Rennen:
Ferrari-Duo
verdirbt Vettels Heimspiel
* Ferrari wegen Überholskandals «nur» 100.000
Doilar-
Strafe
Die Ferrari-Störenfriede haben Sebastian Vettels ersten Triumph
beim Heim-spiel verhindert und mit einer vermeintlichen Teamorder
für den großen Aufreger gesorgt. Fernando Alonso holte sich
nach einem dubiosen Überholmanöver gegen Teamkollege Felipe
Massa den Sieg. Hinter Massa wurde der beim Großen Preis von
Deutschland von der Pole Position gestartete Vettel Dritter
und verpasste damit die Chance, im Formel-1-Titelrennen entscheidend
Boden gut zu machen.
«Wir konnten da nicht mithalten. Wir haben das Maximum erreicht»,
bekannte der Red-Bull-Pilot, der mit einem schlechten Start
schon alle Siegchancen eingebüßt hatte. Sein Teamchef Christian
Horner aber war sauer auf Ferrari. «Das ist schon eine Schande.
Sie haben dem einen den Sieg weggenommen und dem anderen gegeben»,
schimpfte der Brite, nachdem der lange führende Massa Teamgefährte
Alonso nach einem vielsagenden Funkspruch von der Box widerstandslos
vorbeiziehen lassen hatte. Prompt forderte Horner ein Ein-greifen
des Weltverbands. Die Renn-Kommissare bestellten kurz darauf
die Ferrari-Teamleitung zum Rapport und verhängten danach
eine Strafe von 100.000 Dollar, umgerechnet rund 77 500 Euro,
wegen des Verstoßes gegen die Regeln. Zudem wird sich der
Motorsport-Weltrat bei seiner nächsten Sitzung mit dem Fall
befassen. Seit 2002 ist laut Regelwerk des Internationalen
Auto-mobilverbands FIA eine Teamorder verboten.
Ganz andere Sorgen hat Mercedes. Das Heim-Comeback des Werksteams
ging kräftig daneben, beide Silberpfeile wurden überrundet.
Nico Rosberg fuhr als Achter über die Ziellinie. Michael Schumacher
ergatterte als Neunter gerade noch zwei WM-Punkte. Der Rekord-
Weltmeister wies dem schwä- chelnden Auto die Schuld zu. «Es
wird für jeden ersichtlich sein, dass das Problem nicht zwischen
Lenkrad und Tank liegt», urteilte der 41-Jährige. «Bald werden
wir besser aussehen», versprach Mercedes-Motorsportchef Norbert
Haug.
Die Gesamtwertung führt nach seinem vierten Platz weiterhin
McLaren-Pilot Lewis Hamilton mit 157 Zählern an, es folgt
sein britischer Teamgefährte Jenson Button (143). Punktgleich
mit seinem Stallrivalen Mark Webber bleibt Vettel nach elf
von 19 Saisonrennen mit 136 Zählern Vierter.
Auch der Rest des deutschen Sextetts konnte den Heimvorteil
nicht nutzen. Force-India-Fahrer Adrian Sutil verfehlte zum
ersten Mal seit sechs Rennen die Punkteränge und landete auf
Rang 17. Nico Hülkenberg kam im Williams als 13. ins Ziel,
Virgin-Fahrer Timo Glock wurde 18.
Bei Ferrari droht trotz des zweiten Doppelerfolgs der Saison
dicke Luft. Massa hatte zwar 49 der 67 Runden das Rennen angeführt
und den ungestümen Alonso hinter sich gehalten. Dann aber
griff die Box ein, Massa musste seinen Kollegen passieren
lassen. «Tut mir leid, Junge», funkte Renningenieur Rob Smedley
an den Brasilianer. Laut Regelwerk des Internationalen Automobil-verbands
FIA allerdings ist eine Teamorder verboten. «Das war keine
Team-order», beteuerte Teamchef Stefano Domenicali. Weiteren
Nachfragen wichen Alonso und der sichtlich angesäuerte Massa
jedoch aus.
Vettels Hoffnungen auf eine Triumphfahrt in der Heimat platzten
schon in der ersten Kurve. Tags zuvor hatte er Alonso in der
Qualifikation noch um zwei Tausendstelsekunden geschlagen
und sich seine sechste Pole Position der Saison geschnappt.
Doch der Vizeweltmeister konnte den Vorteil nicht nutzen.
Mit einem furiosen Start fuhr Massa von Rang drei an die Spitze,
auch Alonso setzte sich gegen Vettel durch. Alte Klasse ließ
Superstar Schumacher auf-blitzen, als er sich von Platz elf
auf acht verbesserte. Glimpflich verlief ein Crash der beiden
Toro Rosso, Sebastien Buemi musste wegen eines abge-rissenen
Heckflügels aber das Rennen aufgeben.
Verfolger Vettel konnte im Kampf an der Spitze zunächst das
Tempo der Ferrari nicht ganz mitgehen. Auch nach den Boxenstopps
des Top-Trios zwischen Runde 13 und 15 verteidigte Massa die
Führung. Einen harten Angriff seines Teamkollegen in Runde
21 parierte der Südamerikaner. Der um seine Titelchance kämpfende
Alonso schimpfte daraufhin via Boxenfunk in Richtung Kommandostand:
«Das ist lächerlich.» 28 Umläufe später bekam der Spanier
seinen Willen. Die Ferrari-Teamleitung erklärte Massa: «Fernando
ist schneller. Kannst Du diese Nachricht bestätigen?» Kurz
darauf wurde der 29-Jährige für einen Moment verdächtig langsam,
Alonso zog mühelos vorbei und strebte seinem zweiten Saisonerfolg
entgegen. Nach 1:27:38,864 Stunden auf dem 4,574 Kilometer
langen Traditionskurs war der 23. Grand-Prix-Sieg des zwei-maligen
Weltmeisters perfekt.
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