Beim vorletzten
Lauf zur FIA GT-Meisterschaft, ausgetragen auf dem Adria
Raceway, waren mehr denn je die Qualitäten eines Langstreckenfahrers
gefragt. Denn die winklige Piste 50 Kilometer südlich von
Venedig belohnte vor allem jene Sportwagen-Akteure, die
mit dem Material am schonendsten umgingen. Bremsen und Reifen
standen auf des Messers Schneide. Die schnellste Kurve ging
gerade mal im zweiten Gang, mit 105 km/h.
Jarek Janis ging im Zakspeed-Saleen von der Pole aus in
Führung. Doch schon in der ersten Stunde musste eine Safety-Car-Phase
ausgerufen werden, nachdem ein Reifenstapel einer Schikane
auf die Bahn geschleppt wurde. Die Spitze blieb geschlossen
draußen - nur Mike Hezemans in der Corvette, Karl Wendlinger
und Fabio Babini kamen zum ersten Tankstopp rein. Das bereinigte
Bild nach den ersten Stopps der Gegner unter Grün zeigte,
dass die Taktik, die Neutralisierung zum Stopp zu nutzen,
goldrichtig war: Zwar hatte die Corvette nach einem Problem
bald wieder die Boxen aufsuchen müssen.
Doch Wendlinger-Co Phillip Peter führte mit 33 Sekunden
Vorsprung vor Janis´ Partner Sascha Bert - dessen Saleen
vor dem Gelb-Stopp 21 Sekun-den vor dem Race Alliance-Aston
Martin gelegen hatte. Die Österreicher waren mit Siebenmeilenstiefeln
auf dem Weg zum Sieg. Doch mit Peter am Steuer ereilte den
Aston ein Bruch der Getriebe-Eingangswelle - ein Teil von
X-trac, welches schon bei so manchem Aston Martin den Dienst
verweigert hatte. Nicht nur Race Alliance wurde von der
Technik im Stich gelassen. Auch bei Phoenix musste man sich
endgültig von allen Meisterschafts-Träumen verabschieden.
Andrea Piccini/Jean-Denis Delétraz hätten fett vor Michael
Bartels/Andrea Bertolini einlaufen müssen, um die Vitaphone-Mannschaft
in Dubai noch vom Titelgewinn abhalten zu können. Doch Piccini
wurde in der ersten Renn-stunde von Fabio Babini im BMS-Aston
Martin über den Haufen gefahren - und fiel später mit völlig
aufgezehrten hinteren Bremsscheiben aus. Diese erreichten
auf der winkligen Strecke Temperaturen von über 1000 Grad
und entsprechend dramatische Verschleissraten. Allerdings
fuhr Phoenix auch das Standard-Brembo-Paket, während z.B.
Race Alliance mit der Brembo-Langstrecken-Variante ausgerückt
war.
Deren Beläge wiesen eine andere Kohlefasermischung mit besserer
Hitzever-träglichkeit auf, dafür aber auch ein im ersten
Moment des Drauftretens wärmebedingt leicht verzögertes
Ansprechverhalten. Phoenix war nicht das einzige Team mit
Bremsproblemen: Bert hielt den Zak-Saleen in Führung - doch
Andrea Montermini musste 20 Minuten vor Schluss mit völlig
zu Staub zerfallener Bremsscheibe vorne rechts aufgeben.
Damit war Bartels/Bertolini der Titel nicht mehr zu nehmen.
Die deutsch-italienische Besatzung wurde hinter ihren Teamkollegen
Jamie Davies/Thomas Biagi nur Zweite, weil Davies in der
zweiten Stunde klar Stärkster im Ring war.
Doch der zweite Rang reichte zum Titel. Da man bei Vitaphone
vom Testen her wusste, dass es mit Bremsen und Reifen kritisch
werden würde, ging man mit dem Material auf die konservative
Seite. So gehörten die beiden Maserati zwar nicht zu den
schnellsten, aber zu den konstantesten. Was ihnen letztendlich
den vorzeitigen Meisterschaftstitel in der FIA GT-Meisterschaft
sicherte.
In der GT2-Klasse siegten Tim Mullen/Marino Franchitti im
Scuderia Ecosse-Ferrari F430 vor Mika Salo/Rui Aguas im
AF Corse-F430. Die Tabelle führen weiterhin Matteo Bobbi/Jamie
Melo mit sieben Punkten Vorsprung vor Salo/Aguas an. Eine
Entscheidung über den Titel in der GT2 fällt also erst beim
Finale in Dubai.
Daniel Stoffel