Rennen:
Vettel
Zweiter bei Webber-Triumph in Monaco
Dramatik, Crashs und Safety-Car-Phasen: Die Red-Bull-Überflieger
Mark Web-ber und Sebastian Vettel haben sich beim Grand-Prix-1-Klassiker
Monaco durch nichts aus der Erfolgspur bringen lassen und
mit einem Doppelerfolg im Fürstentum an der Côte d'Azur die
WM-Führung erobert.
«Das ist der größte Tag in meinem Leben», sagte der strahlende
Sieger Web-ber, nachdem er in der Fürstenloge von Albert II.
die Glückwünsche für seinen Triumph entgegengenommen hatte.
Vettel fand sich mit seiner Niederlage beim prestigeträchtigsten
Formel-1-Rennen gefasst ab: «Ich bin sehr glücklich und zufrieden.
Wir haben letzten Endes das Optimum herausgeholt.»
Das Mercedes-Duo Michael Schumacher und Nico Rosberg hatte
auf den Plät-zen sechs bzw. acht wie zuletzt in Barcelona
bei der wilden Hatz durch die Häuserschluchten nichts mit
der Vergabe der Podiumsplätze zu tun. Ihre Sil-berpfeile konnten
bei der spannenden «Hafenrundfahrt» nie das Höllentempo der
beiden Red Bull gehen. «Monte Carlo ist immer etwas Spezielles»,
sagte Schumacher. «Es wäre natürlich viel schöner gewesen,
das Ganze auf dem Podium zu beenden.»
Immerhin ließ der Altmeister aus Kerpen in der letzten Sekunde
seine alte Klasse aufblitzen, als er Fernando Alonso direkt
nach der vierten und letzten Safety-Car-Phase wenige Meter
vor der Ziellinie den sechsten Platz noch raubte. «Man darf
da wieder fahren», schilderte Schumacher die Szene aus seiner
Sicht. Er sehe da keinen Regelverstoß und deshalb auch keine
Strafe auf sich zukommen. Die Rennleitung untersucht den Vorfall.
Rosberg sagte zu seinem achten Platz: «Das ist schon enttäuschend.»
Mer-cedes-Motorsportchef Norbert Haug meinte: «Michael hat
beim letzten Restart noch Alonso geschnappt - wenigstens etwas
und ein Trost für alle Jungs im Team.»
Für Furore sorgte auch Alonso: Der aus der Boxengasse als
Letzter gestartete Spanier «schluckte» einen Widersacher nach
dem anderen, wobei er bei seiner brillanten Aufholjagd auch
von der glänzenden Ferrari-Strategie profitierte. Alonso belegte
einen beeindruckenden siebten Platz, nachdem ihn Schuma-cher
am Schluss noch überrumpelt hatte. Der Pole Robert Kubica
kam im Renault auf Rang drei und feierte damit seinen zweiten
Podestplatz hinter-einander.
Mann des Rennens war wie zuletzt in Spanien eindeutig Webber.
Er ließ sich weder von den vier Safety-Car-Phasen noch von
Vettel aus dem Rhythmus bringen. Mit fast stoischer Ruhe fuhr
der 33-Jährige auf dem engen, nur 3,340 Kilometer langen Stadtkurs
einen überlegenen Start-Ziel-Sieg heraus. Der Red-Bull-Pilot
benötigte für die 78 Runden 1:50:13,355 Stunden. Vettel wies
nach insgesamt 260,520 Kilometern voller Spannung 0,448 Sekunden
Rückstand auf. Adrian Sutil (Gräfelfing) zeigte im Force India
als Neunter eine gute Vorstellung.
«Unglaublich», jubelte Webber nach seinem zweiten Saisonsieg
innerhalb einer Woche. «Hier zu gewinnen ist einfach toll.
Monaco ist eine ganz be-sondere Herausforderung.» Vettel,
der auf seine Niederlage in der Qualifikation noch frustriert
reagiert hatte, räumte anerkennend ein: «Ich konnte nicht
mit Mark mithalten.» Teamchef Christian Horner sprach freudestrahlend
von «einem tollen Tag für Red Bull». Nach sechs Rennen führt
Webber die WM mit 78 Zählern vor dem punktgleichen Vettel
an, weil er einen Erfolg mehr aufweist (2:1). Alonso (73)
ist Gesamtdritter vor Jenson Button (70).
Der Titelverteidiger rollte schon nach drei Runden wegen eines
Motorschadens an seinem McLaren-Mercedes aus. Eine defekte
Ölleitung hatte zur Über-hitzung des Triebwerks geführt. Durch
seinen ersten Saisonausfall verlor Button die Spitzenposition
in der Fahrer-WM.
Beim Start blieb das befürchtete Chaos noch aus, aber kurz
danach knallte es erstmals richtig heftig: Nico Hülkenberg
prallte in der ersten Runde im Tunnel in die Leitplanken und
schlitterte mit seinem Williams dann der Mauer entlang ins
Freie. Um den demolierten Wagen bergen und die Trümmerteile
wegräumen zu können, musste das Rennen fünf Runden lang hinter
dem Safety Car neutra-lisiert werden. «Bei mir ist alles in
Ordnung», gab Hülkenberg Entwarnung. Webber nutzt wie schon
zuletzt bei seinem Sieg in Spanien die Pole-Position, um sich
einen beruhigenden Vorsprung zu verschaffen.
Vettel düpierte mit einer beherzten Attacke Kubica und preschte
sofort auf Platz zwei vor. Aber seinen australischen Teamkollegen
musste er nach der erneuten Freigabe des Rennens ziehen lassen.
Webber blieb auch nach dem ersten Reifenwechsel, den er einen
Umlauf nach Vettel absolvierte, souverän vorn. Er kontrollierte
locker das Geschehen: Weit und breit war auf dem engen Straßenkurs
kein Konkurrent in Sicht. Vettel wies als erster Verfolger
nach rund einem Drittel der Distanz schon über zehn Sekunden
Rückstand auf.
Nach der zweiten Safety-Car-Phase in der 33. Runde war Webbers
Vorteil jedoch wieder weg: Rubens Barrichello drehte sich
in seinem Williams wegen einer gebrochenen Radaufhängung beim
Casino und blieb mitten auf der Strecke stehen. Das Red-Bull-Duo
konnte sich jedoch sofort wieder absetzen, wobei Vettel erneut
Webbers Tempo nicht halten konnte. Neutralisation Num-mer
drei dann zehn Umläufe später: In einer Kurve hatte sich ein
Kanaldeckel gelockert. Damit war Webbers Vorsprung wieder
weggeschmolzen. Aber wieder meisterte der Spitzenreiter die
zusätzliche Herausforderung problemlos.
Und als es in der 75. Runde erneut spektakulär knallte und
das Feld neutra-lisiert wurde, blieb Webber cool. «Die Phase
hat mich geschockt», räumte er ein. «Ich hab' gedacht: 'Was
zum Teufel ist da los' und gehofft, dass wir das Rennen hinter
dem vierte Safety Car zu Ende fahren.» Timo Glock schied als
zweiter Deutscher aus: Wegen einer gebrochenen Aufhängung
musste der Wersauer seinem Virgin in der 25. Runde abstellen.
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