Nach
jahrelanger Beschränkung auf nationale Veranstaltungen ist
das Nieder-zissener Zakspeed-Team in dieser Saison wieder
auf die internationale Bühne zurückgekehrt. Als Spielfeld
haben sich die Eifelaner die FIA GT-Meister-schaft ausgesucht.
Und bereits beim ersten Rennen in Silverstone ließ die Truppe
rund um den neuen Teammanager Andreas Leberle aufhorchen.
Nach starker Fahrt belegten Sascha Bert und Jarek Janis
den zweiten Platz.
Wäre Janis nicht in der Endphase des Rennens noch von der
Strecke ge-rutscht, hätte es vielleicht sogar zum Sieg gereicht.
Diesen holten Bert/Janis beim zweiten Saisonlauf im tschechischen
Brünn nach. Die Grundlage hierfür legten sie bereits im
Qualifying. Mit fast einer halben Sekunde Vorsprung knallte
Lokalmatador Janis den Saleen S7-R auf die Pole-Position.
Dahinter platzierte sich der Vitaphone-Maserati MC12 von
Jamie Davies/Thomas Biagi und der Phoenix-Aston Martin DBR9
von Andrea Piccini/Jean Denis Deletraz.
Nach dem Start ging zunächst Andrea Piccini in Front, gefolgt
von Jarek Janis. Thomas Biagi im Vitaphone-Maserati konnte
den Speed der Führenden nicht mitgehen und hielt eine ganze
Schlange von Autos hinter sich auf. Schließlich drehte sich
der Italiener auch noch ins Kiesbett und verlor eine Runde
auf die Führenden. Danach war für ihn und Teamkollege Jamie
Davies nicht mehr drin als ein enttäuschender sechster Rang.
An der Spitze setzte sich derweil Jarek Janis gegen Andrea
Piccini durch und ging am Italiener vorbei in Führung. Danach
ward der Saleen nicht mehr gese-hen. Runde um Runde baute
der junge Tscheche den Vorsprung auf seine Verfolger aus.
Das Geheimnis dieses fulminanten Spurts waren die Reifen
am Saleen S7-R. Genauer gesagt: Ein Reifen. Vorne links
hatten die Niederzis-sener einen Joker-Reifen montiert,
also den einen frischen Pneu im Satz der Qualifikationsreifen,
der per Reglement zugelassen ist.
Durch diesen Schachzug war die Zakspeed-Mannschaft ihren
Gegnern über-legen. Piccini/Deletraz sahen das schnell ein
und beschränkten sich darauf, den zweiten Platz sicher nach
Hause zu fahren, was sie letztendlich auch taten. Fabio
Babini und Fabrizio Gollin komplettierten das Podium und
holten wie schon in Silverstone Rang drei. Knapp am Podium
vorbei schossen die Auftaktsieger Michael Bartels und Andrea
Bertolini im zweiten Vitaphone-Maserati MC12 auf Rang vier.
Durch den Erfolgs-Ballast aus Silverstone (40 Kilo) und
die 25 Extra Kilo, die der MC12 mit sich herumschleppen
muss, war die deutsch-italienische Be-satzung in Brünn machtlos.
Zu allem Übel rumpelte Bertolini in der ersten Stunde auch
noch durch den Kies und verlor weitere wertvolle Zeit. Komplett
generalüberholt zeigte sich in Brünn das neue Lamborghini
Team von Norbert Walchhofer.
Der Österreicher hat mit Hans Reiter zusammengespannt, der
eigentlich in dieser Saison bei einzelnen Veranstaltungen
mit einem eigenen Auto an den Start gehen wollte. Doch nach
reiflicher Überlegung kam Reiter zu dem Ent-schluss, sich
doch lieber auf seine Kunden zu konzentrieren. Deswegen
fuhr in Brünn neben Christophe Bouchut auch nicht der junge
Schweizer Benjamin Leuenberger, sondern Peter Kox (der bei
Reiter als Fahrer bereits fix war). Mehr als Rang sieben
sprang beim Debüt des neu formierten Teams jedoch nicht
raus.
Sieg in letzter Sekunde
Auch in der GT2 Klasse war wieder reichlich Action angesagt.
Zunächst führte Jaime Melo im AF Corse Ferrari F430. Doch
nach dem ersten Rou-tinestopp bekam Melo-Co Matteo Bobbi
eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt, weil mehr als die erlaubten
vier Mechaniker am Auto gearbeitet hatten. Nathan Kinch/Andrew
Kirkaldy im JMB-Ferrai F430 übernahmen die Führung vor ihren
Teamkollegen Tim Sugden/Iradj Alexander-David.
Diese hatten ihre komplette Renntaktik umgeschmissen, weil
Tim Sugden bereits kurz nach dem Start zu einem Reifenwechsel
kommen musste. Zehn Minuten vor Schluss platzte Kirkaldy
dann der rechte Kühler - Sugden/ Alexander-David erbten
den bereits nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg vor Emanuel
Collard/Luca Riccitelli im Porsche 996 GT3 RSR. Auf Rang
drei landeten trotz der Durchfahrtsstrafe Jamie Melo/Matteo
Bobbi, die damit die Tabellenführung verteidigt haben.
Daniel Stoffel