Alles hätte so schön werden können für die Roten aus Maranello.
Experten bezeichneten den Ferrari F2005 als die neue "rote Göttin".
Fakt ist aber, dass mit dem alten Auto wenigstens Punkte geholt
wurden und dieser Ferrari der erste seit 1998 ist, der bei seiner
Feuertaufe nicht gewinnt! Dabei war die Grundvoraussetzung für
die Beibehaltung dieser Serie eigentlich denkbar gut. Auch wenn
Rubens Barrichello mittlerweile das dritte "Wundergetriebe" in
drei Tagen in seinem F2005 montiert hatte, fuhr Michael Schumacher
mit bis dato technisch einwandfreiem Arbeitsgerät sogar in Startreihe
1, konnte das Tempo des souveränen Polemanns sogar mitgehen.
Letzterer trug übrigens wieder mal DIE Modefarben der Formel 1-Saison
2005, ein dezentes Hellblau gepaart mit dem Gelb eines gewissen
"Createur d'Automobiles", sein Name: Fernando Alonso. Aber dann
passierte das Un-glaubliche: Ein Ferrari, der von Michael Schumacher
pilotiert wird, bekommt technische Probleme. Man muss schon so
weit in der Geschichte der Formel 1 zurückblättern, bis man an
der Stelle ist, als noch der Hockenheimring mit den langen Waldgeraden
existierte. Auf eben diesem alten Hockenheimring war 2001 der
letzte technisch bedingte Ausfall der Startnummer 1.
Aber auch das Sorgenkind der Trainingssessions bekam noch mal
die Kin-derkrankheiten der "roten Gurke" zu spüren. Er wurde vom
Sieger überrundet und in der letzten Runde sogar noch von David
Coulthard aus den Punkte-rängen verdrängt. Shit happens, Mr. Byrne,
Brawn & Co.!
Rennen gefahren wurde aber auch noch. Schon mal den Namen Pedro
de La Rosa gehört? Die eingefleischten Fans wissen sicher um die
Klasse des zweiten Testfahrers bei McLaren. Grand Prix-Erfahrung
durfte der Spanier aber bisher nur bei Teams wie Arrows und Jaguar
sammeln. Besondere Umstände bringen aber manchmal besondere Erscheinung
hervor. Der hierarchisch also niedrigste fahrerische Angestellte
beim Team um Ron Dennis kam praktisch wie die Jungfrau zum Kinde.
Stammfahrer Montoya verletzte sich, wie es offiziell heißt, bei
einem bal-listischen Experiment auf dem Tennisplatz, betreffend
Tennisball zwischen Schuh und Platzboden. Konsequenz: Haarriss
in der Schulter! Was aber war mit dem etatmäßigen Ersatzfahrer
Alexander Wurz? Ganz einfach: Der lange Österreicher passt einfach
noch nicht so Recht ins enge McLaren-Cockpit. Also musste der
vierte Fahrer ran.
Und er nutzte seine Chance eindrucksvoll. Obwohl im Qualifying
klar benach-teiligt, verwies er den Starfahrer des Teams, Kimi
Räikkönen, hinter sich. Im Rennen ließ "Iceman" Räikkönen wie
üblich nichts anbrennen (mit Platz 3 erster Podiumsplatz für die
Silberpfeile!), aber Pedro de la Rosa bewies seine Racer-Fähigkeiten
mit packenden Zweikämpfen und beherzter Fahrweise.
Unter anderem mussten sich ihm Rubens Barrichello und Mark Webber
geschlagen geben. Am Ende Platz 5 und höchstwahrscheinlich ein
mit vielen Ausrufezeichen versehener Eintrag in nicht nur dem
Notizblock von Ron Dennis!
Achja, gewonnen hat auch einer, und wer sonst außer einem Renault-Piloten
sollte es sonst gewesen sein? Angesichts der Tatsache, dass Giancarlo
Fisichella einen Motorschaden hatte ist nicht schwer zu erraten,
wer bei der diesmal champagnerduschenfreien Siegerehrung als erstes
den Pokal bekam! Der 3. April wird den spanischen F1-Fans also
lange in Erinnerung bleiben.
Alonso liegt nun auch in der WM-Wertung klar auf Platz 1, aber
was kommt danach? McLaren? BMW-Williams? BAR? Red Bull vielleicht?
Was ist mit Sauber? Alles falsch, Toyota! Jarno Trulli durfte
auch dieses Mal wieder die zweithöchste Stufe des Podiums erklimmen.
Für Imola liegt also einiges in der Luft, Ferrari hat Zeit, bis
zum Heim-GP den Wagen standfest zu be-kommen, McLaren verzeichnet
ebenso eine Aufwärtstendenz wie Toyota, die in Bahrain die Plätze
2 und 5 aus Malaysia sogar noch übertreffen konnten (2. und 4.).
BAR muss beim Grand Prix von San Marino endlich Punkte holen,
der Vize-Konstrukteursweltmeister hat noch keine Zielankunft anno
2005 vorzuweisen. Alles deutet darauf hin, dass die Spitze zusammenwächst
und mit ein bisschen Glück wird die Dominanz von Renault in Imola
gebrochen!
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/