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01. August 2006:

Kein Marathon, sondern ein Sprint

Der 24 Stunden-Marathon in Spa-Francorchamps avancierte in diesem Jahr zu einem Sprint. Das ganze Rennen über kämpften der Phoenix-Aston Martin und der Vitaphone-Maserati um die Führung. Bis kurz vor Schluss sah die Phoenix-Mannschaft mit Andrea Piccini/Jean-Denis Delétraz/Marcel Fässler/Stéphane Lemeret wie der sichere Sieger aus - doch in letzter Minute fing die Vitaphone-Truppe mit Michael Bartels/Andrea Bertolini/Eric van de Poele den Eifel-Aston noch ab.

Vom Start weg ging Polesetter Piccini in Front, musste die Führung aber bereits in der Bus Stop-Schikane an Jamie Davies abgeben, der seinen Maserati auch flugs als souverän Führender etablierte. Dahinter ging auch Davies´ Teamkollege Bertolini am Phoenix-Aston vorbei, doch an den Briten kam der Italiener nicht ran. Nachdem Thomas Biagi das Steuer von Davies übernommen hatte, stellten sich die ersten Probleme am Maserati MC12 ein: Die Kühlwasser-Warnlampe flackerte immer wieder auf. Das Team glaubte aber aufgrund der Unregelmäßigkeit an einen Fehlalarm wegen eines defekten Sensors.

In Wahrheit aber leckte aus einer Schelle im Schlauchgewürm Kühlflüssig-keit. Die Motortemperatur stieg immer weiter an. Nach 44 Runden kochte der Motor dann endgültig über. Einer der Top-Favoriten war schon in der An-fangsphase draußen. Nach den ersten Tankstopps lag urplötzlich die GLPK-Corvette C6-R von Bert Longin/Mike Hezemans/Anthony Kumpen/Kurt Mollekens in Führung. Die belgisch-holländische Seilschaft konnte pro Stint einige Runden länger draußen bleiben als die Konkurrenz, weil der Ami-V8 weniger Durst hatte als die europäischen Zwölfzylinder. Diese Tatsache machte die Corvette auf einmal zum Geheimfavorit.

Teamchef Toine Hezemans kalkulierte, dass man über die 24-Stunden-Distanz wegen des Verbrauchs zwei Boxenstopps á zweieinhalb Minuten einsparen würde. Diese Rechnung wurde aber in Runde 118 zunichte ge-macht, denn aufgrund eines Unfalls wurde die erste Gelbphase nötig. Damit waren die ersten zweieinhalb Minuten schon mal hin. Die Corvette tankte zwar weiterhin später als alle anderen, doch den Phoenix-Aston Martin und den noch verbliebenen zweiten Vitaphone-Maserati konnte man nicht halten. Stattdessen fightete die Vette mit dem Zakspeed-Saleen um die dritte Position.

Bei Zakspeed musste Sascha Bert erst eine Strafe absitzen, weil der Saleen auf dem Startplatz zu spät von den Wagenhebern gelassen wurde. Dann fuhr der Hesse zu Beginn nur 80%, weil er an einen 24-Stunden-Marathon glaub-te. In Wahrheit aber war es ein Sprint. In der Nacht rammte Jarek Janis einen Überrundeten. Der nötige Wechsel eines vorderen rechten Querlenkers ließ Rang drei in weite Ferne rücken. Am Morgen wurde der Wagen dann aufgrund von Klappergeräuschen im Motorraum zurückgezogen, weil man keinen Motorschaden riskieren wollte. Bei Aston Martin hatte man nur ein Eisen im Feuer.

Das Race Alliance-Auto verlor bereits im Training über zwei Sekunden und kam auch im Rennen nie auf Touren. Da das Fahrzeug sehr sensibel auf die Bodenfreiheit und den Anstellwinkel reagierte, die den Luftstrom unter dem Auto definieren, war der Aston schwer abzustimmen. Man musste mit so genannten Packers arbeiten, die man auf die Dämpfer legte, um den Feder-weg zu bestimmen. Damit bewegte man sich in einem sehr engen Fenster. Entweder man traf es - oder eben nicht. Bei den zu Saisonbeginn verwen-deten Dunlop-Reifen verzichtete Race Alliance auf die Distanzplättchen, weil man ein weiches Set-up brauchte, um Grip zu finden.

Die österreichische Truppe vermutete, dass schlicht die Erfahrung fehlte, um das enge Fenster genau zu treffen. Im Rennen war der Aston Martin DBR9 Stammgast an der Box. Erst musste man eine Antriebswelle wechseln, später dann einen Auspuffkrümmer. Dann fiel Karl Wendlinger mit erneutem Antriebswellendefekt endgültig aus. Die BMS Scuderia Italia rüstete ihre Aston Martin mit Pirellis aus. Auch hier war das Abstimmungsfenster extrem schmal. Die Hoffnung der Michelin-Teams, die Pirellis würden schneller abbauen als die französischen Pneus, erfüllte sich nicht.

Trotzdem fiel Christian Pescatori nach zwei frühen Extra-Stopps aufgrund von Brems-und Reifenproblemen weit zurück. Durch das Pech der Zakspeed-Truppe wurde der Italien-Aston am Ende aber immerhin noch Vierter. An der Spitze tobte der Fight Phoenix gegen Vitaphone über die gesamte Distanz. Nach dem Abflug des Ebimotors-911 GT3 wurde gegen 23.15 Uhr eine zweite Gelbphase nötig. Bartels tankte direkt davor. Lemeret fuhr parallel mit dem Führungsfahrzeug die Boxengasse herab. Da es wegen der langen Ardennenachterbahn zwei Safety-Cars gab, trennte dieses Timing die beiden Streithähne - beide fuhren in verschiedenen Safety-Car-Gruppen.

Dies handelte Bartels/Bertolini/van de Poele einen Rückstand von einer halben Runde ein, dem sie fortan auch stundenlang hinterher hechelten. Bis kurz nach Mitternacht konnte der DBR9 immer eine Runde später tanken als der MC12. Dann aber wurde der Wasserdruck des Aston unregelmäßig und man musste ein anderes Mapping fahren, das wegen einer fetteren Gemisch-anreicherung mehr verbrauchte. Der Puffer des späteren Tankens war futsch. Trotzdem blieb der Vorsprung fast konstant - bis Piccini morgens gegen fünf Uhr von einem Überrundeten getroffen wurde. Danach hatte man vorne ziemliche Nachspur, was zur Folge hatte, dass das Rad immer früher ab-baute.

Der Vitaphone-Maserati kam immer näher. Die Entscheidung fiel beim letz-ten Boxenstopp. Van de Poele ging knapp vor Fässler wieder auf die Strecke. In dieser Phase hätte der Schweizer eigentlich attackieren müssen - was aber aufgrund des Reifens nicht ging. Bartels/Bertolini/van de Poele fuhren den Sieg sicher nach Hause und gewannen nach dem Sieg im Vorjahr bereits zum zweiten Mal in Folge den berühmten Ardennen-Klassiker vor dem Phoenix-Aston Martin und der GLPK-Corvette.

GT2 Klasse: Ferrari-Triumphzug

Die GT2 Klasse wurde wie erwartet zum Triumphzug von Ferrari. Auch des-halb, weil einer der wenigen Porsche, die in der Lage gewesen wären, die Ferrari unter Druck zu setzen, erst weit zurück und schließlich ganz ausfiel. Emanuel Collard musste seinen bockigen Ebimotors-Porsche 996 GT3 schon nach 43 Runden in der Boxengasse bergauf schieben. Und das auch noch alleine, denn die Mechaniker dürfen erst ab einem gewissen Punkt mithelfen. Der Fehler war schnell gefunden. Der I-Geber, also der Sensor, der eine Markierung am Schwungrad aufnimmt und damit die Zylinder-1-Erken-nung für die Zündfolge übernimmt, war defekt.

Der nötige Wechsel warf Collard/Luca Riccitelli/Romain Dumas weit zurück. Kurz vor Mittenacht platzte Collard dann ausgangs Eau Rouge ein Reifen. Den folgenden Horror-Abflug überstand der Franzose aber gottlob unverletzt. Die Probelme des besten GT2-Porsche machten die Klasse zu einem Solo für Ferrari. Da die neuen Porsche 997 GT RSR zu Beginn des Rennens zu weich bereift waren und die Piloten über heftiges übersteuern klagten, konn-ten die Ferrari an den noch außer Konkurrenz in der G2 fahrenden Elfern vorbeigehen.

Andrew Kirkaldy im Scuderia-Ecosse F430 ging in Führung. Der zweite Schotten-Ferrari fiel wegen eines Kupplungsdefekts aus dem Reigen der Sieganwärter raus. Kirkaldys Teamkollege Nathan Kinch warf den Ferrari weg und provozierte eine lange Reparatur. Danach waren die AF-Corse-Wagen vorn. Nachts führten aufgrund von unterschiedlichen Reifenstrategien Jaime Melo/Stéphane Ortelli/Matteo Bobbi. Dann allerdings setzte es einen Plattfuss hinten rechts. Außerdem dauerte der Bremsbelagwechsel länger als bei Timo Scheider/Mika Salo/Rui Aguas, weil bei denen kein Öl nach-gefüllt werden musste und ergo mehr Mechaniker an den Belägen arbeiten konnten.

Die Punkte während des Rennens teilten sich die beiden F430 auf Geheiß aus Maranello brüderlich. Als Scheider vorne war, griff der Nichtangriffspakt - damit lagen alle AF-Corse Fahrer punktgleich an der Tabellenspitze. Bester Porsche war zunächst das Renauer-Team mit Wolfgang Kaufmann/Manfred Jurasz/Luca Moro/Darryl O´Young. Dann löste sich der Unterboden und später trat Fett aus einer porösen Antriebswelle aus. Als das Getriebe im dritten und vierten Gang klapperte, stellte man das Auto endgültig ab. Damit wurden Horst Felbermayr sr. und jr. mit Gerold Ried und Christian Ried beste Stuttgarter Vertreter.

G2 Klasse: Porsche-Debüt mit Problemen

Porsche holte mit dem neuen 997 GT3 RSR zwar wie erwartet den Doppel-sieg in der G2-Klasse, doch das Debüt des neuen Stuttgarter Elfers verlief nicht problemfrei. Bei Marc Lieb/Timo Bernhard/Pedro Lamy musste wegen eines Wackelkontakts schon früh das Potenziometer im Getriebe getauscht werden. Nachts ramponierte Lamy den Kühler und den Unterboden vorn bei einem Ausritt. Am Sonntag streikte dann auch noch der dritte Gang und das Getriebe musste gewechselt werden. Beim Schwesterfahrzeug von Sascha Massen/Lucas Luhr/Marcel Tiemann ruckelte sich der Unterboden los und durchtrennte eine Kühlleitung. Drei Stunden vor Schluss fraß sich eine Rad-mutter auf der Nabe fest.

Die neue Kombination aus Alu-Radmutter und Stahl-Welle stammt aus dem Carrera GT. Für die Rennversion ist eine andere Beschichtung nötig. Obwohl sie als nicht homologierte Autos in der offenen Klasse G2 für Boliden aus nationalen GT-Serien fuhren, ließ Porsche die neuen 997 GT3 RSR in der Spezifikation los, wie sie als GT2 laufen werden - mit 1225 kg und 30,3 mm-Restriktor. Einziger Vorteil aus der G2 war ein größerer Heckflügel mit tie-ferem Blatt. Da man dafür aber auch mit einem Katalysator fahren musste, der zwischen 10 und 18 PS kostete, konnte man keinen allzu großen Vorteil daraus ziehen.

Daniel Stoffel
   
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