Rennen:
Vettel
im Pech: Erneuter Rückschlag im WM-Kampf
Sebastian Vettel hat im Wetter-Drama von Spa einen bitteren
Rückschlag im Formel-1-Titelrennen erlitten. Bei der großen
Ardennen-Show von Sieger Lewis Hamilton rollte der Red-Bull-Star
nach zwei Unfällen und einer Durchfahrtstrafe nur als 15.
ins Ziel. Damit blieb Vettel ohne Zähler. McLaren-Pilot Hamilton
verdrängte mit seinem ersten Triumph beim Großen Preis von
Belgien und dem dritten Saisonsieg Vettels Teamkollegen Mark
Webber wieder von der WM-Spitze. Der Australier wurde Zweiter
vor dem Polen Robert Kubica im Renault.
«Das war ein großartiges Wochenende. Ich bin so glücklich,
hier zu stehen», sagte Hamilton. «Am Ende habe ich nur noch
versucht, das Auto zu schonen und es in einem Stück ins Ziel
zu bringen.»
Den Durchblick bei der chaotischen Berg-und-Tal-Fahrt von
Spa-Francor-champs behielten auch Adrian Sutil und das Mercedes-Duo
Nico Rosberg und Michael Schumacher. Der Gräfelfinger Sutil
steuerte seinen Force India als bester Deutscher auf Rang
fünf. Mercedes-Pilot Schumacher stürmte wie zu besten Zeiten
in seinem «Wohnzimmer» von Startplatz 21 auf Rang sechs nach
vorn. Nico Hülkenberg wurde im Williams 14. vor Vettel.
Zu den großen Verlierern zählte auch Weltmeister Jenson Button
im McLaren, der von Vettel von der Strecke geschossen wurde.
«Das macht er langsam zur Angewohnheit, dass er andere aufspießt»,
sagte McLaren- Teamchef Martin Whitmarsh über Vettel. Auch
Ferrari-Pilot Fernando Alonso erlebte ein Rennen zum Vergessen
und schied kurz vor dem Ende des Grand Prix nach einem Crash
aus. So ist nach 13 von 19 Rennen aus dem Fünfkampf ein Zweikampf
im Titelrennen geworden. Hamilton übernahm die Spitze mit
182 Punkten vor dem Australier Webber, der nur drei Punkte
hinten blieb. Vettel blieb mit 151 Punkten Dritter vor Button
(147) und Alonso (141).
Trotz des Wetter-Chaos in den Ardennen fuhr Hamilton souverän
zum Erfolg. Nach 44 Runden und 308,052 Kilometern überquerte
in 1:29:04,268 Stunden die Ziellinie. Webber war nur 1,571
Sekunden dahinter. «Ich bin zufrieden mit Platz zwei. Das
sind gute Punkte», sagte der Vettel-Teamkollege. «Es ist heutzutage
so einfach, völlig leer auszugehen.»
Wie einfach erlebte Webber gleich zu Beginn: Mit dem Start
begann der für Spa typische Regen - und der erste Teil des
Chaos. Webber blieb auf der Pole Position fast stehen und
fiel auf Rang sieben zurück. Hamilton ging in Führung, gefolgt
von Renault-Pilot Robert Kubica, Weltmeister Button und Vettel.
Kurz vor Ende der ersten Runde auf dem mit 7,004 Kilometer
längsten Kurs im Formel-1-Kalender rutschten in der Bus-Stop-Schikane
alle vorn platzierten Fahrer von der Strecke. Jubilar Rubens
Barrichello, der in Spa seinen 300. Grand Prix fuhr, raste
ungebremst in Alonsos Ferrari. Dem Spanier nutzte es am Ende
nichts. Nach einem weiteren Ausritt von der Strecke kurz vor
dem Ende schied er aus.
Nach dem Barrichello-Crash kam das Safety-Car für eine Runde
auf die Strecke. Bei Restart überholte Vettel den Polen Kubica
und verfolgte das McLaren-Duo Hamilton und Button. Vize-Weltmeister
Vettel arbeitete sich an Button heran. Nach einem Drittel
des Grand Prix setzte er kurz vor der Bus-Stop-Schikane zum
Überholen an. Doch auf dem durch leichten Regen wieder rutschigen
Asphalt verlor der Deutsche die Kontrolle über seinen Red
Bull und raste in Buttons Wagen. Der Weltmeister musste aufgeben,
Vettel holte sich in der Box einen neuen Frontflügel ab. «Ich
weiß nicht, was Sebastian ge-macht hat. Es ist ein harter
Schlag. Ich bin sehr enttäuscht», sagte Button fair. «Es war
ein Rennunfall. Er hat es nicht absichtlich gemacht.»
Die Rennkommissare sahen den Heppenheimer als Schuldigen.
Zum zweiten Mal nach dem Ungarn-Rennen wurde Vettel mit einer
Durchfahrtstrafe durch die Boxengasse belegt - alle Sieg-
und möglicherweise auch WM-Chancen waren dahin. Nach 27 Runden
kam für den 23-Jährigen der nächste Rückschlag. Diesmal ohne
sein Verschulden. Force-India-Fahrer Vitantonio Liuzzi schlitzte
mit seinem Vorderflügel Vettels linken Hinterreifen aus.
Im Schatten der Duelle an der Spitze arbeitete sich Rekordchampion
Michael Schumacher in seinem «Wohnzimmer» nach vorne. Nach
seiner Strafverset-zung wegen seiner Barrichello-Attacke in
Budapest war der Formel-1-Senior von Position 21 gestartet.
Nach der Hälfte des Grand Prix war er zwischen-zeitlich schon
auf Rang fünf. Auch sein Teamkollege Rosberg legte eine tolle
Aufholjagd hin und fuhr von Startplatz 16 bis an die sechste
Stelle vor. Zehn Runden vor dem Ende begann es richtig zu
schütten. Die ganze Spitze mit Hamilton, Kubica, Webber und
Massa blieb zunächst draußen. Doch nach einer Runde Rutschpartie
holte das Quartett den Wechsel auf Regenreifen nach. Webber
schaffte es, Kubica noch in der Box zu überholen.
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