfen aufgrund des benachteiligten technischen
Stands 15kg weniger wiegen als die aktuellen! Die Vorjahreswagen
sind aber nicht vom Handicap-System betroffen. Dieses sieht ein
Strafgewicht von 10kg für das Siegerauto sowie alle weiteren Autos
des Jahrgangs 2005 von diesem Hersteller vor. Die maximale Zuladung
ist aber 20 kg, also selbst wenn ein Auto -rein hypothetisch-
10 Rennen am Stück gewinnt, erhöht sich die Zuladung nach dem
2. Sieg nicht mehr sondern es bleibt bei 20kg.
Dasselbe, was für die Beladung gilt, gilt auch für die Entladung.
Der dritt-platzierte Hersteller darf seine aktuellen Autos um
maximal 20 kg entladen, jedoch nur um 10kg pro Rennen. Der zweitplatzierte
Hersteller behält das Gewicht an seinen Fahrzeugen.
Soweit alles klar? Keine Sorge, das schleift sich ein, schließlich
haben sich deutsche Rennsportfans auch schon an den Rennmodus
der V8Star ge-wöhnt!
Zurück zum Rennen und zu Christian Abt. Nein, erst zu einem Kampf,
der Christian Abt zu dem verhalf, was er vollbrachte. Es war nämlich
so, dass vorne in der Reihenfolge Alesi - Paffett - Schneider
drei Mercedes führten. Auf Platz 4 lag Mattias Ekström, der sich
vehement gegen den heranstürmenden Jamie Green zur Wehr setzte.
In Folge dieses Kampfs kam der sechst-plazierte Abt auf diese
Kampfgruppe auf, wartete, entgegen seinem Naturell, ab, was da
geschah und nutzte eine Rangelei Eingangs Motodrom aus, um auf
einen Schlag sowohl an Green, der das Kiesbett kurz besuchte,
als auch an Ekström vorbeizuziehen.
An dieser Reihenfolge änderte sich dann nichts mehr. Christian
Abt, der in der Saison 2004 mit dem Meisterauto einen Punkt holte,
fährt im Rennen vor den amtierenden Meister im "Modell 2005" über
den Zielstrich und lässt sich zurecht auf Platz 4 feiern, hinter
dem angesprochenen Mercedes-Trio! DTM-Neuling Mika Häkkinen konnte
sich übrigens von Startplatz 15 auf Endplatz 8 vorfahren, ein
Punkt zum DTM-Auftakt, gut gemacht!
Für Opel war der Rennsonntag ein Reinfall, Marcel Fässler wurde
9., einen Platz und fünfeinhalb Sekunden an den Punkten vorbei,
die anderen drei Fahrzeuge waren ja vorzeitig ausgeschieden! Im
Hinblick auf das zweite DTM-Rennen auf dem Eurospeedway Lausitz
denke ich, dass Opel die besten Karten hat. Die "Blitze" waren
bei den Wintertests immer vorne dabei und setzten einige Bestzeiten.
Durch die Entladung der Fahrzeuge denke ich, dass Opel am Eurospeedway,
auf dem sie traditionell sowieso sehr schnell sind, groß auftrumpfen
wird. Vielleicht sehen wir sogar ein Drei-Marken-Podium, ich würde
die Chancen auf dem Kurs Nahe Klettwitz für die jeweiligen Hersteller
als etwa gleich groß einschätzen.
Wie auch immer, Alles in Allem wird die Saison übers Jahr hinweg,
auch durch die neuen Regeln, sehr spannend. Opel wird sicher auch
um Siege mitfahren können, sodass wir uns auf die wohl spannendste
DTM-Saison der "Neuzeit" einstellen dürfen.
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/
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