Rennen:
Webber
gewinnt das Chaos-Rennen in Ungarn und Vettel
verspielt die Tabellenführung
Die Rennrichter von Budapest haben Sebastian Vettel auf dem
Weg zur ersten WM-Führung seiner Formel-1-Karriere ausgebremst.
Der von Pole Position gestartete Heppenheimer musste auf dem
Hungaroring für eine Unachtsamkeit im 100. Red-Bull- Rennen
mit einer Durchfahrtsstrafe büßen und kam beim Sieg seines
Teamkollegen Mark Webber nicht über Platz drei hinaus. Hocken-heim-Gewinner
Fernando Alonso konnte sich im Ferrari auch noch vor den verzweifelten
Vettel schieben. «Warum habe ich eine Durchfahrtsstrafe»,
er-eiferte sich Vettel via Boxenfunk und gestikulierte eindeutig
aus seinem Cockpit heraus.
Webber nutzte indes in seinem 150. Grand Prix die Gunst der
Stunde und den Ausfall des bis dato in der WM-Wertung führenden
Lewis Hamilton, der seinen McLaren-Mercedes wegen eines Getriebeschadens
vorzeitig abstellen musste. Der Australier, von Platz zwei
hinter Vettel gestartet, profitierte von der einzigen Safety-Car-Phase
des Rennens und übernahm vor der dreiwöchigen Sommer-pause
mit 161 Punkten nach zwölf Rennen die Spitze. Es war Webbers
vierter Saisonsieg. In der Gesamtwertung sitzen ihm Hamilton
(157) und Vettel (151) im Nacken.
Ein weiteres schwarzes Wochenende erlebte das Silberpfeil-Team.
Michael Schumacher kam nach Startplatz 14 im Mercedes gerade
mal auf Rang elf und wurde bereits elf Umläufe vor dem Ende
von Webber überrundet - anschließend auch noch von seinem
Ex-Teamkollegen Rubens Barrichello, den Schumacher fast in
die Mauer gedrückt hätte. «Das war grausam», schimpfte Barrichello.
Schumachers Aktion rief auch die Rennkommissare auf den Plan.
Nico Ros-berg musste nach einer gefährlichen Reifenwechsel-Panne
in der Puszta aufgeben.
Landsmann Adrian Sutil schied nach einem schuldlosen Crash
ebenfalls früh aus. Erfreulich dagegen Nico Hülkenberg: Der
Emmericher schaffte im Williams sind bislang bestes Resultat
und landete auf Platz sechs. Timo Glock belegte im unterlegenen
Virgin Platz 16.
«Diesmal nicht» schien sich Vettel zumindest beim Start zu
sagen. Eine Woche nachdem er beim Deutschland-Rennen von Pole
aus das Nachsehen gehabt hatte, ließ er sich die Top-Ausgangsposition
nicht entreißen - auch wenn es knapp war, denn von hinten
drängelte Alonso. Der Spanier schnappte sich Webber auf den
ersten Metern und hatte vor der ersten Kurve sogar die Ferrari-Nase
vor Vettels überlegenem Red Bull. Der Heppenheimer nutzte
jedoch die Innenbahn, Alonso reihte sich nach der ersten Biegung
auf Platz zwei ein, Webber auf drei. Rosberg musste von Rang
sechs ebenso wie Spitzenreiter Hamilton den Russen Witali
Petrow im Renault an sich vorbei ziehen lassen. Rekordweltmeister
Schumacher, der schon in der Aufwärm-runde via Boxenfunk über
Probleme mit den Bremsen klagte, konnte sich von Rang 14 aus
nicht entscheidend in Szene setzen.
Vettel drehte erstmal ungestört seine Runden und verschaffte
sich einen or-dentlichen Vorsprung. Richtig turbulent wurde
es erst, nachdem ein Teil auf der Strecke eine Safety-Car-Phase
in der 15. Runde ausgelöst hatte: Vettel wurde so prompt zum
Boxenstopp beordert, dass er nur in letzter Sekunde die Kurve
bekam. Die Rivalen folgten, außer Webber. Die Rush-Hour hatte
Konsequen-zen: Robert Kubica wurde von seinem Team wieder
auf die Strecke entlassen, obwohl Sutil just in dem Moment
in die Box kam. Der Pole bekam ebenfalls eine Durchfahrtsstrafe.
«Ich fahr rein und plötzlich kommt mir ein Auto in die Seite
reingeschossen», schilderte Sutil.
Und dann sorgte auch noch die Mercedes-Crew für eine ebenso
peinliche wie gefährliche Panne. Als Rosberg mit seinem Silberpfeil
rausfuhr, löste sich das rechte Hinterrad und hüpfte durch
die mit Mechanikern vollbesetzte Wechsel-zone. Für Rosberg
war das Rennen beendet. «Von mir gibt es kein ernstes Wort,
das kann passieren. Ich habe es auch zu spät realisiert»,
meinte der Wiesbadener.
Vettel gab nach seiner Strafe noch mal richtig Gas und setzte
Alonso gewaltig unter Druck. Vorbei kam er aber nicht. Und
so musste er sich mit Rang drei beim Sieg von Webber im 25.
Ungarn-Rennen begnügen. Der Routinier be-nötigte für die 306,630
Kilometer 1:41:05,571 Stunden und war damit fas 20 Sekunden
vor Vettel.
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