Die
2001 zu einer reinen Hightech-Teststrecke umgebaute Piste
von Le Castellet ist Corvette-Land, das steht seit vergangenen
Sonntag fest. Das Gewürge der ersten, mit Bodenwellen versehenen
Schikane schluckte ihr Fahrwerk besser als die Maserati
und auf der langen Geraden fuhren sie 290 km/h, die besten
Aston Martin dagegen nur 287 km/h. Die Überlegenheit in
diesen beiden Sektoren reichte aus, um die Corvette C6-R
beim fünften Lauf zur FIA GT-Meisterschaft unschlagbar zu
machen.
Trotzdem war das Rennen äußerst spannend, denn ausnahmsweise
fuhren zwei Vetten. Neben den Stammstartern Mike Hezemans,
Anthony Kumpen und Bert Longin aus der GLPK-Mannschaft trat
auch das belgische Psi-Team mit Jos Menten und Jean-Phillip
Belloc mit einer Corvette C6-R an. Erst im letzten Turn
gelang es der GLPK-Truppe, sich gegen die Gaststarter durch-zusetzen.
Jamie Davies und Thomas Biagi rechneten sich im unterbeladenen
Maserati MC12 Außenseiterchancen aus, doch der Traum vom
Sieg war für sie bereits vor dem Start des Rennens in weite
Ferne gerückt.
Auf dem Weg in die Startaufstellung kollidierte Thomas Biagi
mit einem GT3-Ferrari und musste nach dem Tausch der hinteren
linken Spurstange aus der Box nachstarten. Danach arbeitete
sich das zweite Vitaphone-Auto immerhin noch auf den dritten
Platz vor. Karl Wendlinger qualifizierte den Race Alliance-Aston
Martin für die vierte Startposition, verlor beim Start aber
einen Rang an Fabio Babini. An dessen BMS-Auto kam er lange
nicht vorbei, weil der Italiener im Gegensatz zu Wendlinger
den flachen Le Mans-Flügel drauf hatte und auf der langen
Geraden um fünf Kilometer pro Stunde schneller war.
Als der Kufsteiner dann endlich vorbei war, setzte er sich
sofort ab. Doch beim Fahrerwechsel auf Partner Philipp Peter
sprang der Aston Martin nicht gleich an und außerdem klemmte
ein Hinterrad. Summa summarum gingen zwölf Sekunden flöten,
die am Ende fehlten, um Davies/Biagi angreifen zu können.
Nichts desto Trotz erreichten Wendlinger/Peter mit Platz
vier ihr bestes Saisonresultat. Die Leistungssteigerung
des Race Alliance-Teams ist vor allem auf Renningenieur
Massimo del Prete zurückzuführen, der in Le Castellet den
in der DTM engagierten Hannes Gruber vertrat. Durch eine
andere Abstimmung der Vorderachs-Federung erreichte der
füllige Italiener eine deutlich bessere Fahrbarkeit.
Der Phoenix-Aston Martin, genau wie die BMS-Autos mit Le
Mans-Aero-dynamik bestückt, litt bis in die Qualifikation
unter Sensorproblemen im Getriebe, die der Motronic die
Notwendigkeit eines drehzahlgedrosselten Notprogramms vorgaukelten.
Andrea Piccini/Jean Denis Deletraz stotterten auf den 13.
Startplatz, konnten im Rennen aber mit frischen Sensoren
aus-gerüstet bis auf Platz sechs vorfahren. Womit sie
den Rückstand auf die Tabellenführer Michael Bartels/Andrea
Bertolini reduzierten. Denn das Nummer-1 Auto der Vitaphone-Mannschaft
musste mit Platz sieben vorlieb nehmen, nachdem man den
Masi-Motor im Warm-up nach alarmierenden Geräuschen wechselte
und dadurch eine Strafversetzung kassierte.
Auch Zakspeed erlebte ein schlechtes Wochenende. Die Sieghoffnungen
der Niederzissener endeten bereits nach 22 Runden des zweiten
Trainings. Wegen eines kaputten Kipphebels musste der Motor
gewechselt werden - auch das Team von Peter Zakowski bekam
eine Strafversetzung aufge-brummt. Sascha Bert/Andrea Montermini
starteten aus der Box und arbeiteten sich auf Rang fünf
nach vorn. Doch dann beschädigte Montermini den Diffusor,
weil er über ein Teil fuhr, das auf der Strecke lag. Nach
dem nötigen Wechsel fiel man auf Platz acht zurück, den
man aber bis ins Ziel halten konnte.
GT2- Klasse: Schotten-Power
Die GT2 Klasse war in Le Castellet absolut in schottischer
Hand. Die beiden Ferrari F430 der Scuderia Ecosse waren
ähnlich dominant wie die Corvette in der GT1-Klasse - und
lieferten sich ein ähnlich erbittertes Duell um den Sieg.
Letztlich sicherten sich Nathan Kinch/Andrew Kirkaldy knapp
den Sieg vor dem Schwesterfahrzeug von Tim Mullen und dessen
neuen Co Marino Franchitti. Tim Sugden und Iradj Alexander
in einem weiteren F430 kom-plettierten das Ferrari-Podest.
Die beiden Ferrari der Tabellenführer von AF Corse waren
chancenlos. Matteo Bobbi/Jaime Melo wurden Fünfte und setzten
sich in der Gesamtwertung um einen Punkt von Rui Aguas/Mika
Salo ab, die hinter ihnen einliefen. Luca Riccitelli/Emmanuell
Collard im Ebimotors-Porsche mussten nach einem Motorwechsel
von hinten starten und gingen als Neunte leer aus. Beste
Stuttgarter Vertreter waren Wolfgang Kaufmann/Luca Moro
auf Platz sieben.
Daniel Stoffel