Was haben Felipe
Massa, Michael Schumacher, Narain Karthikeyan, Vitantonio Liuzzi,
Fernando Alonso und Kimi Räikkönen gemeinsam? Auf den ersten Blick
natürlich nur, dass sie allesamt F1-Fahrer sind. Aber seit heute
wissen sie außerdem, wie geländefähig ihre Gefährte in den Kiesbetten
des Nürburgrings sind!
Was da heute ablief, erinnerte mich mehr an die Rallye-WM als
an einen F1 GP! Anscheinend hat die Hitze wohl mehr den Fahrern
als den Motoren zuge-setzt…
Erinnerungen an ein Rennen in Barcelona vor einigen Jahren wurden
wach, als in der letzten Runde mal wieder ein McLaren, verfolgt
vom härtesten WM-Konkurrenten, die Segel streichen musste. Wie
damals bei Mika Häkkinen die Kupplung, löste sich heute die rechte
Vorderradaufhängung bei Kimi Räikkönen in ihre Einzelteile auf.
Jedoch war Kimi Räikkönen nicht ganz so unschuldig an diesem Ausfall
wie Mika Häkkinen bei seinem. Bei dem Versuch, einen Sauber zu
überrunden, verpasste Räikkönen den Bremspunkt vor der Einfahrt
in die Mercedes-Arena, sodass er mit stehendem rechtem Vorderreifen
am Einlenkpunkt vorbeiraste. Der entstehende Bremsplatten löste
dermaßene Vibrationen aus, die im Verlauf des Rennen immer schlim-mer
wurden, dass in der letzten Runde die Aufhängung den Geist aufgab.
Der Hauptprofiteur von diesem Ausfall war Fernando Alonso, der
den Sieg erbte und vor Nick Heidfeld und Rubens Barrichello die
Ziellinie überfuhr. Michael Schumacher wurde 5. Beim Comeback
von BAR sprangen für Jenson Button und Takuma Sato die Plätze
zehn und zwölf heraus. Zwischen den beiden BARs wurde Kimi Räikkönen
als 11. gewertet.
Eine starke Leistung konnten die Zuschauer am Nürburgring von
David Coulthard bestaunen. Dieser machte am Start acht (!) Plätze
gut, fuhr von Platz zwölf auf vier. Im weiteren Verlauf des Rennens
war der randvoll aufgetankte RBR sogar kurzzeitig in Führung.
Doch bei seinem ersten Boxenstopp fuhr der Schotte zu schnell
durch die Boxengasse: Durchfahrt-strafe. Ohne diese Penalty wäre
er wohl noch vor Heidfeld und Barrichello auf Platz Zwei gelandet,
so wurde es "nur" der 4. Platz. Teamkollege Liuzzi wurde nach
seiner Offroad-Einlage beim Kampf um den letzten Punkt knapp von
Toyota-Pilot Jarno Trulli geschlagen. Dessen Teamkollege Ralf
Schumacher fiel durch einen Fahrfehler in Runde 33 aus.
Nach dem Debakel von Monaco und der "Niederlage" gegen Minardi
be-rappelte sich das Team Jordan wieder und landete diesmal klar
vor den italienischen Rivalen um Platz 9 in der WM. Minardi hingegen
scheint in Monaco nur kurz mal einen Aufwärtstrend gehabt zu haben,
in den vielen mittelschnellen und schnellen Kurven am Nürburgring
lag der schwarz-weiße Renner wie immer sehr unruhig und das Auto
fuhr mehr mit dem Fahrer als andersrum.
"Bienvenue à Montreal" heißt es dann in zwei Wochen, wenn auf
der "Île de Notre Dame" wieder die berühmte "Wall of Champions"
auf neue Opfer wartet. Die Rede ist natürlich vom "Circuit Gilles
Villeneuve" in Montreal, wo im Vor-jahr, wie sollte es anders
sein, alles in fester Schumacher-Hand war. Pole Position für Ralf,
Rennsieg für Michael. Die Ferrari-Fans beten für einen ähnlichen
Rennausgang bei der 2005er Ausgabe. Mit etwas Glück erleben die
italienischen Tifosi die Wiederauferstehung von Ferrari.
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/