"Formel Renault"… …oder so ähnlich könnten Pessimisten die Formel
1 in der Saison 2005 schon bezeichnen. Wie schon beim ersten Rennen
Pole und Start-Ziel-Sieg eines Fahrers vom Team um Flavio Briatore.
Alles beim Alten also? Ein Team das dominiert und der Rest fährt
wie an der Perlenkette hinterher?
Betrachtet man das GP-Wochenende von Malaysia mal genauer, kommt
man zu einem anderen Schluss. Und es wird auch wieder überholt!
Nehmen wir zum Beispiel Nick Heidfeld. Nur von Platz 10 gestartet
konnte er am Ende bei der Hitzeschlacht in Sepang sogar das "Stockerl"
besuchen.
Begünstigt war dieses Ergebnis aber durch eine Rennszene, die
an den Kart-sport in der Bambini-Klasse erinnert. In Runde 36
waren es die Herren Fisichella und Webber, die sich vehement um
den letzten Platz auf dem Podest bekriegten. Vor der Zielkurve
setzte Fisichella einen Bremspunkt, der jenseits von Gut und Böse
lag, und schoss den auf der Kurvenaußenseite befindlichen Australier
(und sich selber) in die Boxenzufahrt, das Aus für beide. Eine
Binsenweisheit sagt: "Wenn zwei sich streiten, freut sich der
Dritte." In diesem Fall der Dritte Nick Heidfeld.
Es ist also wieder Action angesagt in der Königsklasse. Das Rennen
in Bahrain verspricht einiges, vor allem wenn Ferrari den F-2005
an den Start bringen sollte. Das Weltmeisterauto von 2004 war
in Malaysia hoffnungslos unterlegen, sodass man sich in Maranello
nach dem neuen Wunderauto samt Wundergetriebe sehnt.
Im Ölstaat muss dann auch Toyota beweisen, dass die Plätze 2 und
5 beim GP in Kuala Lumpur kein Zufall waren und McLaren muss zusehen,
dass sie ihre erste Podiumsplatzierung des Jahres erreichen.
Achja, McLaren, das "Irgendwas-is-immer"-Team. Wie so oft traf
es auch diesmal wieder Kimi Räikkönen. Der glücklose Finne hatte
diesmal zwar eine funktionierende Elektronik an Bord, aber das
Ventil des rechten Hinterreifens zeigte nach dem ersten Boxenstopp
eine gewisse Lustlosigkeit, das Rennen überstehen zu wollen, Folge:
Reifenschaden und Zusatzstopp. Wieder keine Top-Platzierung für
den Vize-Weltmeister von 2003, ja nichtmals für Punkte reichte
es diesmal.
Am ersten April-Wochenende geht es also in Bahrain weiter. Lassen
wir uns überraschen, ob die "Formel Renault" fortbesteht.
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/