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Rallye-Klassiker ohne Mythos
Waren das noch Zeiten, schwärmen heute noch viele, wenn sie an die
be-rühmte Rallye Monte Carlo denken. Über dem Rallye-Klassiker schwebte
über Jahrzehnte ein Mythos wie bei keiner anderen Rallye der Welt.
Doch im 71. Austragungsjahr sind nur noch die Erinnerungen an Glanzzeiten
geblieben. Die "Mutter der Rallyes" hat ihren Mythos verloren. Die
"Königin der Rallyes" wurde in das enge Korsett des WM-Reglements
gepresst, ob sie wollte oder nicht. Andernfalls hätte sie wohl ihr
offizielles WM-Prädikat verloren, sie stand auch mehrmals kurz davor.
Heute ist sie ein ganz normaler WM-Lauf von 14. Sie machte nolens
volens ihren Diener vor der Motorsport-Obrigkeit.
Für den zweifachen Rallye-Weltmeister Walter Röhrl (Regensburg)
war sie die Größte. Er darf das sagen. Schließlich hat er viermal
den legendären Saison-auftakt gewonnen (1980, 1982, 1983, 1984),
und dies auf vier verschieden Fahrzeugen. Er gilt heute noch als
der ungekrönte Rallye-König von Monte Carlo. Wie hoch er diese Erfolge
einschätzte, sagte Röhrl jedes Mal nach seinem Sieg: "Die Monte
zu gewinnen, bedeutet mir mehr als die Welt-meisterschaft." Und
das will was heißen. Ob das heute noch so sagen würde, mag wohl
keiner so recht glauben. Sein Sieg von 1984 ist auch der letzte
deutsche Monte-Triumph. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.
Fast alle alten Zöpfe, die in mehr als 60 Jahren wuchsen, sind ab.
Keine Stern-fahrt mehr aus anderen europäischen Städten wie jahrzehntelang
aus Bad Homburg nach Monte Carlo. Die berühmt-berüchtigte "Nacht
der langen Messer" mit den Schlachten am Col de Turini gehört schon
seit Jahren der Vergangenheit an. Das Feld der zahlreichen Privatfahrer,
die sich immer glücklich schätzten, wenn sie zu den 100 startberechtigten
Teams für die Finaletappe gehörten, gibt es auch nicht mehr. Zur
71. Auflage treten gerade einmal 56 Teams an, früher waren es fast
200.
Geblieben, wenn auch etwas verblasst, ist das Flair des noblen Fürstentums
an der Côte d'Azur. Es ist für viele immer noch ein erhebendes Gefühl,
vor dem berühmten Casino starten zu dürfen. Geblieben ist auch der
Col de Turini, der erneut zweimal auf der Finaletappe am Sonntag
überquert wird, doch, und da kommt bei vielen Wehmut auf, leider
nicht mehr nachts, sondern am Tag. Geblieben ist auch, dass sie
traditionell die Saison eröffnet. Und geblieben ist die Erinnerung
an glorreichen Zeiten.
Es gibt noch viele Fahrer, die diese wieder aufleben lassen möchte.
Unter ihnen auch Armin Schwarz (Oberreichenbach), der gerne die
Rallye in seiner Wahl-heimat Monaco im alten Format bestreiten möchte.
"Jede Rallye in der Weltmeisterschaft sollte ihre eigenen Charakter
haben. Und der war bei der Rallye Monte Carlo besonders stark ausgeprägt.
Dazu gehörte auch die "Nacht der langen Messer". Sie gab dieser
Rallye die Würze", erklärte der heutige Hyundai-Pilot. Doch die
Ohren der Obersten der internationalen Autosporthoheit (FIA) sind
für solche Wünsche geschlossen.
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