| 04.
März 2005:
Minardi musste in der Box bleiben
Stoddart erzwingt Einstweilige Verfügung
Das peinliche Gerangel um die Starterlaubnis für das Außenseiter-Team
Minardi hat den Aufakt des Rennwochenendes in Melbourne belastet.
Wäh-rend bis auf Minardi alle anderen neun Rennställe ihre Fahrer
und Testpiloten im Albert Park zu den ersten beiden Trainingseinheiten
der Saison auf die Strecke schickten, blieben die Wagen beim schlechtesten
Team des Vor-jahres in der Box.
Die Rennkommissare stoppten Minardi-Chef Paul Stoddart, weil dieser
mit Autos antreten will, die nicht den Regeln entsprechen. Stoddart
zog vor Gericht und erzielte einen Teilerfolg. Er erwirkte beim
Obersten Gerichtshof eine Einstweilige Verfügung und darf am Training
und der ersten Qualifikation zum Rennen teilnehmen. Dann soll das
Gericht nach einer Anhörung von Vertretern des Automobil Weltverbandes
(FIA) endgültig entscheiden, ob Minardi das Rennen im Albert Park
fahren darf.
Unbeeindruckt von dem Hin und Her um Minardi drehten Weltmeister
Michael Schumacher und seine Kollegen die ersten Runden in der Saison.
«Es ist immer ein schöner Moment, erstmals in einer neuen Saison
auf die Strecke zu kommen. Es ist gut, endlich zu fahren nach allen
Tests und Spekula-tionen», sagte der Ferrari-Pilot. Im zweiten Training
wurde der Kerpener mit seinem modifizierten Vorjahresmodell F2004
M auf dem 5,303 km langen Stadtkurs Vierter. Insgesamt fuhr er die
fünftbeste Zeit des Tages. In der ersten Einheit hatte er wegen
eines elektronischen Problems keine einzige Runde beenden können.
Nach den Trainingseindrücken blieb der Vorjahres-sieger für das
erste Saison-rennen vorsichtig: «Ein Podiumsplatz wäre wünschenswert.»
Williams-BMW-Neuzugang Nick Heidfeld, der im Sommer erstmals Vater
wird, überraschte mit der drittschnellsten Zeit hinter McLaren-Mercedes-Testpilot
Pedro de la Rosa (Spanien) und Silberpfeil-Stammfahrer Kimi Räikkönen
(Finnland). Ralf Schumacher kam im Toyota auf den 13. Rang. «Es
ist ein schönes Gefühl, so weit vorne zu stehen, auch wenn es nur
das Freitagstraining war», meinte Heidfeld.
Abseits der Strecke weitete sich die Minardi-Affäre aus. Seit dem
Morgen fand hinter den Kulissen ein juristisches Tauziehen statt.
Zunächst hatte es geheißen, dass alle neun Konkurrenzteams ihre
Zustimmung geben müssten, damit Minardi seine nicht den Regeln entsprechenden
Autos einsetzen dürfe. Doch die Rennkommissare machten Stoddart
einen Strich durch die Rech-nung und ließen die Zusagen der anderen
Teams nicht gelten. Daraufhin verließ der Minardi-Chef wutentbrannt
die Strecke, fuhr zum Supreme Court und kam mit der Einstweiligen
Verfügung zurück.
Noch im September hatte Stoddart gemeinsam mit allen anderen Teams
die neuen Regeln abgesegnet. Doch vor dem Rennen in Melbourne sagte
der Australier, dass er weder Zeit noch finanzielle Möglichkeiten
hätte, um ein regelkonformes Auto zu präsentieren. Der 49-Jährige
schaffte es, Ferrari den Schwarzen Peter zuzuschieben, weil der
Branchenprimus dem Hinterbänkler seine Zusage für eine Ausnahmeregelung
verweigert hatte.
Doch nicht nur Ferrari hat große Bauchschmerzen mit Minardis Extratour.
«Regeln müssen eingehalten werden», meinte BAR-Honda-Teamchef Nick
Fry. Auch Red-Bull-Sportdirektor Christian Horner findet: «Regeln
sind Regeln.» «Wir hätten nicht unterschrieben», machte Jordans
neuer Teamchef Colin Colles deutlich. Sein Vorgänger Eddie Jordan
hatte noch der Sonderrolle von Minardi zugestimmt. Michael Schumacher
kommentierte das Gerangel: «Wenn man beschließt, künftig nur noch
mit zehn Mann Fußball zu spielen, dann kann eine Mannschaft nicht
mit elf Spielern antreten, nur weil sie schlechter ist.»
|
|