Harte
Bandagen in Barcelona
* Titelkampf bleibt offen Barcelona.
Nach einem hart umkämpften neunten Saisonlauf in Barcelona ist
die Ent-scheidung in der DTM-Gesamtwertung auf das letzte Rennen
des Jahres in Hockenheim vertagt. Nach viel diskutierten und
umstrittenen Positions-kämpfen entschied sich Audi in der 50.
von 58 Runden dafür, alle Fahrzeuge aus dem Rennen zu nehmen.
Den Sieg holte sich dadurch Jamie Green in der AMG Mercedes
C-Klasse vor seinen Markenkollegen Bruno Spengler und Paul di
Resta. Für Green ist es der erste DTM-Sieg seiner Karriere.
Grund für die Entscheidung von Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang
Ullrich waren viele aus Audi-Sicht überharte Zweikämpfe. Unter
anderem gerieten Mika Häkkinen und der Zweite der Fahrerwertung,
Audi-Pilot Martin Tom-czyk, in der siebten Runde aneinander.
In Umlauf 13 kollidierte Mercedes-Benz-Pilot Daniel la Rosa
mit dem Führenden der Meisterschaft, Mattias Ekström im Audi
A4 DTM. Alle vier Piloten mussten das Rennen vorzeitig beenden.
Vor 42.000 Zuschauern am gesamten Renn-Wochenende kochten die
Emotionen auch in der Boxengasse hoch. Die Motorsportchefs der
beiden Hersteller, Norbert Haug (Mercedes-Benz) und Dr. Wolfgang
Ullrich (Audi), waren sich einig, dass die Gemüter abkühlen
werden und äußerten sich optimistisch, dass das Saisonfinale
in drei Wochen auf dem Hockenheimring eine sportliche und faire
Entscheidung in der Fahrerwertung der DTM 2007 bringen wird.
Der zehnte und letzte DTM-Lauf des Jahres findet am 14. Oktober
auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg statt.
Jamie Green (Sieger, Salzgitter AMG Mercedes):
„Mir fällt ein Stein vom Herzen. Wenn man als Champion der Formel
3 Euro Serie antritt, sind die Erwartungen schon sehr hoch.
Ich habe während der Saison zeigen können, dass ich diesen Erwartungen
entsprechen kann. Ich bin aber oft durch blöde Situationen,
an denen andere Schuld waren, zu-rückgeworfen worden, wenn ich
auf dem Weg zum Podium war. Aber das ist die DTM. Es geht auf
und ab, sie ist spannend und faszinierend. Ich bin froh, dass
ich durch diesen Sieg den Ball wieder ins Rollen gebracht habe.
Mit dem Sieg kann ich allen, die an mich geglaubt haben, einiges
zurückzahlen.”
Bruno Spengler (2. Platz, DaimlerChrysler Bank AMG Mercedes):
„Die acht Punkte, die ich heute machen konnte, sind verdient,
und ich bin froh, jetzt nur noch zwei Punkte hinter Mattias
Ekström in der Meisterschaft zu liegen. Von den anderen Fahrern
wurde es mir auch nicht gerade leicht gemacht, aber das waren
alles Positionskämpfe und daher für mich in Ord-nung. Ich bin
nur froh, dass ich mein Auto in einem Stück über die Ziellinie
fahren konnte. Im Finale in Hockenheim werde ich, wie in allen
Rennen, mein Bestes geben. Ich freue mich auf einen spannenden
Showdown mit drei Titelkandidaten.“
Paul di Resta (3. Platz, JAWA4U.de AMG Mercedes):
„Die DTM-Saison ist gut für mich gelaufen. Es ist mein Lehrjahr
in der DTM und ich habe viel gelernt, auch aus Fehlern. In Hockenheim
können wir das tun, was wir auch schon im ersten Rennen getan
haben, nämlich auf das Podium fahren. Da war mein Auto saustark.
Hoffentlich kann ich mich im nächsten Jahr noch weiter steigern.”
Mercedes-Benz-Motorsportchef Norbert Haug:
„Wir müssen uns die Situationen jetzt noch mal genau ansehen,
und dann erst kann man Genaues dazu sagen. Man muss erst immer
das Gesamtbild betrachten und kann dann ein Urteil fällen. Mika
Häkkinen war am Ende der Start-Zielgeraden viel schneller als
Martin Tomczyk. Der Überholvorgang war vielleicht ein bisschen
sehr optimistisch, aber mit Absicht hat er nicht ge-handelt.
Mattias Ekström ist in der Situation mit Daniel la Rosa sehr
hart gefahren. Meiner Meinung nach bestand keine Veranlassung,
die Autos aus dem Rennen zu nehmen. Ich möchte hier betonen,
dass es bei uns keine Teamorder gab und die Situationen auf
der Strecke definitiv keine Revanche für das Rennen in Zandvoort
sind. So etwas würden wir nie tun. Jetzt werde sich die Emotionen
abkühlen und wir werden in Hockenheim ein spannendes Saisonfinale
erleben.”
Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich:
„Die Entscheidung, alle Autos aus dem Rennen zu nehmen, ist
mir ganz bestimmt nicht leicht gefallen. Mir ist bewusst, dass
uns das auch Punkte gekostet hat, die am Ende vielleicht wichtig
sind. Wir sind hierher nach Barcelona gekommen, um ein faires
Rennen zu fahren. Aber das, was hier auf der Strecke passiert
ist, war zunächst viel und am Ende mit der Situation gegen Mike
Rockenfeller zu viel. Das war definitiv nicht das, was wir hier
sehen wollten. Motorsport muss fairer Sport sein und das war
in diesem Rennen nicht so. Natürlich berühren sich in einem
harten und fairen Rennen die Autos auf der Strecke. Wenn aber
die Berührungen dazu führen, dass Autos ausfallen, ist das ein
Verhalten, das wir nicht im Motorsport sehen möchten. Die Entscheidung,
die Autos aus dem Rennen zu nehmen, sollte zeigen, dass wir
das nicht wollen.”
Harte Strafen gegen Häkkinen und la Rosa
Die beiden Mercedes-Benz-Fahrer Mika Häkkinen und Daniel la
Rosa wur-den nach dem neunten DTM-Rennen in Barcelona hart bestraft:
Sowohl Häkkinen als auch la Rosa wurden von den Sportkommissaren
aus der Wertung genommen und werden beim Saisonfinale am 14.
Oktober auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg in der Startaufstellung
um zehn Plätze nach hinten versetzt.
Zusätzlich zu den Sportstrafen wurde beide Piloten mit saftigen
Geldstrafen belegt: Der zweimalige Formel-1-Weltmeister Häkkinen
muss 22.000 Euro zahlen, Markenkollege la Rosa muss 10.000 Euro
zahlen. Häkkinen hatte in der siebten Runde mit dem bis dahin
führenden Audi-Piloten Martin Tomczyk eine Kollision, la Rosa
war mit Mattias Ekström aneinander geraten.
Die Teams der beiden Fahrer haben bereits Berufung gegen die
Entschei-dung eingelegt. |