Oder besser gesagt: Das "British Empire" schlägt wieder zu! Gleich
drei britisch-deutsche Kooperationsprodukte in Form von Formel
1-Monoposti schafften nämlich beim "Grand Prix de Monaco" schneller
die Renndistanz von 260km als alle Anderen. Bei der Siegerehrung
wurde der wieder tadellose McLaren-Mercedes-Pilot Kimi Räikkönen
nach klarem Start/Ziel-Sieg von den BMW-Williams Piloten Nick
Heidfeld auf der linken sowie Mark Webber auf der rechten Seite
eingerahmt.
Erst auf Platz vier, und damit erstmals in dieser Saison nicht
auf dem Podium, taucht Fernando Alonso im "Race Result" auf, unmittelbar
ge- und verfolgt von einer vierköpfigen Verfolgergruppe bestehend
aus Juan-Pablo Montoya, Ralf Schumacher, Michael Schumacher und
Rubens Barrichello. Zwischen dem Vierten Fernando Alonso und dem
Achten Rubens Barrichello lagen im Ziel gerade mal 1,1 Sekunden!
Soviel zum Resultat, aber was bleibt außerdem festzuhalten? Da
wäre zum einen ein grundlegendes Problem bei Renault. Im Rennverlauf
wurden die französischen Werksautos deutlich langsamer, trotz
der härteren Reifen. Während nahezu alle Teams auf weicheren Reifen
das Rennen konstant und schnell durchfahren konnten, waren die
Renault nur vor deren Boxenstopps schnell. Es scheint, als sei
der Renault, trotz Verlagerung des Motors nach vorne, immer noch
ein wahrer Hinterreifenkiller. Der Wagen hat keine aus-gewogene
Balance, rutscht, tendiert zum Übersteuern. Denkbar ungünstig
bei nur einem zur Verfügung stehenden Reifensatz pro Rennen! Da
ist noch viel Arbeit angesagt für die Renault-Ingenieure.
Bei Ferrari ist nach wie vor die Performance der Bridgestone-Reifen
in deren Frühstadium das größte Problem. Für eine schnelle Runde
im Qualifying bauen sie nicht schnell genug Grip auf, vordere
Startplatzierungen werden somit fast unmöglich. Dass sie über
die gesamte Renndistanz funktionieren und dann auch mit den französischen
Michelin-Pneus mithalten können, wurde beim GP von Monaco eindrucksvoll
durch die schnellste Rennrunde von Michael Schumacher verdeutlicht.
Auf dem Nürburgring, wo Überholen durchaus besser möglich ist
als in Monte Carlo, könnte das für noch packendere Rennszenen
sorgen als im Fürstentum.
Das Verliererteam des Wochenendes ist für mich Jordan. Im Qualifying
waren beide Jordan-Piloten langsamer als die des Minardi-Rennstalls.
Geld ist eben nicht alles, Herr Shnaider! Umso erfreulicher für
Minardi, dass sie diesen Sprung geschafft haben. Anscheinend wird
das Potenzial des neuen Autos nun doch ausgeschöpft. Dass es im
Rennen nicht so gut für das Team von Paul Stoddart lief (Dreher
von Albers, Abflug von Friesacher) ist Nebensache, das Team hat
eine Aufwärtstendenz. Der neunte Platz in der Konstrukteurs-wertung
ist also durchaus wieder erreichbar!
Nur eine Woche nach dem Monaco-GP geht es zum Nürburgring. Sollte
sich hier wieder das typische Eifelwetter zeigen, würde Ferrari,
speziell mit Regen-spezialist Schumacher, gute Siegchancen haben.
Falls es trocken bleibt, gilt - noch mehr als in Monaco - Kimi
Räikkönen wieder als der Topfavorit auf den Sieg. Schon 2003 konnte
er mit einem sogar unterlegenen McLaren-Jahres-wagen das Rennen
dominieren… bis zu seinem Ausfall. Kimi Räikkönen ist in fahrerischer
Topform, der McLaren standfest und schnell. Wir werden sehen,
ob auch auf der Strecke unter der altehrwürdigen Nürburg-Ruine
die Macht mit McLaren-Mercedes ist und ihnen zu einem weiteren
Kapitel vom "Sieg der Sterne" verhilft.
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/