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Formel 1 - "Tschüss Schumi"
Finale - Brasilien
20. - 22.10.2006

Rennen
1. Massa 1:31.53,751"
2. Alonso 18,620
3. Button 19,330
4. M. Schum. 24,040

5. Raikkönen

28,550
6. Fisichella 30,260
WM-Endstand nach
18 Läufen
Fahrer

1 Alonso
134
2 M. Schumacher
121
3

Massa

80
4 Fisichella
72
5 Raikkönen
65
6 Button
56
7 Barrichello
30
8 Montoya
26
9 Heidfeld
23
10 R. Schumacher
20
11 De la Rosa
19
12 Trulli
15
13 Coulthard
14
14 Webber
7
15 Villeneuve
7
16 Kubica
6
17 Rosberg
4
18 Klien
2
19 Liuzzi
1
Marken
1 Renault
206
2 Ferrari
201
3 McLaren
110
4 Honda
86
5 BMW
36
6 Toyota
35
7 RedBull
16
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11
9 Toro Rosso
1
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Der Formel 1-Super-Star Michael Schumacher tritt
als Vize-Champion ab
Nach 250 Grand Prix beendet der Rekordjäger und Rekordsammler
als Brasilien-Vierter seine Karriere

Rekord-Champion, Super-Star, Werbe-Ikone, Multi- Millionär, Idol für Millionen: Michael Schumacher ist nicht nur einer der erfolgreichsten deutsche Sportprofis. Auch weltweit stehen nur wenige auf einer Stufe mit dem Rennfahrer. Beim Großen Preis von Brasilien dreht der 37-Jährige seine letzte Runde.

"Ich habe nicht mehr die Energie und Kraft gesehen, um in Zukunft vorne mit-zufahren", hatte er am 10. September in Monza zu seinem denkwürdigen Rücktritt gesagt. "Ich habe mich selbst in Frage gestellt. Deswegen habe ich diese Entscheidung getroffen."

Nach dem Saisonfinale in Sao Paulo, seinem 250. Grand Prix, zieht Schu-macher den Schlussstrich unter über 30 Jahre Motorsport. "Es war eine ganz, ganz außergewöhnliche Zeit für mich", räumte der künftige Renn-Rentner ein. "Ich habe jeden Moment geliebt. Es freut mich, dass ich so viel habe bewegen können im Motorsport."

Sieben WM-Titel, 91 Grand-Prix-Siege, 68 Pole Positionen, 73 schnellste Rennrunden, 13 Saisonsiege und so weiter - die Rekordliste des Rekordsamm-lers der Königsklasse ist lang. Kein Rennfahrer in der 57-jährigen Grand-Prix-Geschichte kommt an Schumacher heran. Formel-1-Chef Bernie Eccle-stone adelte ihn als 'Super-Super-Superstar'.

Dabei konnten selbst Experten nicht mit dieser kometenhaften Karriere rech-nen. Als vierjähriger Knirps machte Schumacher auf der Kartbahn in Kerpen, die sein Vater Rolf und seine am Osterwochenende 2003 gestorbene Mutter Elisabeth betrieben, seine ersten Versuche auf vier Rädern. Mit 14 bestritt das am 3. Januar 1969 in Hürth-Hermühlheim geborene Talent sein erstes Rennen und holte ein Jahr später seinen ersten Titel als deutscher Junioren-Kartmeister. Dank finanzieller Unterstützung verschiedener Gönner schaffte Schumacher den Sprung in diverse Formel-Nachwuchsklassen. Auf Anhieb überzeugte der gelernte Kfz-Mechaniker durch Siege und Titel. Manche haben früh das außergewöhnliche Talent erkannt. Toni Hoffmann schrieb in der Fachzeitschrift "Motorsport aktuell" 1988 über Schumacher in seiner Zeit in der Formel Ford "Da kommt der zukünftige deutsche Ayrton Senna", ohne zu ahnen, dass Schumacher danach alles in einem fast unglaublichen Maße noch überbieten würde.

Entscheidend für seinen Werdegang war die Begegnung mit Willi Weber in der Formel 3. Der erkannte 1989 das außergewöhnliche Talent und nahm den damals 20-Jährigen als Manager gleich für zehn Jahre unter Vertrag. "Ich fahre, den Rest macht Willi", beschrieb Schumacher das enge Verhältnis zu dem Geschäftsmann und späteren Freund, den er auch nach einigen Affären nicht fallen ließ. Weber verhandelte geschickt die hohen Gagen aus. Auf 35 Millionen Euro jährlich wurde zuletzt das Ferrari-Salär des Ausnahmefahrers geschätzt. Dazu kommt etwa die selbe Summe durch Werbung. Schu-machers Vermögen wird mittlerweile auf rund 250 Millionen Euro eingestuft.

Den Sprung in die Formel 1 verdankte Schumacher neben seinem Talent vor allem Mercedes. Dank einer Bürgschaft des Stuttgarter Konzerns bekam der damalige Mercedes-Junior im August 1991 ein Cockpit bei Jordan-Ford. Mit Platz sieben im Qualifying sorgte der Formel-1-Frischling in Spa-Francor-champs gleich für Furore, auch wenn er im Rennen nach wenigen hundert Metern wegen eines Kupplungsdefektes ausrollte. Deutschland verfügte nach jahrelanger Flaute endlich wieder über einen viel versprechenden Grand-Prix-Piloten.

In Spa, das Schumacher liebevoll als sein 'Wohnzimmer' bezeichnet, folgte nach dem Blitztransfer zu Benetton, von Toni Hoffmann über den 'Sport-nachrichten-Dienst' (sid) gemeldet, gleich nach seinem ersten WM-Lauf auch der erste Sieg am 30. August 1992.

Der erste WM-Titel eines Deutschen 1994 war überschattet von Disquali-fikationen und Rennsperren. Der Begriff 'Schummel-Schumi' trübte den Glanz. Drei Jahre später zog er sich wegen seines Rammstoßes gegen Jacques Villeneuve beim WM-Finale in Jerez den zweifelhaften Ruf eines 'Renn-Rambos' zu.

Nach dem zweiten WM-Gewinn 1995 folgte der Wechsel zu Ferrari. Mit der Mythos-Marke aus Maranello wurde Schumacher nach mühseliger Aufbau-arbeit zum 'Jahrhundert-Piloten'. Auch ein Schien- und Wadenbeinbruch bei seinem einzigen schweren Rennunfall beim britischen Grand Prix am 11. Juli 1999 wegen eines Bremsdefektes konnte den Weg an die Spitze nicht stoppen.

Sein Titel mit der Scuderia im Jahr 2000 erlöste die Ferraristi, die 21 Jahre lang auf diesen Triumph warten mussten. Mit fünf Fahrertiteln in Folge sorgte Schumacher für eine weitere, kaum überbietbare Bestmarke. Siegeswille, Perfektion, Dominanz, aber auch Rücksichtslosigkeit auf der Piste haben Schumacher den Ruf des Renn-Roboters und 'Klons im Cockpit' eingebracht.

Das Klischee des emotionslosen Retorten-Rennfahrer trifft Schumacher. Allerdings trägt er durch seine Distanz, die er aufbaut, um einen Rest an Privatsphäre zu behalten, selbst dazu bei.

"Ich bin kein Mensch, der gerne Emotionen zeigt, außer bei denen, die mich gut kennen", sagte er. "Ansonsten kontrolliere ich mich, so gut es geht, was den Leuten vielleicht nicht das richtige Bild davon gibt, wer ich bin."

Damit kann Schumacher leben. Zu oft hat der stets im Brennpunkt stehende Super-Star teilweise schmerzlich erfahren müssen, wie sein Vertrauen zu angeblichen Freunden missbraucht oder sein Privatbereich ignoriert wurden. "In gewissem Maß lässt sich der goldene Käfig bei mir nicht vermeiden, weil ich nicht ganz so in die Öffentlichkeit gehen und mich am Stammtisch amüsieren kann", klagte er einmal.

So sind Schumachers scheinbare Arroganz und Kälte meist reiner Selbst-schutz. Der Umzug des Jung-Millionärs in die Steueroase Monte Carlo Anfang der 90er Jahre hatte sicher finanzielle Gründe, geschah aber auch deshalb, um in der Anonymität des Treffpunkts der Stars und Sternchen untertauchen zu können. In Kerpen waren 'Schumi'-Fans nicht einmal mehr davor zurückgeschreckt, auf die Terrasse des deutschen Sporthelden vorzudringen, um ihr Idol beim Grillen zu begaffen.

Ende 1996 wechselte Schumacher vom Spielerparadies an der Côte d'Azur ins beschauliche Vufflens-le-Chateaux am Genfer See. Schumacher genießt mit seiner 'Traumfrau' Corinna, mit der er seit elf Jahren glücklich verheiratet ist, sowie Gina Maria (9) und Mick (7) die Ruhe.

"Ich bin ein normaler Vater, spiele mit meinen Kindern und mache, worauf sie Lust haben", sagt der Familienmensch. So oft der Hobby-Kicker Zeit hat, trainiert und spielt er - ohne Rummel und Sonderstellung: früher beim Schweizer Amateurclub FC Echichens, jetzt mit Journalisten und seinem Ferrari-Team.

Zu Schumachers Prinzipien zählen Treue und Solidarität. 1998, als Ferrari knapp den Titel verpasst hatte, rettete er Teamchef Jean Todt vor dem Rausschmiss. Die beiden verbindet eine tiefe Freundschaft. Kein großes Aufheben macht Schumacher um sein soziales Engagement: sei es als UNESCO-Sonderbotschafter, für Stiftungen oder die Spende über zehn Millionen Dollar für die Tsunami-Opfer.

 
 
 
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