| 21.
Januar 2010: |
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Titel
trotz Schumacher
Tabu-Thema bei Mercedes
Der Titel-Triumph ist ein Tabu-Thema. Obwohl Mercedes Grand
Prix Rekord-Weltmeister Michael Schumacher aus der Rente geholt
und Konstrukteurs-Champion BrawnGP gekauft hat, spricht Norbert
Haug nicht vom Titel als Zielvorgabe für das neue Team.
«Wir müssen in der Formel 1 unsere Erfolge extrem hart erarbeiten,
und exakt das ist unser Plan: Wir alle im Team schaffen am
absoluten Limit mit größter Begeisterung Tag und Nacht dafür»,
sagte der Mercedes-Motorsportchef im Interview der Deutschen
Presse-Agentur dpa. Haug wich auch der Frage aus, ob der Stuttgarter
Konzern beim Revival der Silberpfeile wegen dieser Riesen-Coups
nicht zum maximalen Erfolg verdammt sei. «Die Lust am Siegen
wird bei uns stets größer sein als die Pflicht dazu. Und wir
haben riesige Lust», versicherte er.
Der schwäbische Autobauer bremst angesichts der riesigen Erwartungshaltung
die Euphorie vorsichtshalber schon vor dem Saisonstart, um
im Fall eines Misserfolgs nicht als großspurig verspottet
werden zu können. Dieter Zetsche hat vor allem vom siebenmaligen
Weltmeister Schumacher Druck genommen: «Wir sind überzeugt,
dass Michael gut fahren und wieder gewinnen wird. Viel-leicht
nicht sofort - wir werden ihm Zeit geben. Aber ein Champion
enttäuscht nie», hatte der Daimler-Vorstandsvorsitzende bei
der Motor Show in Detroit gesagt. «Wir verschwenden keinen
Gedanken daran, dass er uns enttäuschen könnte.»
Obwohl Schumacher drei Jahre lang pausiert hat, sieht Haug
kein Risiko darin, den Rekordhalter gleich für drei Jahre
verpflichtet zu haben. «Gäbe es diese Garantie, würde kein
Mensch Formel 1 schauen», meinte der 57 Jahre alte ge-bürtige
Pforzheimer. Dabei ist völlig offen, ob der 91-malige Grand-Prix-Sieger
aus Kerpen - auch im Hinblick auf die Folgen seines schweren
Motorradunfalls vom Februar 2009 - die Saison körperlich durchsteht
und seine einzigartigen Qualitäten konservieren konnte.
Haug sieht auch keine Gefahr, dass Nico Rosberg im übergroßen
Schatten Schumachers zum Nebendarsteller degradiert werden
könnte. «Nico hat seine Wunschkonstellation gefunden: Er wollte
immer in den Formel-1-Silberpfeil und wünschte sich Michael
als Teamkollegen», sagte der Mercedes-Mann.
Keine Sorgen macht sich Haug auch darüber, dass der 17 Jahre
jüngere, noch sieglose Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg
dasselbe Schicksal wie Schumachers einstige Teamkollegen bei
Benetton und Ferrari erleiden könnte. Diese sind ausnahmslos
an der Dominanz des schier übermächtigen Deut-schen zerbrochen.
«Wir denken nicht an Scheitern und Zerbrechen, sondern vielmehr
an härteste Arbeit, vollsten Einsatz und größten Erfolg. Und
sollten wir den nicht gleich erreichen, dann geben wir garantiert
keine Ruhe, bis wir diesen größten Erfolg erreichen», kündigte
Haug der Konkurrenz einen harten Kampf an.
Dabei schließt der zum mächtigsten Mann im deutschen Motorsport
aufge-stiegene Manager ein, dass Teams wie McLaren-Mercedes
mit den beiden Weltmeistern Lewis Hamilton und Jenson Button,
Ferrari mit Doppel-Champion Fernando Alonso oder auch Red
Bull mit Vize-Weltmeister Sebastian Vettel den Silberpfeilen
erst mal davonfahren und somit die Show stehlen könnten.
«Klar gibt es diese Möglichkeit», sagte er aber relativ gelassen.
Schließlich hatte Haug dies im Vorjahr mit McLaren-Mercedes
als Titelverteidiger schmerz-haft erlebt: In der ersten Saisonhälfte
fuhr das britisch-schwäbische Team meist hinterher, in den
letzten acht Rennen holte Hamilton dann mehr Punkte als jeder
andere. «Wichtig ist, wie schnell man wieder steht und weiterkämpft,
sollte man mal angeknockt sein», gab er als Devise aus.
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