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Das
Premierenjahr der neuen
Tourenwagen-WM aus der
Sicht eines Motorsport-Fans
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Endlich eine
Tourenwagen-Weltmeisterschaft! Naja, eigentlich ist es ja die Wiedergeburt
einer bereits da gewesenen Rennserie. Schon im Jahre 1987 wurde
erstmal um den Weltmeistertitel in Tourenwagen gekämpft. Der Sieger
der damaligen Einjahrsfliege hieß Roberto Ravaglia und er fuhr einen
BMW M3. Wie schon damals waren auch in der neuen "Word Touring Car
Championship", kurz WTCC, die Autos aus dem Hause der Bayrischen
Motorenwerke unschlagbar.
Das allererste Rennen der Saison, auf der eigentlich für Alfa Romeo
prädestinierten Strecke im italienischen Monza, zeigte schon auf,
dass mit BMW in dieser Saison auf allen Strecken zu rechnen ist.
Sowohl die Pole Position als auch der Rennsieg gingen an Dirk Müller.
Ein perfektes BMW-Ergebnis vermasselte lediglich im zweiten Lauf
James Thompson, der mit seinem Sieg die Ehre der "Alfisti" rettete
und Dirk Müller auf Platz zwei verwies.
Bei der zweiten Saisonstation "müllerte" es dann gewaltig. Von Platz
18 gestartet gewann Jörg Müller zunächst den ersten Lauf und anschließend
von Platz acht aus auch Lauf zwei. Polesitter Dirk Müller wurde
im ersten Lauf sechster und im zweiten Lauf Zweiter. In Lauf zwei
konnte BMW sogar einen Vierfachsieg feiern. Alfa Romeo schon geschlagen?
Die Antwort folgte bei der dritten Saisonstation in Silverstone.
Vierfachsieg für Alfa Romeo in Lauf eins. In Lauf zwei dann der
erste WTCC-Sieg für Seat, und das gleich doppelt. Hinter den beiden
Piloten des Seat Toledo, Rickard Rydell und Gaststarter Jason Plato,
wieder zwei Alfa Romeo, die von Gabriele Tarquini und Augusto Farfus
jr. BMW geschockt?
Teilweise, muss man sagen, wenn man auf die Ergebnisse der vierten
Saisonstation in Imola schaut. Hier in seiner Heimat taute nämlich
der ehe-malige italienische und europäsche Tourenwagen-Meister Fabrizio
Giovanardi auf und beendete seine bisherige "Seuchensaison" mit
den Plätzen eins und drei. Dabei war er in der Emiglia Romana der
Einzige aus dem Alfa-Romeo-Lager, der der BMW-Armada etwas entgegenzusetzen
hatte.
Die erste Saisonhälfte wurde nach viel zu langer Sommerpause dann
auf der brandneuen Strecke im mexikanischen Puebla beschlossen.
Die sehr unkonventionelle, da in ein Oval eingebettete Strecke,
hielt einige Über-raschungen bereit, sowohl positive als auch negative.
Negativ war z.B. das von beinahe allen Fahrern beschriebene niedrige
Gripniveau. Dieses in Verbindung mit den beinahe unmittelbar neben
der Strecke verlaufenden massiven Streckenbegrenzungen sorgte im
Laufe des Rennwochenendes für diverse Kaltverformungen an den Autos
und für viel Frust bei Fahrern und Teams. Die speziellen Bedingungen
riefen aber jemanden auf den Plan, mit dem niemand gerechnet hatte.
Roberto Colciago konnte sich in einem Honda Accord (!) die Pole
Position für den ersten Lauf sichern. Den ersten Sieg schon vor
Augen, kam dann aber doch alles anders als erwartet. Schon nach
sieben Runden musste der Italiener die Segel streichen und auf ein
besseres Gelingen in Lauf zwei hoffen. Doch sein italienisches Temperament
bescherte ihm eine 30sekündige Zeitstrafe, die er sich im Zweikampf
mit dem Sieger aus Lauf eins, Fabrizio Giovanardi, lieferte. Giovanardi
wurde nach dem Sieg in Lauf eins noch Dritter, während der so hoch
motivierte Colciago mit Platz 18 zufrieden sein musste. Eine Sensation
gab es dennoch: Peter Terting konnte im Seat Toledo, nur knapp drei
Jahre nach dem Gewinn des VW Lupo Cups, seinen ersten Sieg in der
Tourenwagen-WM feiern.
Halbzeit! Nach einer, bedingt durch die erneut sechs Wochen in Anspruch
nehmenden Verschiffung der WTCC-Autos, genau so langen Pause wie
vor den Rennen in Mexiko, ging es dann auf die gar nicht so neue
aber min-destens genau so abenteuerliche Strecke in Spa-Francorchamps.
In zwei actionreichen Rennen ließen die Fahrer aus dem hause BMW
wieder nichts anbrennen. Mit einem Dreifachsieg im ersten Lauf meldete
man sich nach dem eher durchschnittlichen Abschneiden in Mexiko
eindrucksvoll zurück. In Lauf zwei wurde ebenfalls ein BMW als Sieger
abgewinkt. Stefano d'Aste, ein Fahrer aus der Independence Trophy,
also der Wertung für nicht werksunter-stützte Fahrer, schnitt allerdings
die "Bus Stop"-Schikane, sodass ihm der Sieg durch eine nachträglich
verhängte 3-Sekunden-Strafe um ganze 0,003 Sekunden an Fabrizio
Giovanardi entglitt.
Bei der siebten Saisonstation in der Motorsport Arena Oschersleben
geschah dann etwas ausgesprochen Kurioses und ebenso Bewegendes.
Während im ersten Lauf noch alles nach Normalität aussah, mit einem
Sieg vom eigent-lichen Punktehamster Andy Priaulx, gewann im zweiten
Lauf Alessandro Zanardi sein erstes international bedeutendes Rennen
seit seinem schweren Crash bei den Champ Cars am EuroSpeedway Lausitz
im September 2001. Zusätzlich zu der Tatsache, dass Zanardi der
erste Fahrer mit zwei amputierten Beinen war, der ein international
bedeutendes Rennen gewann, tat er dies auch noch unweit des Orts,
wo er nichtmals vier Jahr zuvor beinahe sein Leben verlor.
Die achte Saisonstation führte dann erstmals nach Asien, genauer
gesagt auf den asiatischen Teil der Türkei. Die brandneue Strecke
unweit Istanbul nutzte Alessandro Zanardi wiederum dazu, das Podium
zu erklimmen, während seine Landsmänner Fabrizio Giovanardi und
Gabriele Tarquini, beide Alfa Romeo, jeweils die Rennsiege verbuchen
konnten. Der totale Alfa-Romeo-Triumph, ein Vierfachsieg, wurde
im ersten Rennen nur durch zwei Reifenschäden in der letzten Runde
vereitelt.
In Valencia, der vorletzten Veranstaltung der "neuen" WTCC, sahen
die BMW-Mannen dann schon vor der Anreise eigentlich schwarz. Denn
nach einem desaströsen Abschneiden in der Tourenwagen-WM im vergangenen
Jahr rechnete man sich auch in diesem Jahr nicht viel aus. Die aktuellen
BMWs sollten aber durchaus konkurrenzfähig sein, im Gegensatz zu
den "Jahreswagen", wie ihn z.B. Marc Hennerici, der zu dieser Zeit
Führende der Independence Trophy, fährt. Hennerici: "Mit dem BMW
werden wir es dort schwer haben, wegen der Übersetzung". Wie erwartet
hatte der 23jährige Bonner es auch schwer, nicht so seine werksunterstützten
Markenkollegen. Zwar triumphierte im ersten Lauf auf seiner Heimstrecke
Jordi Gene im neuen Seat Leon, aber im zweiten Lauf konnte einen
Fünffachsieg von BMW nur Fabrizio Giovanardi verhindern, der den
zweiten Platz einheimste. Geprägt wurde das Rennen jedoch durch
einen Zweikampf zwischen Andy Priaulx und Dirk Müller, mit dem hart
erkämpften besseren Ende für Priaulx. Nach dem Rennen eine kurze
Aussprache. Priaulx: "Very hard"- Dirk Müller: "But still fair"-
Priaulx: "No, not fair! "
Als es dann nach wiederum mehrwöchiger Pause zum großen Finale nach
Asien, diesmal in die Spielerstadt Macau in China, ging, führte
Dirk Müller mit 86 Punkten vor Andy Priaulx mit 85 Punkten. Mit
81 Punkten hatte aber auch Fabrizio Giovanardi als einziger Alfa-Romeo-Pilot
noch Chancen auf den Titel. Nach Rennen eins war dann aber so gut
wie alles entschieden. Durch eine zweiten Platz von Priaulx und
gleichzeitig keinen Punkten für Dirk Müller (Kollision mit Nicola
Larini), waren die Chancen des Burbachers auf ein Minimum geschrumpft.
Fabrizio Giovanardi hatte hingegen keine Chance mehr auf den Titel,
da er auch punktlos blieb. Eine Entscheidung war definitiv schon
gefallen: BMW ist Markenweltmeister!
In Lauf zwei ging es dann nur noch darum, wer für BMW den Fahrertitel
holt, Andy Priaulx oder Dirk Müller. Nachdem Letzterer aber in der
"Lisboa Corner" sein Auto in die Reifenstapel stopfte, ging es für
Priaulx höchstens noch darum, die Saison mit einem Rennsieg abzuschließen.
Doch auch das gelang ihm nicht. Überraschend konnte Duncan Huismann,
der jüngere Bruder des aus dem Porsche Supercup legendären Patrick
Huismann, einen Sieg für das BMW Team Holland holen.
Der totale Triumph für BMW wurde dann durch den Sieg in der Independence
Trophy durch Marc Hennerici besiegelt. Der erst 23 Jahre alte Enkel
von Heinz Hennerici konnte damit, nachdem er 2001 eigentlich schon
die Renn-fahrerkarriere aufgegeben hatte, seinen ersten international
bedeutenden Titel holen, nachdem er sich im Jahr 2003 schon als
Meister des Alfa Romeo 147 Cups in Deutschland hatte feiern lassen
dürfen.
Mein Glückwunsch geht an diese Stelle also an BMW, Andy Priaulx
und Marc Hennerici zu den jeweiligen Weltmeistertiteln!
Was bringt die nächste Saison? Zunächst Mal einen unerfreulichen
Ausstieg. Alfa Romeo wird sich im Jahr 2006 definitiv werksseitig
aus der WTCC zurückziehen. Umso erfreulicher ist es, dass Lada werksseitig
einsteigt. Erfolge sind aber von den Osteuropäern nicht zu erwarten.
Das zeigen die Erfahrungen von z.B. Seat und Chevrolet in den vergangenen
Jahren. Lada wird wohl im kommenden Jahr nahtlos die Rolle übernehmen,
die Ford in diesem Jahr gespielt hat. Ford wiederum wird sich vom
Hinterbänkler zumindest mal in das vordere Mittelmaß schieben. Seat
wird die "zweite Kraft" neben BMW, zwischen Seat und Ford sehe ich
noch Chevrolet.
Am ersten April-Wochenende 2006 werden wir dann sehen, ob das alles
auch in der Realität so aussieht, denn der Motorsport hält ja immer
Überraschun-gen parat! Ich hoffe, die mehr als fünf Monate des Wartens
werden nicht all zu lang.
Mit motorsportlichem Gruß
Michael Bräutigam
www.michaelbraeutigam.net.ms/
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WM-Endstand
nach
20 Rennen
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1
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Prilaux |
101
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|
2
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D. Müller |
86
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|
3
|
Giovanardi |
81
|
|
4
|
Farfus |
64
|
|
5
|
J. Müller |
59
|
|
6
|
Ryddell |
56
|
|
7
|
Tarquini |
55
|
|
8
|
Thompson |
53
|
|
9
|
Gacia |
51
|
|
10
|
Zanardi |
35
|
|
11
|
Gené |
32
|
|
12
|
Terting |
30
|
|
13
|
Menu |
15
|
|
14
|
D. Huisman |
13
|
|
15
|
Coronel |
11
|
|
16
|
Plato |
10
|
|
17
|
Laraini |
9
|
|
18
|
D'Aste |
8
|
|
19
|
Colciago |
4
|
|
20
|
Huff |
3
|
|
21
|
Ortelli |
3
|
|
22
|
Carol |
1
|
|
21
|
Carol |
1
|
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