Motorschaden
im freien Training, das ist ja nichts Neues für Kimi Räikkönen.
Auch Aufholjagden ist er gewohnt. Von 12 auf 2, von 11 auf 2,
alles schon gehabt in dieser Saison! Aber von Startplatz 17 einen
Sieg einzufahren, das ist nun wirklich eines Champions würdig.
So geschehen beim vorletzten Formel 1-Lauf der Saison 2005 in
Suzuka. Kimi Räikkönen, doppelt bestraft durch Defektteufel im
freien Training und Regenpech im Qualifying, fuhr das wohl beste
Rennen seiner Karriere, über-holte Michael Schumacher und setzte
seiner Show in der letzten Runde selbst die Krone auf, als er
Rad an Rad bei 300km/h mit dem bis dahin führenden Giancarlo Fisichella
die Start/Ziel-Gerade herunterfuhr und bei der Einfahrt zur ersten
Kurve außen am Römer vorbeizog. Die Zielschikane wurde dann noch
einmal zur Zitterpartie, schließlich stand Takuma Sato zur Über-rundung
an. Der Japaner hatte sich vor und während des Rennens nicht ge-rade
positiv in die Notizbücher seines Arbeitgebers Honda geredet und
ge-fahren. Doch wenigstens Kimi Räikkönen ließ Takuma-San relativ
problemlos passieren.
Die erste Eskapade leistete sich Takuma Sato unter der Woche,
als er sich mit dem Satz "Ich werde im kommenden Jahr bei Honda
fahren" verplapperte. Dadurch kam ans Licht, dass Honda (die den
BAR-Rennstall ab 2006 zu 100% übernehmen) ein zweites Team, so
etwas wie ein Junior-Team à la Red Bull Racing, ab 2006 plant.
Dabei sollen Takuma Sato und Antony Davidson schon als Fahrer
für das B-Team feststehen.
Positiv für Bernie Ecclestone: Mit dem zweiten, komplett neuen
Honda-Team, kommt er seinem Traumziel, 24 Autos im Starterfeld
zu haben, schon mal um zwei Autos näher! Zweiter negativer Höhepunkt
der Woche von Takuma Sato war ein aussichtsloser Überholversuch
an Jarno Trulli im Toyota. Bei der Einfahrt zur Zielschikane fuhr
der Japaner dem Italiener brutal in die Seite, was das Aus für
Trulli bedeutete. Takuma Sato hingegen wurde nicht durch einen
Ausfall bestraft, belegte aber am Ende nur einen wenig glanzvollen
13. Platz, wo doch Teamkollege Jenson Button auf Platz fünf ins
Ziel kam.
Der Sieg von Kimi Räikkönen ist der absolute Gegenpol zu der Vorstellung
Juan-Pablo Montoyas. Der Kolumbianer fiel bereits früh durch eine
Kollision aus und erwies damit dem Team McLaren-Mercedes einen
Bärendienst im Kampf um die Konstrukteurs-WM. Denn auch der Sieg
vom "Iceman" ver-hindert nicht, dass Renault durch die Plätze
zwei und drei die WM-Führung wieder um zwei Punkte von McLaren-Mercedes
übernehmen. Montoya selbst verliert durch seinen Ausfall und den
gleichzeitigen siebten Platz von Michael Schumacher die dritte
Position in der Fahrer-WM. Auch Giancarlo Fisichella liegt nur
noch sieben Punkte hinter dem Kolumbianer.
Beim Saisonfinale in Schanghai stehen also noch immer zwei Entschei-dungen
aus: Der um den Sieg in der Konstrukteurs-WM und der um den dritten
Platz in der Fahrerwertung. Spannung pur also, wenn bereits in
einer Woche der GP von China startet!
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/