Nun
wissen wir also auch, wie heutzutage der Altweibersommer
in der Toskana aussieht: Beim siebten Lauf zur FIA GT-Meisterschaft
in Mugello kamen während des Rennens fast alle erdenklichen
Witterungsbedingungen vor. Monsunregen, leichter Regen,
abtrocknende Bahn - und ganz am Ende sogar trockene Verhältnisse.
Andrea Bertolini startete im Pirelli-bereiften Vitaphone-Maserati
MC12 von der Pole aus. Doch beim Start rauschte der Italiener
mittschiffs in eine sechs Zentimeter Tiefe Lache.
Am Maserati rissen ab der Beifahrertür sämtliche Halterungen
ab, sodass der Boden für den Rest des Rennens auf dem Teer
entlang schliff. Bertolini verlor die Führung an Toni Vilander.
Doch dessen Copilot feuerte den Gasstarter-MC12 später in
die Mauer. In der Anfangsphase glich die Piste von Mugello
einem Hochmoor. Teilweise mussten die Piloten sogar im vierten
Gang noch mit Halbgas fahren. Pirelli war in dieser Phase
den Michelin klar überlegen, weil sie im starken Regen besser
auf Temperatur kamen.
Ab dem zweiten Turn ließ der Regen langsam nach. Die Michelin-Autos
wur-den schneller. Allen voran Karl Wendlinger im Race Alliance-Aston
Martin, der sich zu Rennbeginn eher zurückhielt. Doch als
die Bahn langsam ab-trocknete, gaste der Kufsteiner richtig
an. Nur Vilander und Bertolini lagen bis zu den ersten Stopps
vor ihm. Dann zögerte Teammanager Andreas Hainke den Stopp
länger raus, Wendlinger übergab als Führender an Philipp
Peter. Weil es langsam trockener wurde, setzten die Pirelli-Teams
auf Inter-mediates.
Bartels/Bertolini waren die Ersten, die auf die Mischbereifung
vertrauten. Doch wie sich zeigte, war es dafür noch zu früh,
denn es dauerte einige Runden, bis Luftdruck und Temperatur
stimmten. Thomas Biagi und Jamie Davies im zweiten Vitaphone-Masi
holten ihre Intermediates drei Runden später. Deswegen waren
sie bei Davies eher einsatzfreudig; das ermöglichte es ihm,
sich direkt hinter Bartels zu setzen. Doch die Michelin-Piloten
hatten ein besonderes Ass im Ärmel: einen sogenannten "Trocken-Nass"-Reifen
mit Regenprofil, aber viel härterer Mischung als ein normaler
Regenreifen. Das besondere an diesem Pneu: Man kann länger
auf trockener Bahn fahren.
Alle Michelin Teams holten sich diesen Reifen beim ersten
Stopp. Peter war damit zu Beginn seines Turns besser bereift
als Bartels und konnte sich von ihm lösen. Doch bald war
dann der Intermediate um zwei bis drei Sekunden schneller.
Beim Race Alliance-Team musste man nun also agieren, anstatt
wie sonst als Führender nur auf die Verfolger zu reagieren.
Sascha Bert hatte sich für den letzten Turn des auf Position
drei fahrenden Zakspeed-Saleen gerade nochmals Intermediates
geholt, wurde damit aber immer langsamer. Also zögerte Hainke
Peters Stopp bis ans Ende der Tankfüllung raus - und gab
Wendlinger Slicks.
Der hängte Intermediate-Pilot Bartels sofort wieder ab.
Dann musste man bei Vitaphone auch auf Slicks umstecken.
Der Sieg war Wendlinger/Peter nicht mehr zu nehmen. Andrea
Piccini/Jean-Denis Deletraz im Phoenix-Aston Martin fuhren
mit exakt der gleichen Strategie wie das Siegerteam und
lagen zwischenzeitlich auf Rang drei. Doch ab der zehnten
Runde fiel der Benzin-druck zusammen. Erst nur im fünften
und sechsten Gang, später dann über-all. Deswegen reichte
es nur zu Platz sieben. Zakspeed verlor die Chance aufs
Podest durch einen zusätzlichen Reifenwechsel. Trotzdem
langte es für die Niederzissener noch zu Rang vier.
GT2-Klasse: Erster Porsche-Sieg des Jahres
In der GT2-Klasse gab es einige Ausrutscher. Emanuell Collard
und Luca Riccitelli im Ebimotors-Porsche machten das Beste
aus den Witterungs-bedingungen und gewannen vor Jaime Melo/Matteo
Bobbi im AF Corse-Ferrari F430, die ihre Tabellenführung
ausbauten. Tim Sugden/Iradj Alexander-David im JMB-F430
vervollständigten das Podest als Dritte.
Daniel Stoffel