Kennen Sie schon Bob McKenzie? Nein? Macht nichts! Bob McKenzie
ist englischer F1 Journalist für den "Daily Express" und neben-beruflicher
aber dennoch professioneller Flitzer, zumindest seit heute! Der
Hintergrund der Geschichte: Im vergangenen Jahr, als beim Team
McLaren-Mercedes nicht viel voran ging und an Siege kaum zu denken
war, sagte dieser Bob McKenzie in einem Anfall jugendlichen Leichtsinns
"If Mclaren team win a race in 2004 I will run naked around Silverstone",
zu deutsch: "Wenn das Team McLaren ein Rennen im Jahr 2004 gewinnt,
werde ich nackt um die Rennstrecke von Silverstone laufen".
Kimi Räikkönen gewann nach dieser Äußerung für eben dieses Team
McLaren in Spa-Francorchamps. Pech gehabt, Mister McKenzie! Und
wo könnte man diese Wettschuld besser einlösen als vor ausverkauftem
Haus beim F1-Grand Prix? So umrundete der besagte Journalist heute
parallel zur Fahrerparade (fast) nackt mal joggend und mal gehend
und schnaubend den Kurs. Natürlich stand dabei aber nicht nur
der Spaß im Vordergrund, Bob McKenzie half mit dieser Aktion der
"Tommy's the baby charity".
Nun aber zum Renngeschehen. So langsam etabliert sich in der Formel
1-Szene der Ausdruck des "Hätte-Wäre-Könnte-Kimis". Gemeint ist
natürlich der so oft vom Pech verfolgte Kimi Räikkönen, der gerne
sein Leben im Kon-junktiv realisiert sehen würde. Am Samstagmorgen
hingen bei McLaren nicht nur der Terroranschläge in London wegen
die Fahnen auf Halbmast, auch war mal wieder etwas an ausgerechnet
Kimi Räikkönens Motor kaputt gegangen, was einen Motorwechsel
unumgänglich machte.
Und selbst der "Iceman" kommentierte den Zwischenfall mit "That's
shit!". Der haushohe Favorit McLaren-Mercedes schien schon vor
dem Qualifying geschlagen: Juan-Pablo Montoya musste im Qualifying
aufgrund seines Hydraulikdefekts in Magny-Cours bereits als Fünfter
auf die Strecke, Kimi Räikkönen musste so oder so zehn Plätze
weiter hinten starten als von der herausgefahrenen Position.
Da erstaunt es umso mehr, dass Ron Dennis nach der Siegerehrung
gleich drei neue Pokale für seine Privatsammlung entgegennehmen
konnte. Den für den Sieger (Montoya), für den Dritten (Räikkönen)
und der für den "Winning Constructor", McLaren-Mercedes. Lediglich
der WM-Spitzenreiter Fernando Alonso verunstaltete mit Platz zwei
den Traum in Silber. Der schnellste Mann des Feldes war Kimi Räikkönen,
der in der letzten Runde (gab es das schon Mal?) die schnellste
Rennrunde drehte! Leider verlor er aber im ersten Renndrittel
zu viel Zeit hinter den "Bremsklötzen" Jarno Trulli und Michael
Schumacher, als dass er ernsthaft die Führenden, Juan-Pablo Montoya
und Fernando Alonso zum Schluss noch hätte gefährden können.
Und zum wohl ersten Mal in dieser Saison stellte sich auch bei
Kimi Räikkönen so etwas wie "Glück" ein. Beim letzten Stopp des
Drittplatzierten Giancarlo Fisichella funktionierte die Launch
Control nicht, sodass der Motor abstarb und "Fisico" durch dieses
Malheur rund zehn Sekunden verlor. Andererseits hätte (da ist
wieder der Konjunktiv) Kimi im Rennen nie etwas mit Fisichella
zu tun gehabt, wären (und wieder!) die Probleme am Motor nicht
aufgetaucht.
"Best of the rest", also Erster der Nicht-Renault-und-McLaren-Wertung
wurde Jenson Button, den von Startplatz zwei aus ins Rennen gegangen
war. BAR verlässt mit jetzt insgesamt neun Punkten erstmals in
dieser Saison den letzten Platz in der Konstrukteurs-WM und schiebt
sich auf Platz 9, zwi-schen Jordan und Minardi.
Der nächste Lauf findet in zwei Wochen in Hockenheim statt, wo
sich im Motodrom wieder viele Fans mit Tröten, Pfeifen und Fahnen
versammeln werden, um von der riesigen Haupttribüne aus die Fahrer
anzufeuern. Im vergangenen Jahr konnte Michael Schumacher von
der Pole Position aus das Rennen gewinnen. Bei Pechvogel Kimi
Räikkönen brach 2004 in Runde 13 der Heckflügel. Hoffentlich bleiben
uns dieses Jahr solche Szenen erspart.
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/