Alle Augen
waren in Dubai auf ihn gerichtet. Das Larbre-Team setzte
für den letztjährigen Meister Gabriele Gardel einen Ferrari
550 mit revolutionärem Motorenkonzept ein, für das es kein
Reglement gibt. Ein Serienmotor ohne Luftmengenbegrenzer,
mit elektronischer Abriegelung. Im niedrigen Drehzahl-bereich
gibt dieser zwar weniger Leistung ab, weil die Leistungskurve
ganz anders verläuft. Im oberen Drehzahlbereich leistet
der Elektroniker aber 120 PS mehr als die zwangsbeatmeten
Modelle der Konkurrenz.
So stellte Frédéric Makowiecki den 550 dann auch mit einer
Leichtigkeit auf die Pole, als wäre er auf einer Kaffeefahrt
durch die Eifel unterwegs. Doch der neue Treibsatz wurde
schnell zum Politikum. Makowieckis Pole-Zeit führte zu einer
Petition der Teams, den 550 nach hinten zu verbannen. Tenor:
Larbre habe die Elektronik großzügig aufgedreht, um Werbung
zu machen. Das GT-Büro schritt ein. Startfahrer Gardel wurde
nach der Einführungsrunde von seinem Team an die Boxen beordert.
Es war die elegante Methode, den fremden Fisch aus dem eigenen
Teich zu fangen.
Gardel musste zweimal wegen Elektronikproblemen anhalten,
verlor drei Runden und damit alle Chancen auf den Sieg.
Andrea Piccini startete wegen einer gebrochenen Kardanwelle
im Zeittraining nur von Position acht und kollidierte in
der Startphase mit Philipp Peter. Der Österreicher wurde
später noch von Fabrizio Gollin abgedrängt und zog sich
dabei einen Reifenschaden zu. Trotzdem brachten Karl Wendlinger
und der nach Streitereien von Zak-speed zu Race Alliance
übergelaufene Jarek Janis den Aston Martin auf Platz fünf
ins Ziel.
Auch der anfangs vorn fahrende Bert Longin beklagte nach
einer Kollision einen Reifenschaden. Die Corvette-Mannschaft
musste den ersten Stopp vorziehen und fiel aus dem Ein-Stunden-Fenster.
Piccini arbeitete sich an die Spitze nach vorn, gefolgt
von Jamie Davies und Michael Bartels in den beiden Vitaphone-Maserati.
Dann platzte am Zakspeed-Saleen ein Reifen, der die Karosserie
schredderte - das Safety-Car musste ausrücken. Bartels geriet
später mit dem Felbermayr-Proton-Porsche aneinander; der
Wechsel der linken Hinterradaufhängung kostete acht Minuten.
Damit beschränkte sich der Kampf um die Spitze auf Piccini/Jean-Denis
Delétraz, Longin/Mike Hezemans/Anthony Kumpen und Davies/Thomas
Biagi/Vincent Vosse. Phoenix holte den Aston im Verkehr
zweimal etwas früher an die Box, um den schlimmsten Staus
zu entgehen. Damit legten sie den Grundstein für dien Sieg
von Piccini/Delétraz, der ihnen auch gleichzeitig die Vizemeisterschaft
brachte. Die GLPK-Corvette musste wegen ihres frühen ersten
Stopps zehn Minuten vor Schluss noch einen "Splash & Dash"
einlegen, rettete aber dennoch Platz zwei vor Davies/Biagi/Vosse
ins Ziel.
GT2-Klasse: Melo Meister, Spyker überrascht
In der GT2-Klasse ersetzte Mike Rockenfeller bei Ebimotors
den Vater werdenden Luca Riccitelli. Der Porsche-Motor ging
freitags hoch, man startete von ganz hinten, fuhr sich bis
ganz nach vorne - bis die Servolenkung den Betrieb einstellte
und es daher nur zum sechsten Rang reichte. Nach-dem Matteo
Bobbi/Jaime Melo beim letzten Rennen den Team-Titel sicher-gestellt
hatten, schmiss AF Corse Bobbi raus. Der Italiener war zu
oft mit Teamkollege Mika Salo kollidiert, Melo sollte alleiniger
Meister werden. Was auch klappte: Melo wurde hinter Tim
Mullen/Chris Niarchos Zweiter und sicherte sich somit den
Titel in der GT2.
Beim zweiten Ferrari-Team Scuderia Ecosse flog Andrew Kirkaldy
wegen zu großer Unfallhäufung aus dem Aufgebot. Bobbi wollte
seinen Platz einneh-men, scheiterte aber am Veto von Ferrari.
Die große Überraschung war Spyker. Jeroen Bleekemolen knallte
den C8 auf Startplatz drei; Peter Dumbreck kam im zweiten
Alu-Pfeil nur deshalb nicht mit, weil sein Notaus-Schalter
in der Qualifikation raussprang. Kox/Dumbreck lagen schon
auf Rang drei, als der Kühler kaputt ging. Bleekemolen kassierte
eine Durch-fahrtsstrafe wegen Frühstarts, weil er den vor
ihm nur langsam beschleu-nigenden Saleen noch vor der Startlinie
überholte.
Daniel Stoffel