Audi
R18 TDI beim Debüt auf Platz drei
- Capello/Kristensen/McNish erzielen Podiumsergebnis
in Spa
-
Plätze drei, vier und fünf beim ersten Renneinsatz des R18
TDI
- Starke Vorstellung in der Anfangsphase blieb unbelohnt
Das Audi
Sport Team Joest erlebte beim Renndebüt des neuen Audi R18
TDI in Spa-Francorchamps (Belgien) eine Achterbahnfahrt
der Gefühle: Nach einem perfekten Qualifying und einer tollen
Show in der Anfangsphase des Rennens belegten die drei Audi
R18 TDI die Plätze drei, vier und fünf.
Zu Beginn des Rennens sahen die 34.600 Zuschauer eine starke
Vorstellung des neuen LMP1-Sportwagens der AUDI AG. André
Lotterer übernahm am Start die Führung und verteidigte diese
bis kurz vor seinem ersten Boxen-stopp. Auch der von der
Pole-Position gestartete Timo Bernhard und Allan McNish
(trotz eines Drehers in der Startrunde) mischten in der
ersten Stunde an der Spitze mit und lieferten sich im dichten
Verkehr begeisternde Duell mit der Konkurrenz.
Doch kleinere Zwischenfälle, die in der Summe große Auswirkungen
hatten, warfen alle drei Audi R18 TDI zurück. Der anfangs
klar führende André Lotterer musste beim ersten Boxenstopp
zurückgeschoben werden und verlor so wertvolle Zeit. Sein
Teamkollege Benoît Tréluyer kam außerplanmäßig an die Box,
weil sich auf dem linken Vorderreifen ein ungewöhnlich großes
Stück Gummiabrieb gesammelt hatte. Kurz danach wiederholte
sich dieses Phäno-men, worauf der Franzose ins Kiesbett
rutschte und zwei Runden verlor. Marcel Fässler klagte anschließend
über ein anspruchsvoll zu fahrendes Auto - auch er hatte
mit Pickup zu kämpfen. Am Ende belegte der Audi R18 TDI
mit der Startnummer "2" den fünften Platz.
Auch der von der Pole-Position gestartete Timo Bernhard
hatte Pech: Im Kampf um die Spitze wurde er im schnellen
Streckenabschnitt "Blanchimont" am Heck von einem langsameren
Fahrzeug touchiert. Dabei wurden die Heckhaube und der Diffusor
beschädigt. Romain Dumas und Mike Rockenfel-ler hatten anschließend
mit einem unterschiedlichen Fahrverhalten in Links- und
Rechtskurven zu kämpfen. Auch die Startnummer "1" musste
kurz vor dem Ziel wie die beiden anderen Audi R18 TDI noch
einmal zum Nachtanken kurz an die Box kommen. Mit zwei Runden
Rückstand wurden Bernhard/ Dumas/Rockenfeller Vierte.
Das erste Podiumsergebnis für den neuen Audi R18 TDI erzielten
Dindo Ca-pello, Tom Kristensen und Allan McNish, die bei
der Le-Mans-Generalprobe in Spa wie im Vorjahr den dritten
Platz belegten. Doch auch die Besatzung der Startnummer
"3" wurde unter Wert geschlagen. Ein Dreher von Allan McNish
in der Startrunde blieb noch ohne Folge: Der Schotte kämpfte
sich von Platz 16 schnell wieder an die Spitze heran. Dindo
Capello aktivierte in seinem Stint versehentlich den Geschwindigkeits-Begrenzer
für die Boxengasse und verlor dadurch rund 20 Sekunden.
Nach einer Korrektur des Reifendrucks an der Vorderachse
war Tom Kristensen in der Schlussphase auf dem Vormarsch:
Der Le-Mans-Rekordsieger hatte schon den zweitplatzierten
Peugeot im Visier, als eine Stunde vor Rennende der linke
Hinterreifen plötzlich Luft verlor und ein außerplanmäßiger
Boxenstopp notwendig wurde. Mit einer Runde Rückstand wurden
Capello/Kristensen/McNish schließlich Dritte.
Stimmen nach dem Rennen Dr. Wolfgang Ullrich (Audi-Motorsportchef):
"Natürlich ist das Ergebnis des Rennens in Spa für uns enttäuschend,
denn der Audi R18 TDI ist bei seinem Debüt ganz klar unter
Wert geschlagen worden. Wir waren Peugeot im puren Speed
ebenbürtig, aber es gab einfach zu viele kleine Dinge, die
schiefgegangen sind - und zwar leider bei allen drei Fahrzeugen.
Das war schon etwas frustrierend. Wir nehmen als positive
Erkenntnis mit nach Hause, dass wir ein schnelles Auto haben,
das wir aber noch besser nutzen müssen. Wir haben heute
unter Rennbedingungen sehr viel gelernt. Diese Erkenntnisse
müssen wir nun bis Le Mans umsetzen."
Dindo Capello (Audi R18 TDI #3):
"Es war ein schwieriges Rennen für mich. In meinem ersten
Stint hatte ich mit dem Auto wirklich zu kämpfen. Die Vorderachse
hatte überhaupt keinen Biss. Ich hatte das Gefühl, viel
zu wenig Abtrieb oder jede Menge Pickup auf den Vorderreifen
zu haben. Komisch war, dass sich das Auto gegen Ende meines
zweiten Stints plötzlich wieder normal anfühlte. Das war
etwas verwirrend."
Tom Kristensen (Audi R18 TDI #3):
"Das war ein ereignisreiches Wochenende. Wir hatten im Rennen
anfangs ein paar Probleme. Aber das Auto wurde immer besser,
nachdem wir den Rei-fendruck angepasst haben. Ich war auf
dem Vormarsch, als ich leider einen schleichenden Plattfuß
bekam. In Turn 1 fiel der Druck plötzlich stark ab. Ich
musste mit diesem Handicap leider eine ganze Runde absolvieren,
habe aber das Auto heil an die Box gebracht. Das war nicht
einfach, aber (unser Ingenieur) Howden (Haynes) hat einen
tollen Job gemacht und mir immer den aktuellen Reifendruck
durchgegeben. Der schleichende Plattfuß hat trotzdem unser
Rennen zerstört, denn so mussten wir am Ende noch einen
zusätz-lichen Boxenstopp zum Nachtanken absolvieren. Dass
ich fast zeitgleich zum Plattfuß auch noch einen ‚Kuss’
von einem GT-Fahrzeug bekam, spielte da schon fast keine
Rolle mehr."
Allan McNish (Audi R18 TDI #3):
"Ein Podium ist immer ein gutes Ergebnis, auch mit Blickrichtung
Meister-schaft. Aber um ehrlich zu sein: Es ist etwas frustrierend,
dass wir nach den Startplätzen eins, zwei und drei durch
kleinere Probleme auf den dritten Platz zurückgeworfen wurden.
Denn der Audi R18 TDI war in seinem ersten Rennen auf Anhieb
konkurrenzfähig. Es war phasenweise ein sehr enger Kampf
zwischen uns und Peugeot. Leider ging er am Ende nicht zu
unseren Gunsten aus."
Timo Bernhard (Audi R18 TDI #1):
"Das war ein sehr hartes Rennen heute. Das Positive ist,
dass wir sehr viele Sachen mit Hinblick auf Le Mans mitnehmen,
denn das war ein Test unter Rennbedingungen. Unserem Auto
hat heute etwas das Rennglück gefehlt. Das war schade, denn
am Anfang konnte ich gut mitmischen. Ich lag die ganze Zeit
auf Platz zwei und drei, es hat eigentlich alles gepasst.
Doch dann hat mich leider ein LMP2-Auto am Heck berührt.
Dadurch war die Heckhaube defekt. Bei 55 Autos im Feld kann
so etwas passieren."
Romain Dumas (Audi R18 TDI #1):
"Das war ein ziemlich verrückter Tag. Wir waren das ganze
Wochenende stark. Das Qualifying lief großartig und wir
waren die ersten eineinhalb Stunden im Rennen sehr gut.
Der Kampf mit unserem Hauptrivalen war toll. Leider wurden
wir durch Kleinigkeiten zurückgeworfen, die am Ende den
Unterschied ausgemacht haben. Im letzten Jahr war es hier
ähnlich - und Le Mans dann umso besser."
Mike Rockenfeller (Audi R18 TDI #1):
"Wir haben uns vor dem Rennen einiges ausgerechnet. Timo
(Bernhard) hat am Anfang toll gekämpft. Bis zur Berührung
mit dem LMP sah alles gut aus. Die Heckhaube wurde gewechselt,
aber wir haben uns gegen den Wechsel des gesamten Heckteils
entschieden, obwohl mehr beschädigt war. Dadurch war das
Auto für Romain (Dumas) und mich sehr schwierig zu fahren.
Wir sind eigentlich nur rumgerollt. Ich habe dann versucht,
Diesel zu sparen, aber auch das hat nicht ganz gepasst.
Positiv ist, dass wir viel gelernt haben. Und wir waren
konkurrenzfähig. Wenn wir die Fehler für Le Mans ausmerzen,
sollte es für uns nicht so schlecht aussehen."
Marcel Fässler (Audi R18 TDI #2):
"Mein Auto war übersteuernd. Irgendwie hat sich die Balance
der Aerodyna-mik verschoben. Vor allem der zweite Stint
war schwierig. Ich hatte drei haarige Momente, einen in
Blanchimont, zweimal in Eau Rouge. Deshalb musste ich einsehen,
dass es nicht sinnvoll ist, weiter zu attackieren. Ich habe
zum Schluss das Tempo rausgenommen. Von hinten drohte keine
Gefahr. Nach vorne war auch nicht mehr zu machen. Für mich
war es einfach wichtig, das Auto nach Hause zu bringen."
André Lotterer (Audi R18 TDI #2): "Der Start war toll. Ich
lag gut in Führung. Etwas schwieriger wurde es, als die
Reifen schmieriger wurden. Dadurch kamen die anderen wieder
etwas näher ran. Der Kampf mit dem Peugeot war ganz nett.
Beim Boxenstopp haben wir etwas Zeit verloren, weil wir
das Auto zurückschieben musste. Anschließend konnte ich
wieder attackieren und auf den Peugeot etwas aufholen. Doch
‚Ben’ hatte später viel Pech mit ganz komischen Sachen.
Zweimal hatte er riesengroßen Pickup auf den Reifen. Wir
müssen noch viele Kleinigkeiten bis Le Mans regeln, um dort
gut gerüstet zu sein."
Benoît Tréluyer (Audi R18 TDI #2):
"Das Auto war richtig gut, ehe wir das Problem mit dem Pickup
bekommen haben. Ich musste außerplanmäßig an die Box, kurz
danach trat es noch einmal auf. Wahrscheinlich haben wir
das aufgesammelt, weil wir die GT-Autos neben der Ideallinie
überholen mussten. Ich weiß es nicht. Wir werden es herausfinden
und eine Lösung finden. Das Gute und Positive ist, dass
das Auto schnell ist. Ich konnte fast immer auf die Peugeot
aufholen, wenn es normal lief. Natürlich wäre es schön gewesen,
dieses Rennen zu gewinnen. Aber unser großes Ziel heißt
Le Mans - darauf müssen und werden wir uns weiter konzentrieren."
Ralf Jüttner (Technischer Direktor Audi Sport Team Joest):
"Wir hatten uns mehr von diesem Rennen versprochen, aber
es gab einige merkwürdige Probleme: Kontakte, Pickup auf
den Reifen und derartige Dinge. Mechanisch haben die Autos
gehalten. Wir haben heute eine lange Liste für Le Mans mitgenommen,
die wir abarbeiten werden. Das war ein Lauf zur Meisterschaft,
den wir gerne gewonnen hätten. Die Peugeot waren schnell
und hatten fast keine Probleme."
Ergebnis
1. Gené/Wurz/Davidson (Peugeot) 161 Rd. in 6:02.03,799
Std.
2. Montagny/Sarrazin/Minassian (Peugeot) + 42,965 Sek.
3. Capello/Kristensen/McNish (Audi R18 TDI) - 1 Rd.
4. Bernhard/Dumas/Rockenfeller (Audi R18 TDI) - 2Rd.
5. Fässler/Lotterer/Tréluyer (Audi R18 TDI) - 3 Rd.
6. Collard/Tinseau/Jousse (Pescarolo-Judd) - 5 Rd.
7. Jani/Prost (Lola-Toyota) - 5 Rd.
8. Lamy/Bourdais/Pagenaud (Peugeot) - 6 Rd.
9. Belicchi/Boullion (Lola-Toyota) - 6 Rd.
10. Lapierre/Duval/Panis (Peugeot) - 9 Rd.