Ich bin ja von Natur aus ein sehr verständnisvoller Mensch. Selbst
als Juan-Pablo Montoya kurz vor Schluss bei einem Überrundungsmanöver
einen Anfängerfehler gemacht hat (ich spreche Tiago Monteiro von
jeglicher Schuld frei, mit so einer Dummheit eines Überrundenden
KANN niemand rechnen), schnellte nur mein Puls kurz hoch und ich
sagte zu mir "Ach, so ist der Montoya halt, diese Szenen ist man
gewohnt". Und den zweiten Platz hat er ja auch gehalten, also
kein Grund zur Aufregung… dachte ich! Aber kurz darauf wusste
ich nicht, ob ich mich über eben diesen Montoya aufregen oder
in tiefe Trauer versinken soll. Ich tat Ersteres, und das nicht
zu knapp… ich glaube sogar, vor 23 Uhr darf ich den genauen Wortlaut
auch nicht öffentlich machen!
Was war passiert? Die neue Strecke von Istanbul beinhaltet eine
Vierfach-Linkskurve, die zwar nicht ohne ist, die man aber nach
zahlreichen Umläufen im freien Training sowie der Qualifikation,
vor allem nach über 50 Runden im Renntempo, schon so durchfahren
können sollte, dass man eben nicht von der Strecke abkommt. Wenn
es aber dennoch passiert, dann kann man das einem 19Jährigen,
der sein erstes Formel 1-Rennn fährt, verzeihen. Wenn jedoch Juan-Pablo
Montoya, der mysteriöserweise u.a. schon 2 CART/-Champ Car-Titel
in seiner Vita verzeichnet hat und der auch schon seit einigen
Jahren einer der arrivierten Fahrer in der Formel 1 ist, zwei
solche Patzer fabriziert, dann ist das absolut unverzeihlich.
Da reißt ihn selbst die schnellste Rennrunde nicht mehr raus!
Die Ausgangssituation war Folgende: Kimi Räikkönen führt vor Teamkollege
Juan-Pablo Montoya. Der Abstand zwischen Montoya und dem Drittplatzier-ten
Fernando Alonso ist groß genug, um ihn die letzten Runden bis
zum Ziel fast schon im Standgas verwalten zu können. Und dann
die zwei "Aktionen" des Kolumbianers und WM-Leader Alonso liegt
auf Platz zwei. So kann auch der beste Fahrer mit dem besten Auto
nicht mehr Weltmeister werden, wenn man einen solchen Teamkollegen
hat.
Apropos Teamkollegen; Die heißen bei BMW-Williams Mark Webber
und Nick Heidfeld und beide zeigten sich heute sehr geschlossen!
Nicht nur, dass beide in der Startaufstellung nebeneinander standen,
auch hatten beide jeweils zwei Reifenschäden hinten rechts zu
verzeichnen. Schnell wurden Erinnerungen an Indianapolis wach,
auch bei den Michelin-Verantwortlichen. Unruhig beobachteten Pierre
Dupasquier und seine Helferlein bei jedem Boxenstopp eines Michelin-Autos
die Reifen. Allerdings gab es nach den vier Reifenschäden bei
BMW-Williams keine weiteren Vorkommnisse die Reifen betreffend…
reicht aber auch, meiner Meinung nach! Also wieder eine blau-weiße
Nullrunde!
Besser lief es für die ganz blauen von Red Bull Racing. Mit den
Plätzen sieben und acht wieder beide Autos in den Punkten und
das keineswegs, weil man die Plätze von BMW-Williams geerbt hätte,
die sind einfach so schnell! Ich bin wirklich gespannt, wie sich
das Team im kommenden Jahr mit den Ferrari-Achtzylindern verkaufen
wird.
Bei Toyota lief es mal wieder nur für Jarno Trulli, der das Rennen
auf Platz sechs beendete. Ralf Schumacher war bei diesem ersten
Grand Prix der Türkei keiner Erwähnung wert.
Ebenfalls im Schatten seines Teamkollegen stand Takuma Sato. Gegen
Jenson Button, der mit das beste Rennen seiner Karriere zeigte,
hatte "Taku-San" einfach keine Chance. Button belegte als "Best
of the Rest" hinter den McLarens und Renaults den fünften Platz,
während Sato überrundet auf Platz neun landete. Reife Leistung
des Engländers, der sich noch öfter Gedanken machen wird, ob er
zu Williams, die ja im kommenden Jahr mit Cosworth einen sehr
guten Motorenpartner, vor allem für V8-Motoren gefunden hat, wechselt
oder ob er beim wieder im Aufwärtstrend befindlichen Team von
BAR bleibt.
Das nächste Rennen findet in Monza statt. Auf der High-Speed-Strecke
gilt McLaren-Mercedes wieder als haushoher Favorit auf einen Doppelsieg.
Den braucht man auch, denn bei nur noch fünf verbleibenden Rennen
wollen 24 Punkte Unterschied zwischen Fernando Alonso und Kimi
Räikkönen wettgemacht werden! Da die Renaults für die Streckencharakteristik
von Monza nicht optimal sind, werden auf der italienischen Strecke
die Karten betreffend der Verfolgerrolle von "Silber" neu gemischt.
Dass ausgerechnet Ferrari diese Rolle übernimmt schließe ich nicht
aus, nach der Vorstellung in Istanbul ist es jedoch nicht sehr
wahrscheinlich. Aber wer die Mannen der "Scuderia" kennt, der
weiß, dass sie bei den Heimrennen immer so besonderen Leistungen
fähig sind, vor Allem in Monza.
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/