"Fernando Fantastica" hallte es aus Wohnzimmern in ganz Spanien,
als nach 71 Rennrunden beim GP von Brasilien in Interlagos Fernando
Alonso als Dritter und somit als neuer und vor allem neuer jüngster
Formel 1-Weltmeister aller Zeiten die Ziellinie überfuhr. Nach
fünf Jahren der Dominanz von Michael Schumacher und Ferrari ist
Renault mit dem jetzigen "König von Asturien" der erste Weltmeister
im neuen Jahrtausend, der eben nicht in "Ferrari Rosso" daherkommt.
Die Startnummer 1 wandert also weiter zu den Hellblau-Gelben,
doch in der Konstrukteurs-WM ist noch alles offen.
Durch den Doppelsieg von McLaren-Mercedes wurde Renault um ganze
zwei Punkte von der Spitze in der Markenweltmeisterschaft verdrängt.
Der fahrerische Zieleinlauf in Interlagos war derselbe wie im
vergangenen Jahr: Montoya vor Räikkönen. Macht aber nix, da die
teaminterne Reihenfolge bei McLaren-Mercedes schon vor dem Rennen
entschieden war. Mit mehr als 30 Punkten Unterschied war Kimi
Räikkönen bereits als Vize-Weltmeister fix, Montoya kämpft dagegen
noch mit Michael Schumacher, der starker Vierter in Brasilien
wurde, um Platz drei.
Es war, wie erwartet, ein turbulentes Rennen: Gleich am Start
klemmten die BMW-Williams Piloten Mark Webber und Antonio Pizzonia,
der den angeblich noch immer oder wieder verletzten Nick Heidfeld
auch in Brasilien ersetzte, den bombastisch gestarteten David
Coulthard ein, sodass gleich in Runde eins schon drei Autos aus
dem Rennen waren.
Ohne Kollision musste "Mr. Reliability" Tiago Monteiro ausscheiden.
Ein technischer Defekt verhinderte die 17. Zielankunft im 17.
Rennen seiner Karriere! War der Jordan das hohe Tempo vielleicht
nicht gewohnt, dass der Portugiese mit dem sonst so unterlegenen
Material gehen konnte? Denn objektiv betrachtet war Tiago Monteiro
nicht nur DER Neueinsteiger der Saison für mich, sondern auch
der Mann des Rennens in Interlagos! In der Qualifikation Platz
13 erreicht, zugegebenermaßen mit Gewichtsvorteil, denn nach der
Aufwärmrunde fuhr er bereits zum Sprit nachfassen, aber die Performance
im Rennen konnte sich auch sehen lassen. Denn trotz dieser "Taktik"
fuhr Monteiro seinem hochgelobten Teamkollegen Narain Karthikeyan
um die Ohren, ehe ihn 16 Runden vor Schluss der Defekt ereilte.
Vielleicht steht dem mittlerweile auch schon 29 Jahre alten Portugiesen
noch eine große Zukunft in der Formel 1 bevor!
Als nächstes geht es auf den Racetrack von Suzuka. Die von Honda
zu Testzwecken gebaute Rennstrecke ist gespickt mit schwierigen
Strecken-abschnitten und, das finde ich sehr gut, es gibt kaum
asphaltierte Auslauf-zonen. Hier ist nicht nur Schnelligkeit sondern
auch Köpfchen und eine saubere Technik gefragt. Der technisch
anspruchsvolle Kurs verzeiht kaum Fehler und wird deshalb nicht
zu Unrecht oft mit Spa-Francorchamps verglichen. In der ultraschnellen
"130R", vergleichbar mit der Blanchimont in Spa, werden über 5g
Querbeschleunigung erreicht. Nicht ganz zufällig gewann deshalb
auch im vergangenen Jahr Michael Schumacher in Suzuka. Die Wiederholung
dieses Sieges ist aber nahezu ausgeschlossen, es müsste schon
ein Wunder geschehen - oder regnen! Also: Früh aufstehen am 9.
Oktober!
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/