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Michael Bräutigam unterhielt sich ausführlich mit Marc Hennerici über seine Karriere und seine Zukunft.


Marc Hennerici:
"Ich hoffe, nächstes Jahr schon in einem Werksauto fahren zu können."


Marc Hennerici ist in diesem Jahr der einzige deutsche Privatfahrer in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC). Wie im Vorjahr startet er auf einem BMW 320i. Marc Hennerici und das Team Wiechers Sport stehen jetzt kurz vor dem Gewinn der Independence Trophy, also der Wertung für nicht werks-unterstützte Fahrer. Vor den letzten beiden Läufen im chinesischen Macau, der erklärten Lieblingsstrecke von Marc Hennerici, führt der Mayener mit 15 Punkten Vorsprung auf Giuseppe Cirò und sogar 17 Punkten auf Tom Coronel.


Marc Hennerici wurde als Sohn einer brasilianischen Mutter und eines deut-schen Vaters am 10. Mai 1982 geboren. Schon bald könnte er mit dem Gewinn der Tourenwagen-Weltmeisterschaft zu den Größen des internatio-nalen Motorsports zählen. Schon früh lehrte Marc Hennerici die Konkurrenz das Fürchten. Bei seinem ersten Kartslalom im Alter von sechs Jahren hatten alle seine Konkurrenten das Nachsehen. Wenige Jahre danach folgte der Gewinn der Clubmeisterschaft im Kartclub Kerpen, wo der in Mayen geborene Hennerici von keinem geringeren als Michael Schumacher geehrt wurde.

Nach drei Jahren in der Formel BMW und einem "Ruhejahr" wechselte der Enkelsohn des legendären Heinz Hennerici in den Alfa 147 JTD Cup und wurde in seiner Debüt-Saison 2003 gleich Meister. In der Saison 2004 ging es zusammen mit mo-we-ko Motorsport Management (Motorsport-Wegeler-Koch) und dem Team Wiechers Sport in die Division 1 der DMSB Produk-tionswagen-Meisterschaft, wo Marc Hennerici lange sogar Meisterschafts-chancen hatte und schlussendlich Vierter wurde.

Die Management-Firma mo-we-ko wurde im Jahr 2002 ins Leben gerufen, um dem Motorsportnachwuchs finanziell und ideell zur Seite zu stehen. Mit dem Studenten der Volkswirtschaftslehre (VWL), Marc Hennerici, hat mo-we-ko Motorsport Management zurzeit einen Fahrer, auf den sich alle verfügbaren Kräfte konzentrieren, um ihm die bestmöglichen Zukunftschancen zu geben. Der hauptberufliche Anwalt Dr. Klaus-Hugo Koch, Mitbegründer von mo-we-ko, fungiert dabei als Manager von Marc Hennerici.

Vor dem WTCC-Finale am 20. November, wo es doppelte Punkte zu holen gibt, hatte Michael Bräutigam die Gelegenheit, im Rahmen eines Laufes zur BF Goodrich Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring (DMV Münster-landpokal am 22. Oktober 2005) ein Interview mit diesem großen deutschen Rennfahrertalent zu führen.


Michael Bräutigam (MB): Mit sechs Jahren hast du deinen ersten Sieg geholt. Erinnerst du dich noch daran?
Marc Hennerici (MH): An den ersten nicht, nee, das ist zu lange her. Ich kann mich an das Jahr erinnern, wo ich gefahren bin, was ich gefahren bin, aber an den ersten Sieg kann ich mich nicht mehr erinnern!

MB: Was war der erste große, bewusste Sieg?
MH: Der erste große Sieg war im Grunde genommen der Gewinn der Clubmeisterschaft in Kerpen, mit anschließender Ehrung durch Michael Schumacher und so weiter. Das war im Grunde genommen der erste größere Erfolg.

MB: Du warst praktisch durch den Namen Hennerici schon vorbelastet, dein Vater war ja eine Legende hier am Nürburgring…
MH: Nein, das war mein Großvater, der Heinz Hennerici. Er war deswegen bekannt hier oben, weil er nur einen Arm hatte und trotzdem relativ zügig unterwegs war und, ja, diese Verbundenheit zum Motorsport von meiner Familie aus war auch einer der Gründe aber nicht der maßgebliche Grund, warum ich damals angefangen hab' mit Kartsport.

MB: Was sind die langfristigen Ziele, z.B. fürs nächste Jahr? Du hast jetzt die Weltmeisterschaft vor Augen.
MH: Ziel ist es ganz klar, in der WM zu bleiben, natürlich muss es auch Ziel sein, in ein Werksteam reinzukommen. Ob das für 2006 oder 2007 klappt, steht noch offen. Wir führen zurzeit Ge-spräche und hoffen, nächstes Jahr schon in einem Werksauto fahren zu können, wobei wir da nicht an BMW gebunden sind. Bei BMW wird es auch sehr schwierig werden, durch die ganze Formel 1-Geschichte.


MB: Damit ist die nächste Frage eigentlich schon beantwortet: Wirst du BMW je noch mal untreu werden?
MH: Also grundsätzlich ist BMW die Marke, die ich seit jeher bevorzuge, von der ich schon zu alten DTM-Zeiten Fan war und grundsätzlich ist BMW für mich schon Nummer eins. Allerdings kann man sich das im Motorsport leider nicht immer aussuchen, wo man fährt und natürlich ist es irgendwo ein Traum, irgendwann BMW-Werksfahrer zu werden. Ob das nächstes Jahr oder darauf das Jahr klappt, bleibt noch offen, deswegen darf man da auch keine Hemmungen haben und bei einem anderen Werk fahren. Ganz klar würde ich am liebsten bei BMW weitermachen.

MB: Aber schon weiter im Tourenwagen-Sport!? Oder kommt irgendwann mal Formel oder Sportwagen…?
MH: Im Grunde genommen habe ich keine Ambitionen. Ich bin ja Formel ge-fahren, drei Jahre, und viele wollen mir das nicht richtig abnehmen, aber mir macht der Tourenwagen-Sport mehr Spaß als ein Formel-Auto. Mir liegt das mehr und man kann mehr kämpfen. Natürlich ist ein Formel-Fahrzeug zu fahren sehr interessant, allerdings finde ich die Rennen uninteressant.

MB: Noch eine abschließende persönliche Frage… Marc W. Hennerici: Was bedeutet das "W"?
MH: Das steht für Wolfgang. Ja… diese dumme Sitte mit den Paten und Patennamen. Aber gut, es ist Teil von meinem Namen und da steh' ich auch zu. MB: Damit wäre der offizielle Teil des Interviews dann beendet.
MH: Gut, Dankeschön!
MB: Ich danke auch!

Nach diesem Interview verriet der 23jährige, der gerne auch auf der Play-station 2 in dem Spiel Gran Turismo 4 seine fahrerischen Fähigkeiten unter Beweis stellt, dass er beim VLN-Saisonfinale am 5. November neben der bereits feststehenden VLN-Meisterin Claudia Hürtgen in einem BMW 320i des Teams Schubert Motorsport an den Start geht.

Michael Bräutigam, 31.10.05
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