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Formel 1 2005 - 9. von 19 Läufen
9. von 19 Läufen
USA - Indianapolis
Rennen (???)
1. M. Schumacher
2. Barrichello 1,5
3. Monteiro 1 Rde
4. Karthikeyan 1 Rde

5. Albers

2 Rdn
6. Friesacher 2 Rdn
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73 Runden = 306,016 km
Der Skandal-GP der USA
im Visier eines jungen
Motorsport-Fans:


Der große Sch… der USA


Das hat die Formel 1 wirklich nicht verdient. Vor allem in den USA, wo doch jedes kleine "cool" oder "amazing" eines Fans doppelt und dreifach zählt. Gerade dort wurden beim F1-Lauf die Autos auf der Strecke mit Wasser-flaschen und Bierdosen beschmissen, bei jeder Überquerung des "Brick-yards" bei Start/Ziel ertönte ein gellendes Pfeifkonzert und wie im alten Rom zeigten die Zuschauer mit dem Daumen entschieden nach unten. Doch warum das alles?

Ganz einfach: Im Freitagstraining gab es beim Team Toyota Probleme mit dem linken Hinterreifen, der erst bei Ricardo Zonta und kurz darauf bei Ralf Schumacher seinen Dienst verweigerte. Beide Male resultierte der Reifen-schaden in einem Abflug, bei Ralf Schumacher gar in einem Déjà-vu-Erlebnis, als er wie im Vorjahr rückwärts in die Außenmauer der Steilkurve einschlug. Michelin wies daraufhin die von ihnen belieferten Teams an, nicht mehr als 10 Runden mit einem Reifen zu fahren und/oder jede Runde durch die Box zu fahren sowie in Turn 12 und 13 die Geschwindigkeit zu drosseln.

Am Samstag dann scheinbar heile Welt. Das Qualifying lief wie gewohnt ab, allerdings mit einem im doppelten Sinne kuriosen Sieger. Ausgerechnet der Teamkollege von Ralf Schumacher und Ricardo Zonta, Jarno Trulli, stellte seinen Toyota ganz oben auf die Zeitenliste.

Aufgrund des zu hohen Risikos beriet man in gemeinsamen Meetings aus Teamchefs, FIA-Verantwortlichen und Michelin-Technikern teilweise sogar über den Einbau einer Schikane vor der Steilkurve. Doch Charlie Whiting blockte kategorisch ab, richtigerweise! Denn keiner der Fahrer hätte die Schikane je zuvor gefahren und ganz nebenbei bemerkt, muss die Strecken-führung in Qualifying und Rennen übereinstimmen! Die Konsequenz war, dass nach der planmäßigen Einführungsrunde keines der Michelin-bereiften Autos in die Startaufstellung fuhr.

Ein jämmerliches Bild bot sich dann den 150.000 Zuschauern. Die mussten mit ansehen, wie zwei Ferraris vorne weg preschten und wie sich die Jordans und Minardis um den letzten Podiumsplatz balgten.

Und wer war Schuld? Michelin? Die FIA? Tony George, der die Strecke neu hat asphaltieren lassen? Am Ende vielleicht sogar Ralf Schumacher, weil er ja wieder in die Mauer fliegen musste? Ich möchte keinem den schwarzen Peter in die Schuhe schieben, aber meiner Meinung nach war diese viel beschriebene "Farce" unnötig und hauptursächlich durch ein Versäumnis von Michelin hervorgerufen.

Im Sinne der Sicherheit der Fahrer war die Entscheidung der Michelin-Teams, nicht zu fahren, aber sicher die richtige Entscheidung. Durch die Vorkomm-nisse beim GP der USA wird die Diskussion um einen Einheitsreifen erneut angefacht. David Coulthard startete sogar eine Unterschriftenaktion, auf der sich alle verewigen können, die den Einheitsreifen für die Formel 1 zurück-wollen. Doch ob das im Sinne von Michelin und Bridgestone ist?

Zurück zum Rennen: Wenigstens die RTL-Zuschauer durften an diesem Rennsonntag aber noch zwei Highlights erleben. Zum ersten die grandiose Kombination aus Hemd und Krawatte beim selbsternannten "Bürgermeister von RTL", Kai Ebel, und zum zweiten ein Streitgespräch zwischen dem telefonisch aus der Schweiz zugeschalteten Ralf Schumacher, Christian Danner und Heiko Waßer, was wenigstens etwas Leben ins Rennen brachte.

Nun mein Versuch, die sportlichen Momente hervorzuheben. Zum einen wäre da der erste Ferrari-Sieg anno 2005, was jedoch wirklich keine Kunst war. Kurios wäre es gewesen, wenn Michael Schumacher und Rubens Barrichello nach "Schumis" letzten Stopp zusammengefahren wären. Beide krachten nämlich fast zusammen und wäre Barrichello nicht aufs Grün gefahren, hätte es wohl auch eine Kollision gegeben.

Hinter Sieger Michael Schumacher und dessen "Wingman" Rubens Bar-richello kam ein wahrer Held ins Ziel. Tiago Monteiro sicherte nicht nur dem Jordan-Team die erste Podiumsplatzierung seit Giancarlo Fisichellas Sieg in Brasilien 2003, sondern er stellte noch zwei Rekorde auf. So war er der erste portugiesische Rennfahrer, der an der Siegerehrung eines Formel 1-Grand Prix teilnehmen durfte. Des weiteren ist er der erste Rookie der Formel 1-Geschichte, der die ersten neun Rennen seiner Karriere beenden konnte. Respekt für diese Leistung!

Ein weiteres sportliches Highlight kam aus dem Jordan-Rennstall: Narain Karthikeyan ist der erste Inder, der Formel 1-Punkte holen konnte! Minardi konnte durch Platz fünf und sechs, summa summarum also sieben Punkten, in einem Rennen mehr Punkte holen, als im gesamten bisherigen Jahr-tausend zusammen!

Durch den "Sieg" Michael Schumachers wird die WM etwas offener. Vorne liegt nach wie vor Fernando Alonso, 22 Punkte vor Kimi Räikkönen. Nur drei Punkte hinter Räikkönen auf Platz drei der WM liegt jetzt Michael Schu-macher. Es steht uns ein Hammermonat in Sachen Formel 1 bevor.

An den fünf Juli-Wochenenden wird es zum ersten Mal in der 55jährigen Geschichte der Formel 1 vier Rennen in einem Monat geben! Es ist zu hoffen, dass der schwere Imageschaden, den die Formel 1 in Indianapolis erfahren hat, irgendwie reparabel sein wird.

Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam

www.michaelbraeutigam.net.ms/

 
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