Besonders
einladend präsentierte sich der Silverstone International
Circuit beim Auftakt zur FIA GT-Meisterschaft nicht. Über
das gesamte Wochenende schüttete es auf der Traditionsstrecke
in Northamptonshire wie aus Kübeln. Deshalb wurde bereits
das Qualifying zu einer Lotterie. Letztendlich sicherten
sich Mike Hezemans, Anthony Kumpen und Bert Longin in der
neuen Corvette C6-R die Pole Position vor Sascha Bert/Jarek
Janis im Zakspeed Saleen S7-R und Deletraz/Piccini im Phoenix
Aston-Martin DBR9.
Am Rennsonntag schien Petrus dann ein Einsehen mit den Protagonisten
zu haben. Zwar regnete es noch bis in die Startphase des
3-Stunden Rennens hinein, doch der Niederschlag wurde immer
weniger und auch die Außentemperatur stieg wieder stetig
an. Beim Start ging es dennoch reichlich chaotisch zu. Frank
Diefenbacher im Race-Alliance Aston Martin DBR9 verlor auf
der noch nassen Piste die Kontrolle über sein Fahrzeug und
crashte in seinen Teamkollegen Karl Wendlinger im Schwesterfahrzeug.
Diefenbachers Aston rollte an Ort und Stelle aus, Wendlinger
konnte vorerst weiterfahren. Doch auch das Fahrzeug des
Kufsteiners hatte den Crash nicht unbeschadet überstanden.
Denn der Treffer von "Diefi" landete genau in der rechten
Flanke des DBR9 und drückte den Auspuff ein, sodass die
Leistung in den Keller fiel. Außerdem riss eine Luftleitung
vom Wagenhebersystem und die Aufhängung wurde beschädigt.
Dies führte später dazu, dass Philipp Peter in seinem Turn
ein Rad verlor und ausschied.
Auch Polesitter Mike Hezemans hatte beim Start kein glückliches
Händchen, denn nach einem massiven Quersteher fiel der Niederländer
bis auf den achten Rang zurück. Ein garstiges Untersteuern
der Vette verhinderte in der Folge, dass die GLPK Mannschaft
wieder den Anschluss zur Spitzengruppe herstellen konnte.
Andrea Piccini im mit Regenreifen bestückten Phoenix Aston-Martin
übernahm die Führung. Doch die mehr und mehr abtrocknende
Piste zwang den Italiener, bereits nach einer halben Stunde
die Box zum Reifenwechsel aufzusuchen.
Jarek Janis im Zakspeed-Saleen fightete nun mit dem Vitaphone
Maserati MC12 von Bartels/Bertolini um die Führung. Beide
waren auf Intermediate-Reifen ins Rennen gegangen, was sich
nun auf der immer trockener werdenden Strecke voll auszahlte.
Der zweite Vitaphone MC12 mit Jamie Davies am Steuer drehte
sich bereits in der Startrunde und verlor wertvollen Boden.
Beim Boxenstopp wurde dem Briten dann anstatt einer Dose
Scheibenklar das dünne Sprühöl WD40 auf die Windschutzscheibe
gesprüht, weil beides in gleich aussehenden Behältern war.
In der Folge irrten Davies/Biagi dann mit einem Ölfilm vor
Augen durch Silverstone, konnten am Ende aber immerhin noch
Rang fünf retten. Für das Schwesterfahrzeug lief es dagegen
wesentlich besser. Zwar stoppte der MC12 von Bartels/Bertolini
einmal mehr als der Zakspeed Saleen, doch beim letzten Boxenstopp
bekam Michael Bartels keine neuen Reifen mehr aufge-schnallt.
Dieser Zeitvorteil und die Tatsache, dass Janis in der Endphase
des Rennens einmal kurz ins Aus rumpelte, sicherte Michael
Bartels und Andrea Bertolini den Sieg bei der "Tourist Trophy".
Rang zwei belegte trotz des Ausrutschers und einem daraus
resultierenden Zeitverlust von ca. sechs Sekunden der Zakspeed-Saleen
S7-R von Jarek Janis und Sascha Bert. Das Podium komplettierten
Fabrizio Gollin und Fabio Babini im BMS-Aston Martin DBR9.
David Brabham und Christophe Bouchut kamen im Cirtek-Aston
Martin nur auf Gesamtrang vier. Der unterschiedliche Fahrstil
der beiden machte das Finden einer gemeinsamen Abstimmung
äußerst kompliziert. Deshalb konnten "Brabs" und Bouchut
während des gesamten Rennens nie richtig aufgeigen.
Neuwagen schlägt Oldie
In der GT2 Klasse setzte der neue Ferrari F430 das erste
Glanzlicht der Saison. Zumindest beim Rennen in Silverstone
war der GT2-Neuling dem in seiner Basis bereits acht Jahre
alten Porsche 996 GT3 überlegen. Andrew Kirkaldy im Scuderia-Ecosse
Ferrari F430 führte das Rennen in der An-fangsphase an.
Doch bereits nach acht Runden platzte der Wasserschlauch
zwischen Motor und Kühler. Das Schwesterfahrzeug von Tim
Mullen und Chris Niarchos strandete nach 26 Runden mit exakt
demselben Defekt.
Nun lag der AF Corse Ferrari F430 von Jamie Melo/Matteo
Bobbi in Front. Im weiteren Rennverlauf gelang es aber dem
Ebimotors Porsche 996 GT3 RS mit Emanuel Collard und Luca
Riccitelli am Steuer, den Ferrari mächtig einzu-heizen.
Prompt fielen diese aus dem Verbrauchsfenster heraus. Matteo
Bobbi musste es deswegen in der Schlussphase sehr langsam
angehen lassen, um nicht noch einmal zu einem Splash & Dash
an die Boxen kommen zu müs-sen.
Den musste dafür das Schwesterfahrzeug mit Mika Salo/Rui
Aguas einlegen und verlor dadurch Platz zwei. Diesen erbten
Collard/Riccitelli, die aber am Sieg von Bobbi/Melo nichts
mehr ändern konnten. Chrsitian Ried/Horst Felbermayr jr.
kamen auf einen ausgezeichneten vierten Rang, während sich
Wolfgang Kaufmann mit Position sieben begnügen musste.
Daniel Stoffel