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Formel 1 2005 - 15. von 19 Läufen
15. von 19 Läufen
Italien
Rennen
1. Montoya 1:14.28.639"
2. Alonso 2.479
3. Fisichella 17.975
4. Raikkönen 22.775

5. Trulli

33.786
6. R. Schum. 43.925
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F 1

53 Runden = 306,720 km

Der italienische Formel 1-Klassiker
im Visier eines jungen
Motorsport-Fans:


And the winner is…


…Fernando Alonso! Nicht der Rennsieger, aber doch der klare Sieger über den wieder einmal vom Pech verfolgten Kimi Räikkönen! Die Chronologie der Ereignisse sieht wiefolgt aus: Die freien Trainings am Samstagmorgen sollten wie schon zwei Mal zuvor in dieser Saison ein Dämpfer für den auf den Renn-sieg hoch favorisierten Räikkönen werden. Wieder einmal ging der Motor -der nach dem Sieg in Istanbul turnusgemäß gewechselt wurde - schon weit vor Ende der erwarteten Lebensdauer in die ewigen Jagdgründe.

Dieses Mal war es ein Einlassventil aus einer maladen Chose, das den hohen Drücken und Temperaturen im Motor nicht standhielt. Die Strategie für das Rennen, und somit auch für die Qualifikation, war klar: Volltanken bis oben hin! Mit und trotz einem wirklich bis zum allerletzten freien Kubikmillimeter aufgefüllten Tank fuhr Räikkönen in der Qualifikation Bestzeit, einmal mehr der Beweis für die Extraklasse des jungen Finnen! Doch da war ja der Motorwechsel, was bedeutete, Kimi würde zehn Startplätze weiter hinten starten als auf der herausgefahrenen Position.

Das Rennen lief wie geplant: Am Anfang abwarten, selbst ein Jaques Villeneuve war - außer in Runde eins - nie wirklich dem Druck des hinter ihm fahrenden Silberpfeil-Piloten ausgesetzt. Nach und nach fuhren dann alle anderen zum Tankstopp rein und Räikkönen war schon auf Position zwei, hinter Juan-Pablo Montoya.

"Der Kimi muss ja auch noch zwei Mal stoppen, bloß kein Enthusiasmus", werden sich wohl viele gedacht haben. Denkste! Das Rennen war bereits fast bis zur Hälfte absolviert, und Heidfeld-Ersatzmann Antonio Pizzonia, der einen wirklich tollen Job ablieferte und sichere Punkte für BMW-Williams einfuhr, und eben der "Iceman" fuhren noch mit der ersten Tankladung. Spätestens als Pizzonia zum Tankstopp hereinfuhr, war vielen klar: "Ein-Stopp geht nicht…".

Aber auch diese These wiederlegte Spritsparfuchs Räikkönen. Ziemlich genau zur Rennhalbzeit war dann aber auch der Tank des McLaren-Mercedes mit der Startnummer neun leer. Der Stopp dauerte ewig, deutlich über zehn Sekunden! Mit etwa 100kg mehr Sprit an Bord als vor dem Tankstopp fuhr Räikkönen wieder auf die Strecke.

Meine Gedanken, ob der hohen Mehrbelastung, gingen in Richtung Fahrwerk, Reifen und Kimi selbst. Letzterer musste ja nach dem Boxenstopp quasi einen Panzer um die Strecke wuchten. Ich hätte vielleicht nicht ganz so sehr an die Reifen denken sollen.

Gerade als ein gewisser zum Toyota F1 Team ortsnaher Sender die Zu-schauer zu einer ‚Pinkelpause' zwang, geschah nämlich das Unglück. Der äußerste Rand von Räikkönens linkem Hinterreifen warf Blasen wie Norbert Haug bei einem Bauchplatscher im Schaumbad. Die logische Folge stellte ein Reifenwechsel dar. Zu allem Überfluss fiel "Iceman" Räikkönen wohl einem emotionalen Anfall, sprich ungefähr einem dem Herzinfarkt nahen Puls von 90, zum Opfer und drehte sich kurz vor Schluss. Zumindest den kurzzeitig an Jarno Trulli verlorenen vierten Platz konnte Pechvogel Räikkönen im Stil eines Champions vor der "Parabolica" zurückerobern und fuhr somit einen ent-täuschenden, aber wenigstens Punkte bringenden vierten Platz ein.

Als Erster wurde Räikkönens Teamkollege Juan-Pablo Montoya im Ziel abgewunken. Doch der Sieg war mehr erzittert als alles andere. Auch bei "JPM" stellte sich dasselbe Reifenproblem wie 25 Runden zuvor bei Räikkönen ein. Trotz kriminellem Fahrverhalten machte der Kolumbianer diesmal alles richtig und gab seine sichere Position, anders als in Istanbul, nicht noch kurz vor dem Ziel an Fernando Alonso ab. Dieser kam als Zweiter, vor Teamkollege Giancarlo Fisichella - Glückwunsch, das erste F1-Podium in Italien für "Fisico" - ins Ziel und machte damit einen weiteren großen Schritt in Richtung "Thronfolger" von Michael Schumacher. Dieser wurde mit einem zehnten Platz in Monza nämlich auch endgültig rechnerisch entthront.

Die WM entscheidet sich zwischen Fernando Alonso und Kimi Räikkönen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Spanier aber die Oberhand behalten. Bereits in Spa-Francorchamps kann der Mann aus Oviedo, der in Oxford lebt, Emerson Fittipaldi den Titel "Jüngster F1-Weltmeister aller Zeiten" weg-schnappen. Voraussetzung: Mindestens Platz fünf. Und selbst wenn der Spanier nicht Fünfter oder besser wird, so ist es eher unwahrscheinlich, dass er in den letzten drei Rennen insgesamt weniger als 4 Punkte sammelt UND Kimi Räikkönen gleichzeitig alle Rennen gewinnt. Man darf Fernando Alonso also eigentlich schon vor dem Rennen in Spa zum Titel gratulieren.

Um den Kampf um die WM-Krone nicht überzustrapazieren, widme ich mich einem weiteren sportlichen Highlight des GP von Italien: Das zweitschnellste Formel 1-Rennen aller Zeiten war zugleich das erste Rennen seit dem GP der Niederlande 1961, in dem alle im Vorstart befindlichen Fahrzeuge auch die Zielflagge sahen und gewertet wurden. Nichtmals "Zwischenstopps" wie in Istanbul bei Michael Schumacher und Christijan Albers gesehen, gab es.

In Spa-Francorchamps MUSS der Favorit auf den Rennsieg wieder den Namen "Kimi Räikkönen" tragen. Der Finne wird versuchen, seinen Vor-jahressieg auf der "Ardennen-Achterbahn" zu wiederholen und sich für die beiden letzten WM-Läufe in Japan und China wenigstens noch eine theoretische Titelchance offen zu halten. Fernando Alonso dagegen reicht, wie angesprochen, sogar Platz fünf zum Titelgewinn.

Niemals zu unterschätzen sind Michael Schumacher und Ferrari auf der belgischen Traditionsrennstrecke. Vor Allem wenn sich wieder das sehr launische Ardennenwetter zeigt, hat Regenspezialist Schumacher beste Chancen, seinen ersten Saisonsieg - Indianapolis zählt in meinen Augen nicht - zu feiern.

In der Konstrukteurs-WM balgen sich derweil jeweils zwei Teams um Platz eins und drei. Während vorne McLaren und Renault erbittert um die WM-Krone kämpfen, hofft Ferrari darauf, Toyota auch bis zum Saisonende hinter sich halten zu können. Mit Vorstellungen wie in Monza, hat man da jedoch schlechte Karten. Man zehrt immer noch von den "erschlichenen" 18 Punkten aus Indianapolis (kein Vorwurf an Ferrari, aber ganz ehrlich gesagt hatte dieser Sieg für mich das "Zeltweg-Syndrom"), Ferrari wird hart um Platz drei kämpfen müssen! Fest steht, dass uns in Spa-Francorchamps ein absolutes Saisonhighlight ins Haus steht. Wir dürfen gespannt sein, was uns der GP von Belgien dieses Jahr bieten wird.

Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam

www.michaelbraeutigam.net.ms/

 
 
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