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Rallye-Weltmeisterschaft 2003 * 1. von 14 Läufen
71. Rallye Monte Carlo
23. bis 26. Januar 2003
Länge: 1.380,33 km *14 WP's = 415,02 km

Rallye-Klassiker ohne Mythos

Waren das noch Zeiten, schwärmen heute noch viele, wenn sie an die be-rühmte Rallye Monte Carlo denken. Über dem Rallye-Klassiker schwebte über Jahrzehnte ein Mythos wie bei keiner anderen Rallye der Welt. Doch im 71. Austragungsjahr sind nur noch die Erinnerungen an Glanzzeiten geblieben. Die "Mutter der Rallyes" hat ihren Mythos verloren. Die "Königin der Rallyes" wurde in das enge Korsett des WM-Reglements gepresst, ob sie wollte oder nicht. Andernfalls hätte sie wohl ihr offizielles WM-Prädikat verloren, sie stand auch mehrmals kurz davor. Heute ist sie ein ganz normaler WM-Lauf von 14. Sie machte nolens volens ihren Diener vor der Motorsport-Obrigkeit.

Für den zweifachen Rallye-Weltmeister Walter Röhrl (Regensburg) war sie die Größte. Er darf das sagen. Schließlich hat er viermal den legendären Saison-auftakt gewonnen (1980, 1982, 1983, 1984), und dies auf vier verschieden Fahrzeugen. Er gilt heute noch als der ungekrönte Rallye-König von Monte Carlo. Wie hoch er diese Erfolge einschätzte, sagte Röhrl jedes Mal nach seinem Sieg: "Die Monte zu gewinnen, bedeutet mir mehr als die Welt-meisterschaft." Und das will was heißen. Ob das heute noch so sagen würde, mag wohl keiner so recht glauben. Sein Sieg von 1984 ist auch der letzte deutsche Monte-Triumph. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

Fast alle alten Zöpfe, die in mehr als 60 Jahren wuchsen, sind ab. Keine Stern-fahrt mehr aus anderen europäischen Städten wie jahrzehntelang aus Bad Homburg nach Monte Carlo. Die berühmt-berüchtigte "Nacht der langen Messer" mit den Schlachten am Col de Turini gehört schon seit Jahren der Vergangenheit an. Das Feld der zahlreichen Privatfahrer, die sich immer glücklich schätzten, wenn sie zu den 100 startberechtigten Teams für die Finaletappe gehörten, gibt es auch nicht mehr. Zur 71. Auflage treten gerade einmal 56 Teams an, früher waren es fast 200.

Geblieben, wenn auch etwas verblasst, ist das Flair des noblen Fürstentums an der Côte d'Azur. Es ist für viele immer noch ein erhebendes Gefühl, vor dem berühmten Casino starten zu dürfen. Geblieben ist auch der Col de Turini, der erneut zweimal auf der Finaletappe am Sonntag überquert wird, doch, und da kommt bei vielen Wehmut auf, leider nicht mehr nachts, sondern am Tag. Geblieben ist auch, dass sie traditionell die Saison eröffnet. Und geblieben ist die Erinnerung an glorreichen Zeiten.

Es gibt noch viele Fahrer, die diese wieder aufleben lassen möchte. Unter ihnen auch Armin Schwarz (Oberreichenbach), der gerne die Rallye in seiner Wahl-heimat Monaco im alten Format bestreiten möchte. "Jede Rallye in der Weltmeisterschaft sollte ihre eigenen Charakter haben. Und der war bei der Rallye Monte Carlo besonders stark ausgeprägt. Dazu gehörte auch die "Nacht der langen Messer". Sie gab dieser Rallye die Würze", erklärte der heutige Hyundai-Pilot. Doch die Ohren der Obersten der internationalen Autosporthoheit (FIA) sind für solche Wünsche geschlossen.
 
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