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Die
DTM 2005 und 2006 im Visier eines jungen Motorsport-Fans:
Von
grünen Rennwagen,
alten Hasen und jungen
Wilden
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Zugegebenermaßen:
Ein grüner DTM-Renner der Generation 2005 existierte nur auf dem
Reißbrett. Dennoch war die Freude - nicht nur - bei den Köpfen der
DTM groß, als im Winter vor der neuen Saison die Teilnahme vom britischen
Automobilhersteller MG immer konkretere Formen annahm und sogar
schon über die Besetzung der Fahrerplätze diskutiert wurde. Doch
nach der Insolvenz des Mutterkonzerns war der lang gehegte Traum
des vierten Herstellers in der DTM geplatzt, und der Ausstieg von
Opel zum Jahresende stand zu diesem Zeitpunkt auch schon fest.
Sportlich war die Saison 2005 aber mit die spannendste der "neuen"
DTM. Wie im Jahr 2003 lieferten sich vor allem zwei Fahrer ein Kopf-an-Kopf-Rennen
um den Titel, doch in dieser Saison spielte sich dieser Kampf um
den Fahrertitel sogar zwischen zwei verschiedenen Marken ab.
Beim Saisonauftakt in Hockenheim sah es zunächst nach einer Saison
der alten Hasen aus. Nicht nur, dass ein Hase während des Rennens
durch die Box flitzte und alle seine Verfolger abschüttelte, auch
auf der Strecke sahen die jungen Wilden, mit Ausnahme von Gary Paffett,
gegen die gestandenen Herren in der Blüte des Lebens alt aus. Mit
Jean Alesi fand der Saisonauftakt einen Rennsieger, auf den wohl
kaum jemand gesetzt hätte, vor allem nicht Audi-Frontmann Mattias
Ekström, der sich nach der Pole Position auf der Mercedes-Strecke
im Badischen sicher auch Siegchancen ausrechnete. Zunächst sah Bernd
Schneider wie der Sieger des Rennens aus, doch nach einer Durchfahrtsstrafe
musste der ehemalige Formel 1-Fahrer und DTM-Rekordmeister aus dem
Saarland sich mit Platz drei zufrieden geben. Zusammen mit Gary
Paffett rahmte er den überglücklichen Franzosen mit sizilianischen
Wurzeln auf dem Siegerpodest ein. Mattias Ekström landete noch hinter
Christian Abt im Vorjahreswagen auf Platz fünf.
Der zweite Saisonlauf zeigte dann zum ersten Mal die Geschlossenheit
der skandinavischen Rennfahrer-Armada auf. Hinter Rennsieger Gary
Paffett, der damit auch die Führung in der Gesamtwertung erstmals
übernahm, kamen nämlich der Däne Tom Kristensen, der Finne Mika
Häkkinen und der Schwede Mattias Ekström ins Ziel. Jean Alesi kam
nicht über den siebten Platz hinaus, konnte aber den zweiten Platz
in der Gesamtwertung vor Mattias Ekström verteidigen.
Ein perfektes skandinavisches Ergebnis gab es dann in Spa-Francorchamps.
Auf der Rennstrecke, wo Mika Häkkinen schon in der Formel 1 gewann,
konnte er sich auch in der DTM, bereits in seinem dritten Rennen,
gegen das gesamte restliche Fahrerfeld durchsetzen. Auf dem Siegerpodest
umgeben wurde der überglückliche Finne von Mattias Ekström und Tom
Kristensen. Nur auf Platz acht kam nach einer Durchfahrtsstrafe
Gary Paffett ins Ziel. Die Gesamtwertung führte der Brite dennoch
weiterhin an, nur jeweils zwei Punkte dahinter lauerten jedoch Mattias
Ekström, Mika Häkkinen und Jean Alesi auf die erstbeste Gelegenheit,
die Führung in der Gesamtwertung zu übernehmen.
Bereits beim vierten Lauf in Brünn nutzte Mattias Ekström diese
Chance und gewann dank Stallorder vor seinem Teamkollegen Tom Kristensen,
was Platz eins in der Fahrerwertung bedeutete. Erfreulich für Opel
war der erste Podest-platz der Saison, ausgerechnet vom so harsch
kritisierten Heinz-Harald Frentzen eingefahren. Wenige Sekunden
hinter Frentzen überquerte Gary Paffett das Ziel, wodurch er aber
immer noch Zweiter in der Fahrwertung, nun vor Tom Kristensen, blieb.
Beim fünften Lauf in Oschersleben hätte Tom Kristensen, der kurz
zuvor seinen siebten Sieg in Le Mans einfuhr, die Chance gehabt,
nach der Tabellenführung zu greifen, doch von der Pole Position
aus legte er einen Start hin, den Kritiker vielleicht sogar als
"lockeres Anfahren" bezeichnen würden. Die Spitze übernahmen Gary
Paffett und Mattias Ekström, die in der Reihenfolge der Aufzählung
auch mit drei Sekunden Unterschied die Ziellinie überquerten. Mit
Platz drei konnte der 2004er Champion der Formel 3 Euroserie, Jamie
Green, seinen ersten Podestplatz in der DTM bejubeln. In der Gesamtwertung
konnte Mattias Ekström die Führung um einen Punkt vor Gary Paffett
behaupten. Tom Kristensen, der eine Aufholjagd startete und am Ende
sogar noch Fünfter wurde, behielt Gesamtrang drei.
Der Start in die zweite Saisonhälfte auf dem Norisring hätte kaum
spektaku-lärer und nervenaufreibender seien können. Zunächst war
es Opel-Pilot Marcel Fässler, dessen Team eine Safety Car-Phase
dazu nutzte, um den taktischen Grundstein zum ersten Opel-Sieg seit
langer Zeit zu legen. Nach einem Crash von Allan McNish rutschte
Fässler jedoch kurz vor der Einfahrt zur Boxengasse auf einer Ölspur
aus und zerlegte die Frontpartie seines Wagens in viele Einzelteile.
Der irreparable Schaden bedeutete das Aus für den sichtlich enttäuschten
Schweizer. Die Opel-Ehre retten wollte dann Manuel Reuter, der in
der letzten Runde einen Angriff auf den auf Platz drei klassierten
Mattias Ekström ritt, der jedoch mit fairen Mitteln aussichtslos
und daher unnötig war. Zwar fuhr er auf der Strecke als Dritter
durchs Ziel, vor dem waidwunden Auto Ekströms, doch die nachträglich
verhängte Zeitstrafe bugsierte den Wahl-Österreicher hinter die
Punkteränge.
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Vorne
gewann derweil "Gary Perfect" vor dem wieder starken Christian
Abt im Jahreswagen, was bedeutete, dass die Gesamtführung
wieder nach England überwechselte. |
Auch beim siebten Lauf
auf dem Nürburgring schien alles fest in der Hand von Gary Paffett
zu sein, doch eine erneute Durchfahrtsstrafe kostete ihn den sicheren
Sieg. Der von Mika Häkkinen hergeschenkte dritte Platz bedeutete
dann nur Schadensbegrenzung, da Mattias Ekström vor Tom Kristensen
gewann. Die Führung in der Gesamtwertung übernahm mit einem Punkt
vor Paffett wieder Mattias Ekström.
Der achte Lauf in Zandvoort war dann ohne Frage das Meisterstück
von Gary Paffett. In 38 Runden nahm er Mattias Ekström über zwölf
Sekunden ab und fuhr damit einen glasklaren Sieg vor Ekström und
dem wieder erfreulich star-ken Heinz-Harald Frentzen ein. An der
Spitze des Gesamtwertung wech-selte, ein Mal mehr um nur einen Punkt,
wieder die Führung zu Gary Paffett über.
Beim neunten Lauf auf dem Eurospeedway Lausitz bekämpften sich die
beiden Meisterschaftsleader in herzerfrischender Art und Weise auf
der Strecke. Mattias Ekström konnte nach einem Kampf über etwa zwei
Drittel der Renndistanz die Führung um 0,4 Sekunden vor Paffet durchs
Ziel retten und sich damit auch wieder in der Meisterschaft einen
Punkt vor Paffett platzieren.
Den GAU erlebte Mattias Ekström dann im zehnten Lauf auf der neuen
Strecke in Istanbul. Während Mercedes, angeführt von Gary Paffett,
einen Vierfach-Sieg einfahren konnte, lag der Audi A4 DTM des Schweden
gar nicht und er musste das Rennen außerhalb der Top Ten beenden.
Die Führung in der Fahrermeisterschaft übernahm somit wieder Gary
Paffet, der vor dem Saisonfinale in Hockenheim, der Mercedes-Strecke,
einen Vor-sprung von neun Punkten auf seinen härtesten Widersacher
vorzuweisen hatte.
Der Showdown in Hockenheim war dann, wie erwartet, in fester Hand
der Mercedes-Fahrer. Bernd Schneider -womit wir wieder bei den alten
Hasen wären- setzte seine Serie, mindestens einen Sieg pro Saison
in Hockenheim zu holen, fort und verwies Jamie Green und den neuen
und damit ersten britischen DTM-Meister Gary Paffett auf die zweite
bzw. dritte Position. Mit dem Sieg konnte sich Bernd Schneider,
nach einer eigentlich verkorksten Saison sogar noch als zweitbester
Mercedes-Fahrer, auf Gesamtrang vier, einreihen.
Herzlichen Glückwunsch an Mercedes zum Marken- und Gary Paffett
zum Fahrertitel!
Die Zukunft der DTM im Jahr 2006 stand lange auf der Kippe. Horrorszenarien
eines Mercedes-Markenpokals wurden sich schon ausgemalt, als Audi
nicht fristgerecht den neuen DTM-Vertrag unterzeichnete. Doch kurz
vor Ablauf der Fristverlängerung, die bis zum 15.12.2005 ging, bekannten
sich die Ingol-städter für weitere drei Jahre zu einem DTM-Engagement.
Die Tatsache, dass bei Audi z.B. der neue V8-Motor für die DTM schon
seit Ende Oktober auf dem Prüfstand läuft, lässt das Zögern des
Audi-Vorstands lächerlich erscheinen, zeigt aber auch, dass die
Bedenken der Fans und DTM-Verantwortlichen unbegründet war.
Nur ein Marketing-Gag? Wie dem auch sei, die kommende Saison wird
sicher wieder spannend. Die Tatsache, dass keine Opels am Start
sein werden, auch keine privaten, da man in Rüsselsheim sonst eine
Katastrophe erwarten würde, dürfte nach spätestens der Hälfte der
Saison mit genau so packender Rennaction wie in den vergangenen
Jahren vergessen sein.
Die DTM wird internationaler: Mit Brands Hatch, Le Mans und Barcelona
finden sich im 2006er Rennkalender nicht nur drei neue ausländische
sondern vor allem auch drei neue klangvolle Strecken wieder.
Das Jahr 2007 bietet dann wieder einen noch rosigeren Ausblick.
Toyota will mit seiner Tochter- bzw. Luxusmarke Lexus wahrscheinlich
in der Saison 2007 als dritter Hersteller mit einsteigen und nach
dem werksseitigen Aus-stieg von Alfa Romeo aus der WTCC darf man
hoffen, dass auch die Italiener, nach den Erfolgen in den 90er Jahren,
in die DTM zurückkehren.
Ich bin mir sicher, dass bis zum Saisonstart 2006, traditionsgemäß
in Hockenheim, schon einige neue Entwicklungen abzusehen sind. Bis
dahin wünsche ich allen schöne Feiertage, einen "guten Rutsch" ins
neue Jahr und viel Kurzweil bis zum Beginn der neuen Motorsportsaison.
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/
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