Mit dem heutigen
Grand Prix von China gehen einige Teile der modernen Formel 1
zu den Akten.
Die langjährige Verbindung zwischen BMW und dem Team WilliamsF1
löst sich auf. Das Team von Frank Williams wird ab dem kommenden
Jahr Motoren von Cosworth bekommen, BMW steigt als komplettes
Werksteam beim Team von Peter Sauber ein. Nach über zehn Jahren
des Bestehens wird damit auch das Sauber-Team aus der Formel 1
verschwinden, zumindest namentlich.
Nach sieben Saisons wird das Team BAR ab 2006 zum Honda-Werksteam,
Minardi wird ebenfalls zur nächsten Saison nicht mehr als Bewerber
in den Starterlisten stehen, da Red Bull das Team aufgekauft hat.
Es steht noch in den Sternen, ob der bisherige Minardi-Eigner
und Teamchef Paul Stoddart mit einem neuen, eigenen Team 2006
wieder an den Start geht.
Endgültig umbenannt wird auch das Team Jordan. Nachdem Teamgründer
Eddie Jordan bereits zur Saison 2005 sein Team an den russischen
Ölmilliar-där Alex Shnaider verkaufte, wird ab dem kommenden Jahr
auch das Team "Jordan" in "Midland F1" unbenannt.
Ebenfalls "goodbye" sagen die treuen Formel 1-Anhänger den lieb
gewonnenen V10-Saugmotoren mit 3 Litern Hubraum. Ab dem Jahr 2006
werden diese durch nur noch 2,4 Liter große V8-Motoren ersetzt.
Aber es fand ja heute auch noch ein Rennen statt. Vor eben diesem
letzten Lauf zur Formel-Weltmeisterschaft 2005 standen noch zwei
Entscheidungen aus: Die um den Titel des Kontrukteurs-Weltmeisters
und die um den dritten Platz in der Fahrer-WM. Und beide Entscheidungen
wurden von einer unsau-beren Schweißnaht an einem Gully getroffen.
Hinter seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen fahrend übersah Juan-Pablo
Montoya einen aus dem Boden ragenden Gullydeckel und beschädigte
sich sein Auto.
Gullys? Shanghai? War da nicht mal was? Stimmt! Im vergangenen
Jahr fuhr die DTM auf einer Stadtstrecke in Shanghai ein Einladungsrennen
und auch hier ragte ein Gullydeckel aus dem Boden, den - jetzt
wird's kurios - ausge-rechnet Bernd Mayländer übersah. Im letzten
Jahr bedeutete ein heraus-ragender Gullydeckel in Shanghai, dass
Bernd Mayländer nicht weiterfahren konnte, heute bedeutete er,
dass Bernd Mayländer zum Fahren kam, als Fahrer des Safety Cars
nämlich.
Sachen gibt's… Durch den Ausfall Juan-Pablo Montoyas war die Vorent-scheidung
im Kampf um den Konstrukteurs-Titel gefallen. Die um den dritten
Platz in der Fahrer-WM sowieso, da "JPM" hätte punkten müssen,
um Michael Schumacher diesen Platz noch hätte wegschnappen können.
Auch Michael Schumacher erwischte es. In einem kuriosen Zwischenfall
auf dem Weg zur Startaufstellung mit Christijan Albers standen
auf einmal zwei Wracks neben der Strecke. Der seine Reifen aufwärmende
Michael Schumacher übersah beim Ansetzen zum Zick-Zack-Fahren
den heran-brausenden Holländer und die beiden Wagen krachten ineinander.
Michael Schumacher startete dann, wie Albers, im T-Car und fiel
durch Eigenver-schulden - ein Dreher in einer Safety Car-Phase,
sieht man auch nicht alle Tage von einem siebenmaligen Weltmeister
- aus. Aber das konnte ihm ja egal sein.
Oder nicht? Giancarlo Fisichella war ja noch im Rennen und er
lag vor dem letzten Lauf nur neun Punkte hinter Schumacher. Ein
bisschen Team-Taktik (Renault hatte ja eine Doppelführung) und
schon hätte "Fisico" den dritten Platz inne. Der zweite Boxenstopp,
während der zweiten Safety Car-Phase, brachte dann aber die Entscheidung,
und zwar im doppelten Sinne. Zum einen überholte Kimi Räikkönen
durch einen schnelleren Stopp Fisichella sowieso schon in der
Boxengasse, zum anderen bekam der Römer dann eine Durch-fahrtsstrafe
wegen Aufhaltens anderer Autos in der Boxeneinfahrt. Nutznießer
war der stark fahrende Ralf Schumacher, der den dritten Platz
von Fisichella erbte. Dieser wiederum kam unmittelbar vor Christian
Klien ins Ziel, der seinen RBR-Cosworth auf den wirklich tollen
fünften Platz fuhr und sein Punktekonto von fünf auf neun verbessern
konnte.
Jetzt steht die lange Winterpause an, die schrecklichste Zeit
des Jahres für jeden Formel 1-Fan. Die nächste Saison wird traditionsgemäß
im März in Melbourne starten, da heißt es dann wieder 4 Uhr aufstehen,
aber das tut man doch gerne, oder?
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/