Audi
mit guter Performance, aber glücklos
- Audi
R18 TDI beim 6-Stunden-Rennen unter Wert geschlagen
- Beide Autos in Führung, aber durch Kollisionen zurückgeworfen
- Plätze zwei und sieben nach einem spannenden Rennen
Beste Werbung für die ab 2012
ausgeschriebene neue FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft
war das 6-Stunden-Rennen in Silverstone (Großbri-tannien),
in dem die beiden Audi R18 TDI des Audi Sport Team Joest
mit den Plätzen zwei und sieben unter Wert geschlagen
wurden.
Von der ersten Runde an erlebten
die Zuschauer beim fünften Lauf des Intercontinental
Le Mans Cup (ILMC) faszinierende Duelle zwischen den Diesel-Sportwagen
von Audi und Peugeot. Nur acht Runden benötigte Allan
McNish im Audi R18 TDI mit der Startnummer "2",
um den von der Pole-Position gestarteten Peugeot des Franzosen
Sébastien Bourdais von der Spitze zu verdrängen.
Mit dem "Schwesterauto" setzte Timo Bernhard Franck
Montagny im zweiten Peugeot unter Druck, bis der Franzose
ein anderes Fahrzeug touchierte und von der Strecke kreiselte.
In der Folge überholten sich
Allan McNish und Sébastien Bourdais an der Spitze
mehrmals gegenseitig. Kurz vor Ende der ersten Stunde verlor
die Startnummer "2" jedoch alle Chancen auf den
Sieg, als der Audi-Pilot von einem GT-Fahrzeug getroffen
wurde. Der Wechsel der vorderen linken Radaufhängung
kostete sechs Runden und warf den R18 TDI #2 ans Ende des
Feldes zurück. Obwohl das Lenkrad nach der Reparatur
nicht mehr ganz gerade stand, kämpften sich Allan McNish
und Tom Kristensen am Ende noch auf den siebten Platz nach
vorn. Dass der Unfallgegner eine längere Stop-and-Go-Strafe
absitzen musste, war jedoch nur ein schwacher Trost für
die beiden.
Alle Hoffnungen des Audi Sport Team
Joest ruhten in der Folge auf Timo Bernhard und Marcel Fässler
im Audi R18 TDI mit der Startnummer "1", der sich
ab der zweiten Stunde ein spannendes Duell um die Führung
mit dem zweiten Peugeot lieferte.
Besonders eindrucksvoll war die Leistung
von Marcel Fässler, der in der dritten Stunde einen
Rückstand von über 30 Sekunden auf Simon Pagenaud
im Peugeot aufholte, den Franzosen überholte und sich
an die Spitze des Feldes setzte.
Nach dem Fahrerwechsel verteidigte
Timo Bernhard die Führung, obwohl zuvor bei einer leichten
Berührung zwischen Fässler und einem langsameren
Prototypen das Heck des Audi R18 TDI #1 beschädigt
worden war und dadurch an der Hinterachse etwas Abtrieb
fehlte.
Gravierender war aber die Tatsache,
dass durch den Kontakt auch das rechte Rücklicht des
R18 TDI abgerissen wurde. Reglement-bedingt musste das Audi
Sport Team Joest beim nächsten Boxenstopp das Heckteil
des Fahrzeugs wechseln. Dies gelang in Rekordzeit, der Zeitverlust
von etwas mehr als einer Minute war aber rennentscheidend.
Im Ziel fehlten Timo Bernhard und Marcel Fässler 89
Sekunden zum Sieg.
Auf den nächsten Auftritt der
faszinierenden Sportprototypen müssen die Fans nicht
lange warten: Der vorletzte Lauf des Intercontinental Le
Mans Cup, aus dem 2012 die FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft
wird, findet am 1. Oktober in Road Atlanta (US-Bundesstaat
Georgia) statt.
Stimmen nach dem Rennen
Dr. Wolfgang Ullrich (Audi-Motorsportchef):
"Ich bin ziemlich enttäuscht. Wir hatten heute
die Performance, das Rennen zu gewinnen. Die Autos waren
schnell und das Team hat perfekt gearbeitet. Wir haben nichts
falsch gemacht, wir hatten einfach Pech - und das gleich
zweimal. Wir haben dabei soviel Zeit verloren, dass es nicht
mehr möglich war, das Rennen zu gewinnen."
Marcel Fässler (Audi R18 TDI
#1): "Es war ein tolles Rennen. Wir haben gepusht.
Von der Pace her hätten wir wirklich um den Sieg kämpfen
können. Das Auto war heute richtig gut. Von daher ist
es schade, dass ich zwei Kontakte hatte, bei denen das Auto
beschädigt wurde. Durch die Reparatur haben wir einfach
zu viel Zeit verloren."
Timo Bernhard (Audi R18 TDI #1):
"Ich denke, dass wir ein schönes Rennen gezeigt
haben. Platz zwei ist gut - aber es war mehr drin. Die Performance
war gut für den Sieg, denn wir haben über weite
Strecken des Rennens um die Führung gekämpft.
Es hat nicht sollen sein. Wir haben mit einem Dreher von
mir im Verkehr Zeit verloren, Marcel (Fässer) hatte
eine Kollision, die eine Reglement-bedingte Reparatur nötig
machte. Schade, aber ich denke, wir können dennoch
zufrieden sein. Wir haben heute eine gute Show geboten.
Und vor allem hat das Team ganz toll zusammengestanden."
Tom Kristensen (Audi R18 TDI #2):
"Ein wirklich spannendes Rennen, in dem vier Autos
um jeden Zentimeter gekämpft haben. Vor allem die Anfangsphase
hatte es in sich und als der Peugeot mit der Nummer ‚8‘
in eine Kollision verwickelt wurde, sah es sehr gut aus
für uns. Leider hatte auch Allan (McNish) eine Berührung
und musste zum Wechsel der vorderen linken Aufhängung
an die Box. Die Mechaniker haben bei der Reparatur einen
großartigen Job gemacht. Danach lagen wir sechs Runden
hinten und es ging nur noch darum, ins Ziel zu kommen und
dem Audi-Schwesterauto nach Möglichkeit zu helfen.
Dass wir nicht ganz vorn dabei waren, tut mir vor allem
für unsere Crew leid. Aber man kann sicher sein: Wir
werden alles dafür tun, beim nächsten Rennen in
Road Atlanta um den ganz großen Topf mitzukämpfen."
Allan McNish (Audi R18 TDI #2): "Angesichts
der Performance an diesem Wochenende ist das Ergebnis etwas
frustrierend. Wir hatten ein gutes Auto im Qualifying und
ein sehr gutes Auto zu Beginn des Rennens. Ich hatte einen
fantastischen Kampf mit Sébastien Bourdais. Einmal
war ich etwas zu nah an der Boxenmauer, als ich ihn in Turn
1 hinein überholt habe. Trotzdem war es ein sauberer
und fairer Kampf, der leider zu früh endete, als ein
Ferrari eine sehr seltsame Linie gewählt hat und meine
linke Vorderradaufhängung beschädigt hat. Das
hat unser Rennen im Prinzip beendet - und seines auch, weil
er eine Ein-Minuten-Stop-and-Go-Strafe bekommen hat. Wir
haben sechs Runden verloren und mussten uns wieder nach
vorn kämpfen. Wir haben hier mehr über den R18
TDI für Petit Le Mans und China gelernt, sind aber
aus dem Kampf um den Sieg gerissen worden."
Ralf Jüttner (Technischer Direktor
Audi Sport Team Joest): "Das war wirklich schade! Wir
hatten heute die Pace. Es wäre bis zum Schluss ein
schöner Kampf geworden. Im Endeffekt hat genau das
gefehlt, was wir durch die Reparatur verloren haben. Berührungen
passieren im dichten Verkehr in einem so großen Feld
einfach. Die Regeln sind inzwischen so, dass man einen solchen
Schaden reparieren muss. Wir haben versucht, den Zeitverlust
zu minimieren. Das hat auch geklappt, indem wir gleichzeitig
den Fahrer- und Reifenwechsel durchgeführt haben. Aber
es hat trotzdem etwas mehr als eine Minute gedauert, und
das war einfach nicht mehr aufzuholen. Das andere Auto hat
eine tolle Aufholjagd auf den siebten Platz gezeigt. Auch
Allan (McNish) und Tom (Kristensen) waren sehr schnell unterwegs,
aber wenn man einmal sechs Runden verloren hat, ist das
Rennen leider gelaufen. Wenn man bei dieser starken Konkurrenz
gewinnen will, darf man sich einfach nichts erlauben. Trotzdem:
Vielen Dank an die
Mannschaft. Sie hat einen super Job gemacht. Die Boxenstopps
waren alle einen Tick schneller als die von Peugeot. Jetzt
schlagen wir in Atlanta zu!"
Ergebnis
1. Bourdais/Pagenaud (Peugeot) 190
Rd. in 6:00.13,255 Std.
2. Bernhard/Fässler (Audi R18 TDI) + 1.29,763 Min.
3. Nicolet/Prémat/Pla (Oak-Pescarolo-Judd) - 5 Rd.
4. Belicchi/Boullion (Lola-Toyota) - 5 Rd.
5. Lahaye/Moreau/Ragues (Oak-Pescarolo-Judd) - 5 Rd.
6. Collard/Tinseau/Jousse (Pescarolo-Judd) - 5 Rd.
7. Kristensen/McNish (Audi R18 TDI) - 6 Rd.
8. Montagny/Sarrazin (Peugeot) - 9 Rd.
9. Fernandez/Primat/Klien (Lola-Aston Martin) - 11 Rd.
10. Ojjeh/Lombard/Kimber-Smith (Zytek-Nissan) - 12 Rd.
Stand ILMC-LMP1-Herstellerwertung
nach 5 von 7 Läufen:
1. Peugeot 153 Punkte; 2. Audi, 108.
Stand ILMC-LMP1-Teamwertung nach
5 von 7 Läufen:
1. Peugeot Sport Total, 81 Punkte; 2. Audi Sport Team Joest,
74; 3. Team Oreca Matmut, 34; 4. Rebellion Racing, 33; 5.
Oak Racing, 16; 6. Aston Martin Racing, 4