Weltmeister Alonso klaut Hamilton die Pole
* Heidfeld starker Dritter
* Rosberg auf Rang fünf vor Schumscher
Durch einen ungewöhnlich langen Boxenstopp hat Fernando Alonso
seinen Teamkollegen Lewis Hamilton ausgebremst und sich vor
dem WM-Primus die zweite Pole-Position der Formel-1-Saison
gesichert. Doch Teamchef Ron Dennis sprach den Spanier vor
dem Großen Preis von Ungarn an diesem Sonntag in dem ohnehin
brisanten Teamduell umgehend von jeder Schuld frei.
"Wir haben als Team nicht das getan, was wir hätten tun
müssen", sagte der Brite, nachdem Alonso am Samstag auf
dem Hungaroring in Budapest seinen wartenden Partner rund
zehn Sekunden aufgehalten hatte und dieser Alonsos schnellste
Runden nicht mehr kontern konnte. Es habe sich um eine Entscheidung
eines Renningenieurs gehandelt, der die Startfreigabe runterzähle,
sagte Dennis, der den Vorfall auch vor den Rennkommissaren
hatte erklären müssen.
"Es hat für Lewis um eine oder zwei Sekunden nicht gereicht",
meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug: "Es ist
gut Feuer in der Partie." Auch er hatte Alonso keine
Absicht unterstellt.
Im Schatten der beiden Titelrivalen, die auch die schwächelnde
Ferrari-Konkurrenz vorführten, fuhr Nick Heidfeld im BMW-
Sauber zum dritten Mal in diesem Jahr auf den dritten Startplatz
und lag noch vor Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen. "Ich denke,
wir haben eine gute Chance, diesen Platz zu halten",
meinte der Mönchengladbacher. "Ferrari scheint hier nicht
so stark zu sein wie auf den letzten Strecken." BMW-Motorsportdirektor
Mario Theissen lobte seinen Fahrer: "Das ist ein tolles
Ergebnis für Nick."
Auch Nico Rosberg (Williams- Toyota) als Fünfter und Ralf
Schumacher (Toyota) als Sechster durften hochzufrieden sein.
Sebastian Vettel wurde in seiner ersten Qualifikation für
Toro Rosso 20., Adrian Sutil im Spyker 21.
Trotz der ersten Startreihe in Silber wart Teamchef Dennis
in Rage geraten. Wütend warf er seine Kopfhörer von sich,
ehe er auf Alonsos Physiothera-peuten einredete, der die Zeittafeln
hochhielt. "Das Team hat mich zurück-gehalten",
rechtfertige Alonso die zusätzliche Wartezeit, während er
im Rückspiegel seinen Rivalen sehen konnte.
"Ich bin nicht böse, aber ich bin sehr neugierig, was
da passiert ist", sagte dieser. Wie gewohnt hielt sich
der 22-jährige Hamilton mit scharfen Kom-mentaren zurück.
"Jeder will den anderen schlagen, wir lassen das zu,
so-weit es geht, aber ich möchte nicht, dass es zu irgendwelchen
Berührungen kommt"», kommentierte Haug den Konkurrenzkampf.
In Ungarn kann Alonso am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere)
die Füh-rung in der Gesamtwertung von seinem jungen Teamkollegen
übernehmen. Vor dem elften von 17 Rennen führt Saisonaufsteiger
Hamilton mit 70 Zählern vor Alonso (68). Das Ferrari-Duo Felipe
Massa (59) und Räikkönen (52) liegt auf den Plätzen drei und
vier, Fünfter ist Heidfeld (36).
Die Scuderia, die sich fernab der Strecke einen erbitterten
Briefwechsel und Kampf mit McLaren-Mercedes in der Spionage-Affäre
um geheime Unterlagen sowie um einen angeblichen illegalen
Ferrari-Sieg in Australien leistet, er-lebte in Budapest ihr
schlechtestes Qualifikation-Ergebnis in diesem Jahr. Räikkönen
schaffte es zwar noch auf Platz vier, doch Massa schied bereits
im zweiten Qualifikations-Durchgang als 14. aus.
Für das deutsche Talent Vettel kam das Aus bereits nach der
ersten Zeiten-runde. Er blieb damit im teaminternen Duell
hinter Vitantonio Liuzzi. Der Italiener schaffte den Sprung
in die zweite Runde und wurde 16. Den Grund für sein frühes
Ausscheiden suchte der 20-jährige Heppenheimer bei sich: "Es
hätte locker reichen müssen. Aber ich hatte einen großen Fehler.
Das war nicht die perfekte Runde"
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