Paffett siegt am
Norisring vor DTM-Rekordkulisse
Das sechste DTM-Rennen des Jahres war eines der besten und span-nendsten
in der DTM-Geschichte. Vor der neuen DTM-Rekordkulisse von 143.000
Zuschauern am Rennwochenende erlebten die Besucher packende Tür-an-Tür-Duelle,
zwei Safety-Car-Phasen und zahlreiche Überholmanöver. Den kühlsten
Kopf beim Stadtrennen auf dem Norisring und über 30 Grad Außentemperatur
behielt am Ende wieder einmal Gary Paffett in der AMG-Mercedes C-Klasse.
Der Brite feierte seinen dritten Saison-Erfolg und übernahm die
Führung in der Gesamtwertung. „Das war wirklich ein un-glaubliches
Rennen“, strahlte der 24-Jährige nach seinem Sieg.
Zur Freude der DTM-Fans stand auch ein Deutscher auf dem Treppchen.
Der Kemptener Christian Abt belegte im Vorjahres-Audi A4 DTM Platz
zwei vor seinem Teamkollegen, dem amtierenden Champion Mattias Ekström.
Turbulenter hätte das Rennen am Norisring kaum sein können. Der
Däne Tom Kristensen (Audi Sport Team Abt) gewann das Startduell,
wurde aber bereits vor der ersten Kurve von den beiden Mercedes-Benz-Piloten
Paffett und Jean Alesi überholt. Für Jamie Green (Salzgitter AMG-Mercedes)
wurde diese Stelle in Runde sechs ebenfalls zum Verhängnis. Der
Brite bremste zu spät und kollidierte mit Markenkollege Mika Häkkinen
- beide schieden aus.
Das Safety-Car neutralisierte das Rennen für drei Runden. Viele
Teams nutzten die Safety-Car-Phase für den ersten Pflicht-Boxenstopp.
Nach dem Restart bekamen die Zuschauer auf dem rappelvollen Norisring
Motorsport der Extraklasse geboten. Bei packenden Zweikämpfen gab
es reihenweise Überholmanöver.
Nach einem harten Einschlag und dem Ausfall von Audi-Pilot Rinaldo
Capello in Runde 30, musste das Safety-Car zum zweiten Einsatz für
acht Umläufe auf die Strecke. Der in Führung liegende Opel-Pilot
Marcel Fässler be-schädigte sein Auto durch herumliegende Fahrzeugteile
von Capellos Auto so stark, dass er enttäuscht aufgeben musste.
Gary Paffett und sein Team reagierten am schnellsten und legten
den Grundstein für den späteren Sieg. Der Brite, bis dahin ohne
Stopp, fuhr zu seinem ersten Pflichtboxenstopp. Bereits eine Runde
später absolvierte er seinen zweiten. Paffett fiel dadurch bis auf
Position zehn zurück. Mit einer bravourösen Aufholjagd kämpfte er
sich zurück an die Spitze.
Bis zum Überfahren der Ziellinie kam es beim Kampf um die Plätze
zu spannenden Duellen. Hinter dem Führungsduo Paffett und Abt kämpfte
Ekström mehrere Runden mit Opel-Fahrer Manuel Reuter um Platz drei.
In der letzten Runde kam es zu einer Kollision, Reuter wurde mit
einer 30-Sekunden-Strafe belegt und landete auf dem neunten Rang,
Ekström wurde dritter. Der Schotte Allan McNish (Audi Sport Team
Abt) und sein Team-kollege Martin Tomczyk fuhren auf die Plätze
vier und fünf. Heinz-Harald Frentzen beendete die 72 Runden auf
dem 2,3 Kilometer langen Norisring mit seinem Opel Vectra GTS V8
als Sechster.
Von der Pole Position gestartet, fuhr Kristensen vor Pierre Kaffer
(Audi Sport Team Joest Racing) auf den siebten Platz. Durch seinen
heutigen Erfolg übernahm Gary Paffett (44 Punkte) vor dem amtierenden
Champion Mattias Ekström (41) die Führung in der Gesamtwertung.
Tom Kristensen rangiert mit 28 Zählern auf Platz drei.
Der siebte Lauf der DTM findet am 7. August auf dem Nürburgring
statt.
Stimmen zum Rennen
Gary Paffett (Sieger, DaimlerChrysler Bank AMG-Mercedes):
„Das war wirklich ein unglaubliches Rennen. Mein Team holte mich
während der zweiten Safety-Car-Phase direkt zum Boxenstopp. Schon
in der ersten Kurve nach dem Stopp hörte ich über Funk, dass ich
direkt zum zweiten Stopp kommen sollte. Die Strategie hat mich etwas
überrascht, aber am Ende hat sie sich ausgezahlt. Die letzten 15
Runden habe ich nicht mehr alles gegeben, um meine Reifen und Bremsen
zu schonen.”
Christian Abt (2. Platz, Audi Sport Team Joest Racing):
„Es ist toll, nach so langer Zeit mal wieder auf dem Podium zu stehen.
Gegen Ende des Rennens kam ich in einen Zwiespalt. Zum einen hatte
ich die Chance, Paffett anzugreifen, zum anderen konnte ich meinem
Team-kollegen helfen. Als ich merkte, dass Paffett zu schnell war,
ließ ich Mattias in der letzten Runde eine Lücke, um mich zu überholen.
In die ist dann Manuel Reuter reingefahren.”
Mattias Ekström (3. Platz, Audi Sport Team Abt Sportsline):
„So ein Rennen erlebte ich noch nie. Selbst der Lauf am A1-Ring
2002 war nicht so dramatisch wie heute. Wir boten den vielen Zuschauern
eine tolle Show.”
Heinz-Harald Frentzen (6. Platz, Stern Team OPC):
„Es war ein sehr spannendes Rennen mit viel Materialverlust. Nach
einem unverschuldeten Dreher in der ersten Runde kämpfte ich mich
von der letzten Position durch das Feld. Zu Beginn der zweiten Safety-Car-Phase
wollte ich zu meinem Pflichtboxenstopp. Leider stand dort schon
Marcel Fässler und ich konnte nicht abgefertigt werden. Schade,
eigentlich hatten wir eine Top-Strategie.“
Mercedes-Benz-Motorsportchef Norbert Haug:
„Es war ein äußerst turbulentes Rennen. Während der ersten Safety-Car-Phase
waren wir gehandicapt, da wir schon an der Boxeneinfahrt vorbei
waren und so die Autos nicht reinholen konnten. Gary Paffett hat
einen guten Job gemacht. Meiner Meinung nach, war das die stärkste
Leistung, die das Team je erbracht hat. Der Sieg war absolut beeindruckend.
Gary Paffett führt jetzt die Meisterschaft an.”
Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich:
„Mattias Ekström wurde drei Mal umgedreht und ist trotzdem noch
Dritter geworden, das ist ein gutes Ergebnis. Der zweite Platz von
Christian Abt mit dem Vorjahreswagen ist toll. Er und das Team haben
einen super Job ge-macht. Grundsätzlich haben aber auch die Safety-Car-Phasen
das Rennen mitentschieden. So habe ich zwar ein weinendes Auge,
da wir die Meister-schaftsführung verloren haben, aber auch ein
lachendes, da wir nun die Markenwertung anführen. Für die Zuschauer
war das Rennen bis zuletzt spannend. Die DTM hat am Norisring Motorsport
vom Feinsten gezeigt.”
Opel-Motorsportchef Volker Strycek:
„Die Truppe hat gekämpft und unser Auto war heute definitiv siegfähig.
Marcel Fässler war bis zu seinem Ausfall de facto der Führende im
Rennen und hätte heute den ersten Sieg für uns einfahren können.
Auch wenn wir am Ende ohne Ergebnis sind, bin ich froh, dass wir
hier unsere Siegfähigkeit demonstriert haben.” |