Wrede-Rallye
2005
Mehr Starter, mehr Wertungsprüfungen, mehr Sonnenschein; diese drei
Komponenten zusätzlich zu der bisher schon sehr guten Rallye ließ
auch die 3. Fürst von Wrede Rallye des MSC Jura wieder zu einem
Top-Motorsport-ereignis des Deutschen NAVC werden. Mit 28 Teams,
darunter zwei Vorausfahrzeuge, hatte man gegenüber den beiden ersten
Veranstaltungen einen Starterzuwachs von über 60%. So langsam spricht
es sich in Rallye-kreisen doch herum, dass man beim MSC Jura einen
durchwegs attraktiven Rallyetag für sein Startgeld geboten bekommt.
Die bisher ange-botenen sechs Wertungsprüfungen wurden um eine siebte
erweitert, so dass der Wertungsprüfungsanteil nun bei 30,3 Km liegt.
In Relation zur Gesamt-strecke von 113,3 Km beträgt der Anteil der
Bestzeitprüfungen stolze 25 %.
Ab 7.30 Uhr konnten die Teilnehmer auf die Besichtigungsrunde, zu
der sie vier Stunden Zeit hatten, gehen. Um 12.01 Uhr dann der Vorstart
im Rallye-zentrum in Stopfenheim. Der eigentliche Start fand knapp
10 Minuten später wieder vor der schönen Kulisse des Ellinger Schlosses
mit Rampenstart und Fahrervorstellung statt. Schon 9 Minuten später
war der Start zur ersten WP von Höttingen nach Kaltenbuch, die als
WP I und WP II mit jeweils 5,3 Km doppelt gefahren wurde. Um die
Geschwindigkeit auf einer langen Asphalt-geraden etwas zu reduzieren,
hatte der Veranstalter eine enge Brems-schikane mit drei massiven
Strohballen aufgebaut. Einige Teilnehmer schlos-sen diese Schikane
derart ins Herz, dass sie sogar direkten Kontakt mit ihr gesucht
haben. Stroh ist zwar ein weiches Material, aber in gepresster Form
hält es auch dem Ansturm eines Rallyeautos stand.
Bereits auf diesen beiden ersten Prüfungen zeigte das Team Stefan
Stannitz mit Beifahrer Martin Mendl aus Fürth, bzw. Pleinfeld auf
dem wunderschönen und auch bärenstarken Porsche 964 RS wo's langgeht.
Als einziges Team meisterten sie die beiden Prüfungen jeweils unter
der 3-Minutengrenze. Nur knapp dahinter das Team Peter Muschler
und Fritz Oliver auf dem schnellen VW Golf. Rainer Thiel/Olaf Fischer
hatten einen kapitalen Motorschaden auf WP3.
Nach einer halben Stunden Servicepause wurde die gleiche WP nochmals,
aber in umgekehrter Richtung gefahren. Während man in den ersten
beiden Prüfungen den Berg zum Ziel hinauffuhr, erfolgte der Start
jetzt bergab. Auch auf der Anfahrt zur Bremsschikane hatte man diesmal
wesentlich mehr Geschwindigkeit. Das Team Fiedler / Ertl vom MSC
Mamming legte den Bremspunkt etwas sehr spät, und nach dem Kontakt
mit den Strohballen zeigten sich am Manta 400 doch stärkere Kaltverformungen.
In den 60 Minuten Servicepause im Rallyezentrum Stopfenheim wurde
der Manta 400 mit allen erdenklichen Mitteln provisorisch wieder
gerade gebogen, und am Ende sprang sogar noch ein zweiter Platz
in der Klasse heraus.
Die nächste Prüfung wurde als WP IV und WP V wieder doppelt gefahren.
Kurz nach Start, nordöstlich der Ortschaft Massenbach, befand sich
auch der bekannte Zuschauerpunkt, von dem man ca 1/3 des gesamten,
3,6 Km langen, Prüfung einsehen konnte. Auch auf diesem beiden Prüfungen
hießen die Sieger Stannitz / Mendl, die mit zwei identischen Zeiten
von 2:22 Minuten ihren Vorsprung ausbauten. Die zweitschnellste
Zeit in WP IV fuhr Wilhelm Frank mit dem Gruppe 2 (verbesserte Fahrzeuge
nach NAVC Reglement) Opel Kadett C Coupe und Tochter Susanne auf
dem Beifahrersitz.
In WP V waren es Muschler / Fritz , sowie Sascha und Nicole Drumm,
beide Teams auf VW Golf, die mit 2:25 Minuten dem Porsche folgten.
Nicht mehr mit dabei waren zu diesem Zeitpunkt Rainer Thiel und
Olaf Fischer die kurz vor dem Ziel der WP III einen Motorschaden
an ihrem Fiat Panda hinnehmen mussten.
Auch in der letzten Servicepause vor den beiden Schlussprüfungen
lagen Stannitz / Mendel auf Porsche und Muschler / Fritz mit dem
185 PS starken Golf auf den Plätzen 1 und 2 im Gesamtklassement.
Auf den dritten Platz schob sich durch die guten Zeiten in den letzten
beiden WP's Wilhelm Frank mit Tochter Susanne. Nur zwei Sekunden
dahinter Hohlheimer / Zuckermeier mit dem italienischen Rennfloh
(stolze 130 PS aus 1148 ccm).
Die letztjährigen Gesamtsieger Johannes Enderlein und Karl Koller
auf dem Kadett C Coupe dominierten zwar in der Gruppe der Serienfahrzeuge
(Gruppe 1 nach NAVC Reglement), konnten aber in der Gesamtwertung
mit den PS-stärkeren Fahrzeugen nicht ganz mithalten und lagen zu
diesem Zeitpunkt auf Platz 9 im Gesamt.
Auf der letzten Schleife wurden die WP's IV und V als WP VI und
VII in ent-gegengesetzter Richtung gefahren. In WP VI ließen Andreas
Fiedler und Michael Ertl den etwas deformierten Manta 400 noch einmal
richtig fliegen und fuhren mit 2:23 Minuten Bestzeit. In der allerletzten
Prüfung packte alle Teilnehmer noch einmal richtig das Rallyefieber.
Die schnellsten 10 Teams lagen innerhalb von nur 6 Sekunden. Für
die große Überraschung sorgte das Team Rzika / Hasenfuß mit ihrem
B Manta. Während der gesamten Rallye lief es, auch bedingt durch
technische Probleme, nicht so toll. Aber auf der letzten Prüfung
zeigten sie Ihr Können und setzten mit 2:22 Minuten die Bestmarke.
Auf den ersten drei Plätzen im Gesamtklassement gab es gegenüber
der letzten Servicepause keine Veränderungen mehr. Lediglich Sascha
und Nicole Drummer aus Rathsweiler konnten in der letzten Prüfung
das Team Hohlheimer / Zuckermeier vom 4. auf den 5. Platz verdrängen.
Aber auch dieser 5. Platz war für die Beiden mit dem kleinen Fiat
Seicento, die ihre Klasse mit großem Vorsprung gewannen, eine tolle
Gesamtplazierung. Zu bemerken wäre sicher noch der 12. Gesamtplatz
von Jo Schädel mit Beifahrer Chris Melzl, die ihren VW Golf Diesel
(140 PS) mit reinem Pflanzenöl befeuern, und damit bewiesen, dass
man auch mit umweltver-träglichen Energien konkurrenzfähig Motorsport
betreiben kann.
Gegen 20.00 Uhr dann die Siegerehrung mit den vom MSC Jura gewohnt
großen und sehr schönen Pokalen. Leider konnte Fürst von Wrede heuer
bei der Siegerehrung nicht persönlich anwesend sein, aber die von
ihm gestifteten Pokale für Gruppen- und Gesamtsieger hinterließen
einen wahr-haft fürstlichen Eindruck. Alle Teilnehmer waren voll
des Lobes über die wirklich wieder gelungene Veranstaltung, und
die Organisatoren des MSC Jura stellten für das kommende Jahr bei
einem Zuwachs des Starterfeldes auch wieder neue Prüfungen in Aussicht.
Sollten die diesjährigen Teilnehmer auch ein bisschen positive Mundpropaganda
in Rallyekreisen betreiben, so können sich alle Beteiligten auf
eine 4. Fürst von Wrede Rallye 2006 freuen, die mit den Jahren sicherlich
zu einer Top Rallyeveranstaltung heranwachsen wird.
Text: NAVC |