War das ein Rennen! Meine Herren, selten habe ich bei einem Formel
1 Rennen dermaßen vor dem Fernseher mitgefiebert wie bei diesem
Grand Prix von San Marino. Was da in den letzten Runden zwischen
Michael Schumacher und Fernando Alonso abgelaufen ist, hat keinen
Motorsport-fanatiker im Sessel gehalten. Selbst Ross Brawn sagte
nach dem Rennen, er sei seit Jahren nicht mehr so nervös bei einem
Rennen gewesen.
Kein Wunder, Michael Schumacher stand nach eigenem Patzer im zweiten
Qualifying nur auf Startplatz 13. Rubens Barrichello durfte immerhin
zwei Reihen weiter vorne auf Startplatz Neun das Rennen aufnehmen.
Also eigent-lich wieder so etwas, wo der geneigte Ferrarihasser
Luftsprünge macht. Be-stärkt wurde dieser Effekt durch den frühen
Ausfall Barrichellos, der eine Runde nach seinem sehr frühen ersten
Boxenstopp schon die Segel strei-chen musste.
Aber diese Ferrarihasser sollten nicht mehr viel Grund zum Lachen
haben. Nachdem Michael Schumacher nämlich freie Fahrt hatte, fuhr
er pro Runde annähernd zwei Sekunden schneller als der Rest des
Feldes. Von zwischen-zeitlich fast 30 Sekunden Rückstand auf die
Spitze, bei selber Boxenstrate-gie, reduzierte der siebenfache
Weltmeister den Rückstand auf den jetzt drei Mal in Folge siegreichen
Fernando Alonso im Ziel auf exakt 215 Tausendstel-sekunden!
Die letzten Runden konnte Schumacher dabei die Technik des Renault-Getriebes
ganz genau studieren. Alonso ließ sich von den Attacken seines
Widersachers aber nicht aus der Ruhe bringen, taktierte klug und
hielt zuerst seinen Kontrahenten hinter sich und auf der Ausrollrunde
drei Finger in die Luft - Hattrick!
Das Pech hat in diesem Jahr, wie eigentlich schon die ganzen letzten
Jahre, wieder mal Kimi Räikkönen gepachtet. Nach klarer Pole und
klarer Führung musste der Finne mit Problemen an der Antriebswelle
das Rennen aufgeben. Montoya-Ersatz Alexander Wurz wurde am Ende
Vierter. Aber wieso Wurz? Pedro de la Rosa hatte doch in Bahrain
ein riesen Rennen abgeliefert. Nunja, da kommt dann doch wieder
diese "Die-F1-ist-die-teuerste-TV-Show-der-Welt-Mentalität"
durch. Es ist doch klar, dass ein Österreicher in Norditalien
mehr Aufsehen erregt als einer, der in seinem Land sowieso keine
Chance hat im Rampenlicht zu stehen, da ein Landsmann die Formel
1 beherrscht. Aber um das klarzustellen, Alex Wurz ist natürlich
auch ein tolles Rennen gefahren!
Mehr Schein als Sein auch der erste neu konstruierte Minardi nach
vier Jahren. Der PS05, benannt nach Teamchef Paul Stoddart, sollte
eine Wende im Team einleiten. Im Stand sah der "Neue" im Starterfeld
auch gar nicht so langsam aus, alleine die schwungvoll und durch
den gemieteten Windkanal geformten Seitenkästen ließen auf das
Potenzial des Renners schließen. Im Grunde genommen ist der PS05
aber ein totaler Reinfall, der nicht einen Deut schneller oder
kontrollierbarer als der Vorgänger ist. Zudem kamen auch beide
Wagen nicht ins Ziel. Das Saisonziel, Platz 9 in der Konstrukteurs-wertung,
rückt in weite Ferne…
In zwei Wochen wird sich dann die Motorsportnation Deutschland
in zwei Hälften teilen. Die eine fiebert beim ADAC Zürich 24h-Rennen
am Nürburgring mit, die andere versucht vor dem heimischen Fernseher,
Michael Schumacher in Barcelona immer schneller um den Kurs zu
schreien. Ich werde zwar am Nürburgring durchs Fahrerlager streunen,
aber das F1-Rennen natürlich auch nicht aus dem Blick verlieren!
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/