Ab dem 31.7. 2005 gilt in Europa das Tabakwerbeverbot, d.h. nach
dem GP von Ungarn wird bei den europäischen Rennen der Formel
1 sämtliche Tabakwerbung von den Formel 1-Autos verschwinden.
Im Vorfeld des GP von Hockenheim kursierte dann ein Wortspiel
durchs Fahrerlager, dabei ging es um Schleichwerbung: Der Tabakkonzern
"Philipp Morris" macht derzeit auf den F1-Boliden von Ferrari
Werbung für ihr Produkt "Marlboro", doch der Sponsorenvertrag
mit "Philipp Morris" läuft über die Zeit nach dem 31.7. 2005 hinaus.
Allerdings gehört das Unternehmen "Kraft" (Lebensmittel) auch
zum "Philipp Morris"-Konzern, jedoch unter anderem Namen ("Altria").
Ab August könnte es also sein, dass man z.B. lila Ferraris durch
die Gegend kurven sieht, im-merhin gehört auch "Milka" zum Kraft-Konzern.
Nein, keine Angst, die Ferraris bleiben rot, aber auf diesem "Umweg"
macht man auch Werbung für den "Philipp Morris"-Konzern, was also
eine Schleich-werbung bedeutet.
Nun kam von ein paar ganz lustige Kerlchen der Kommentar "Der
Ferrari macht doch sowieso schon "Schleich"-Werbung". Nunja, das
Amusement über dieses Wortspiel hielt sich Ferrari-intern doch
etwas zurück!
Damit wären wir beim Renngeschehen von Hockenheim, denn die Vorstellung
von Ferrari war nicht sehr glanzvoll. Aber von vorne: Wie gewohnt
ging es auch bei diesem Großen Preis von Deutschland turbulent
zur Sache. Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve sah man in der Anfangsphase
nur selten auf dem asphaltierten und von zwei weißen Linien eingeschlossenen
Teil der Rennstreckenanlage. Gleich drei mal war er in das eine
oder andere Schar-mützel verstrickt, wobei er sich am Heck vom
wieder mal die komplette Renndistanz absolvierenden Tiago Monteiro
(immer noch kein Ausfall in seiner nun doch schon zwölf Rennen
dauernden Karriere) sogar seinen kompletten Frontspoiler samt
Nase abfuhr.
Ausfälle waren aber gerade mal zwei dabei. Jarno Trulli schied
kurz vor Schluss aus, wurde aber noch als 14. gewertet, noch vor
Jacques Villeneuve. Den anderen Ausfall brauche ich wohl gar nicht
zu erwähnen. Wieder mal traf es, wieder klar führend, den WM-Zweiten
Kimi Räikkönen, bei dem die Technik sicher von einem ehemaligen
Renault-Techniker gewartet wird.
Was nutzt das schnellste Auto und der beste Fahrer, wenn das Material
nicht hält? Da ist er wieder, der "Hätte,- Wäre-, Könnte-Kimi"…
Ebenfalls nicht gewertet wurde Mark Webber, der nach langer "Richtpause"
zu Beginn des Rennen nichtmehr die geforderten 90% Renndistanz
schaffte, um gewertet zu werden.
Nach Dreher im Qualifying und somit Startplatz 20 startete Räikkönens
Teamkollege Juan-Pablo Montoya eine Aufholjagd, die ihn am Ende
sogar auf Platz zwei spülte. Dritter wurde einigermaßen überraschend
der von Platz zwei gestartete Jenson Button, der seinen zugegebenermaßen
etwas glücklosen Teamkollegen Takuma Sato (der neben Neuling Robert
Doornbos der einzige Fahrer ohne Punkt bleibt) wieder klar im
Griff hatte.
Analog zu seiner Startposition kam nach langem aber doch verlorenen
Kampf gegen Giancarlo Fisichella Weltmeister Michael Schumacher
auf Position fünf ins Ziel. Dabei konnte er seinen Bruder Ralf
Schumacher und Red Bull Racing-Piloten davis Coulthard nur knapp
in Schach halten. Den letzten Punkt sicherte sich Felipe Massa
im Sauber. Gerade noch in den Top 10 kam der völlig enttäuschende
Rubens Barrichello hinter dem zweiten RBR von Christian Klien
ins Ziel.
Was bleibt festzuhalten? Der WM-Vorsprung von Fernando Alonso
steigt um 10 Punkte auf nun 36 vor Kimi Räikkönen an. Bei noch
sieben ausstehenden Rennen ein kaum verlierbarer Vorsprung des
noch 23jährigen Fernando Alonso, der der jüngste F1-Weltmeister
aller Zeiten werden könnte.
Des weiteren muss man bei BMW-Williams trotz Startplatz sechs
und sieben einsehen, dass man das Tief nicht überwunden hat. Wenn
bei nur zwei Aus-fällen Red Bull Racing und Sauber in die Punkte
fahren, während wieder kein BMW-Williams in den Top 10 zu finden
ist, muss man bei BMW fast schon froh über den Neuanfang im kommenden
Jahr sein.
Bereits in einer Woche startet auf dem Hungaroring der 13. Lauf
zur Formel 1 2005. Sollte dieses Mal alles glatt laufen, dürften
die "Silberpfeile" kaum zu schlagen sein. Fernando Alonso feierte
kurz nach seinem 22. Geburtstag im Jahr 2003 seinen ersten Grand
Prix-Sieg seiner Karriere auf eben diesem Hungaroring. Er wird
alles daran setzen, wieder das Podium erklimmen zu können. Aber
heute hat man wieder gesehen, die Formel 1 ist unberechen-bar,
also seien wir mal gespannt, was uns in Ungarn erwartet.
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/